Basler Zeitung

Vom Wunsch, Silvester zu verschlafen, und vom Kaffeesatzlesen...

Illustration: Rebekka Heeb

Nein. Silvester konnte es mir nie.

Hatte immer diesen sanft melancholischen Rappel.

UND WÄRE AM LIEBSTEN AB IN DIE HEIA!

Geht natürlich nicht. Alle hängen herum. Und warten auf den magischen Moment des Countdowns: Der Zeiger springt auf Mitternacht. Die ersten Raketen sind schon explodiert. Und auf dem Fernsehbildschirm herrscht diese ausgelassene Fröhlichkeit, wie auf der Titanic am Abend bevor sie unterging.

Erschienen am: 
Dienstag, 31. Dezember 2019

Der fliegende Klaus

Pierre mochte Urs nicht.

Als Kind musste er sich von ihm blöde Sprüche wie «Scheiss-Schwuchtel» oder «Huch - das rosige Blashorn kommt!» gefallen lassen.

Manchmal boxte Urs ihn auch: «Dir zeig ichs jetzt - du Soft-Tucke!»

Pierre liess es geschehen. Der Schwächere duckt sich vor dem Stärkeren. Das ist die Kinderagenda des Alltags.

Die Elternpaare waren befreundet: Schieber am JassteppichSonntagsspaziergänge zu Picknickplätzengemeinsamer Silvester mit klebrigem Sekt und belegten Brötchen.

Erschienen am: 
Freitag, 27. Dezember 2019

Das verbotene Türchen - eine Weihnachtsgeschichte

Illustration: Rebekka Heeb

Lucie träumte vor sich hin. Die Gedanken des kleinen Mädchens kreisten um das verbotene Türchen. Immer wieder strich das Kind mit seinen weissen Händen über den Adventskalender.

Manchmal rieselten ein paar Glimmerflocken aufs Kissen. Für Lucie waren es Diamanten, die Weihnachtsengel auf ihr Bett fallen liessen.

Monika legte die Hand auf den Kopf ihrer Tochter: «Du hast Fieber, Kleines. Und ich glaube, du solltest diesen Glimmerkalender nicht immer in die Finger nehmen. Glimmer ist gefährlich.»

Erschienen am: 
Dienstag, 24. Dezember 2019

Gesponnene Weihnacht

Agatha wisperte. Nun ja - so wie kleine Spinnen wispern, wenn sie stinkig sind: «Weshalb hocken wir in diesem Kellerloch, Omi? Hier gibt es keinen Weihnachtsbaum...»

Die Spinnen-Omi seufzte. Sie war Kummer mit ihrer Enkelin gewohnt.

Die heutige Jugend war aufmotziger als zu ihrer Zeit. Damals wurde gesponnen.

Unermüdlich. Immer kam irgendeine hyperaktive Hausfrau mit dem Staubwedel. Und zerstörte das gesponnene Tagwerk.

BRUTAL! DIE GANZE SPINNEREI FÜR NULL UND NICHTS.

Erschienen am: 
Freitag, 20. Dezember 2019

Von der Tischordnung und dem Weihnachtsessen

Illustration: Rebekka Heeb

An Weihnachten gings ums Essen. Immer.

Kann man sich heute nicht mehr so vorstellen.

Aber unsere Eltern hatten eben die Kriegsjahre hinter sich, wo sie sich ein Ei im Monat auf teilen mussten.

UND SCHOKOLADE GABS NUR IM HIMMEL.

Heute kennen wir das alles von Diäten.

Kein Brot... keine Butter... keine Nudeln... von Pralinés (dunkel) wollen wir gar nicht reden... nur Protein-Drinks und vegane Meeresalgen!

ABER HALLO!

Erschienen am: 
Dienstag, 17. Dezember 2019

Rudi Bindella: «Wir wollten den Schweizern die italienische Lebensfreude schenken!»

Foto: Lucia Hunziker

«Das ist Bindella!» - der Taxifahrer zeigt auf ein grosses Gebäude. Stil 60er-Jahre. Kein architektonischer Wurf. Aber solide.

Camions laden Weine aus. Camions laden Weine ein.

Eine Treppe führt ins Herz dieses Familienimperiums, das schon vor über 100 Jahren Chianti aus Italien in die Schweiz importiert hat.

Im Innern: prächtige Lüster, goldener Prunkspiegel, viele Antiquitäten und Kunst, wohin das Auge schaut. Dazu sanft flackernde Kerzen. Viele Kerzen.

Erschienen am: 
Samstag, 14. Dezember 2019

Ave Maria

Rosa liebte den Chor.

Und der Chor liebte Rosa.

Die alte Frau sass als Einzige auf einem Stuhl. Sie konnte nicht mehr lange stehen.

Die andern wippten im Takt. Klatschten zu den Soul-Rhythmen.

Rosa wippte auf dem Stuhl etwas unbeholfen mit. Sie versuchte mit den Fingern zu schnippen. GING NICHT MEHR. Rosa hatte Gicht.

Sie zuckte die Schultern - und schaute entschuldigend zur Chorleiterin.

Doch Jenny blinzelte ihr aufmunternd zu: «Alles okay - Rosa. Du machst es sehr gut!»

Erschienen am: 
Freitag, 13. Dezember 2019

Von der Büchsenöffner-Königin und Schoggi-Mousse

Illustration: Rebekka Heeb

Nein. Ich bin nicht der Typ, der beim Teigausrollen glühende Backen bekommt. ALSO: NICHTS HAUSGEBACKENES!

Meine Freundinnen backen jetzt natürlich alle auf Teufel komm raus. Es gelingen ihnen Änisbrötli, in deren Teig sie mit einem Holzmodel Blumensträusse oder das Spalentor ausstechen.

DIE OPTIK BESTICHT - doch die Quintessenz ist meistens: hart. Und die Prothesen schaukeln!

Erschienen am: 
Dienstag, 10. Dezember 2019

Zwei Kläuse und ein alter Mann

Heinz und Felix waren Callboys. Man konnte sie mieten. Zumindest am Klausentag.

Die beiden hatten in zwei rote Klausenmäntel investiert. Nun bimmelten sie sich durch die Strassen. Mahnten Kinder (sie hatten die Notizen der Eltern in einem dicken Buch eingeklebt). Und leerten den grossen Sack mit den Süssigkeiten aus: zuckerfreie Karamellen. Und Zombie-Figürchen.

Erschienen am: 
Freitag, 6. Dezember 2019

Vom Wandel mit Kläusen und dem geklauten Milchgeld...

Illustration: Rebekka Heeb

Bald schellen die Kläuse dieser Welt wieder durch die Gassen.

Oder sie zeigen sich umweltfreundlich auf dem Stahlross, das ihnen mit einem kleinen Elektromotor das Strampeln im wallenden roten Mantel erleichtert.

Nikoläuse sind heute lieb, gütig, umweltbewusst.

Sie winken aus dem Weihnachtstram und gehen als Zwischending von Brechts Mutter Courage und amerikanischem Father Christmas durch den 6. Dezember.

ABER HALLO - DAS WAR FRÜHER GANZ ANDERS!

DER NIKOLAUS WAR DER KOTZBROCKEN IN DER HEILEN KINDERWELT!

Erschienen am: 
Dienstag, 3. Dezember 2019

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