Basler Zeitung

Vom Füreinander-da-Sein

Illustration: Rebekka Heeb

Innocent vergisst. Er fragt mich: «Welchen Tag haben wir heute?» Ich sage: «Dienstag.» Nach zehn Minuten fragt er wieder: «Welchen Tag haben wir heute?» - «Dienstag.» So etwas macht dich traurig.

Anderseits: «Habe ich dir das Monatsgeld schon gegeben?» - «Nein.» «Entschuldige.» Er öffnet das Portemonnaie, «hier - bitte!» Nach zehn Minuten: «Habe ich dir das Monatsgeld schon gegeben?» - «Nein.» - «Entschuldige, hier - bitte!» Ich meine - so hat es auch seine guten Seiten.

Erschienen am: 
Dienstag, 9. März 2021

Von Theaterröcken, alten Tanten und «DAS IST NICHT FASNACHT!»

Illustration: Rebekka Heeb

«Muss es eine Tante sein?»

Mutter rührte in ihrem Gin-Fizz, sodass die Eiswürfel nervös klapperten. Dann etwas schriller: «...schwirren in dieser Familie nicht schon genügend alte Tanten herum. Reicht dir dieses Duftgemisch von Naphthalin, kölnischem 4711 und Pfefferminz-Dragées nicht...?»

DER DISPUT WIRBELTE UM MEIN MORGENSTRAICH- KOSTÜM.

Erschienen am: 
Dienstag, 16. Februar 2021

Pia Inderbitzin: «Ich bin die Frau hinter Frau Fasnacht»

Foto: Nicole Pont

Sie ist die heutige Frau Fasnacht.

Aber da ist nichts von violetter Rüschenbluse und Ridicule (nur Coop-Tasche mit Lauch), null Spitzenhandschuhe. Und kein grauer Dutt unter dem Blumenhut.

Basels Frau Fasnacht 2021 kommt mit Bubikopf in der Farbe des Höllenfeuers anstelle des roten Huts! Dazu ein Outfit im passenden Trauerschwarz: Denn auch dieses Jahr weint sie um die 72 schönsten Basler Stunden, die den Bach runtergehen…

Erschienen am: 
Sonntag, 14. Februar 2021

Gavin Gnanavasagam: «‹Daheim›, denke ich. Und meine Basel, die Clique und die Fasnacht»

Foto: Kostas Maros

«…Und wenn ich der Laterne um drei Uhr morgens das weisse Tuch runterreisse, wenn ich weiss: in einer Stunde wirst du leuchten. Ich glaube, das ist der grösste Glücksmoment für mich…» Die schwarzen Augen schauen mich lange an: «Ich bedanke mich dann stumm bei der Fasnacht, bei meiner Clique – sie haben mir geholfen, die Wurzeln hier wachsen zu lassen.»

Erschienen am: 
Donnerstag, 11. Februar 2021

Vom «Buggeli-Turnen» und den gepflückten Seidenblumen

Illustration: Rebekka Heeb

«Ja Himmeldoria! Musst du eigentlich stets tänzeln wie eine abgehalfterte Ballettlehrerin?» Meiner Mutter war es so etwas von wurst, eine schrille Schwuchtel grosszuziehen. Aber sie mochte es nicht, wenn ich den Finger beim Tee spreizte, den linken Arm vom Ellbogen ausstreckte und tänzelte wie die Damen im Rokoko. Sie wurde dann leicht bissig: «Hör mal, Tucki, es ist nicht schlimm, schwul zu sein – aber es ist schlimm, wenn man daraus eine Hymne macht.»

Erschienen am: 
Dienstag, 9. Februar 2021

Von viel zu engen Schuhen und zwei Dutzend Fasnachtsplaketten

Illustration: Rebekka Heeb

Gestern passierte etwas, das etwa so ablief: Ich wackle den Spalenberg runter. Jawohl: WACKLE - ist das Wort. Ich habe mir nämlich diese neuen, roten Schuhe an die ausge leierten Flossen gebeamt. Sie (die neuen Schuhe) sind schmal wie ein Langlaufski. Sie haben grüne Schnürsenkel. ABER: Es gab sie punkto Grösse nur eine Nummer zu klein für meine fusstechnische Rührei-Katastrophe.

Erschienen am: 
Dienstag, 2. Februar 2021

«Ich grüsse nicht mehr!»

Ich grüsse nicht mehr. Und auch nicht zurück!

Warum?

Das Credo meiner Eltern war: «Grüss schön, sonst denken die Leute, du seist hofärtig!» Sie trimmten mich auf Händeschütteln, Lächeln und «Grüezi». Meine Tante «Nettchen» reagierte stinkig, wenn jemand ihr nicht «guten Tag» sagte und sie übersah. Sie war klein. Und bellte umso lauter: «D e r grüsst doch nie. Das ist eine absolute Rübe!» Sie sagte Schlimmeres. Aber das kann ich hier nicht bringen. ZENSUR!

Erschienen am: 
Donnerstag, 21. Januar 2021

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