Basler Zeitung

Influenzer

Irmi sass bereits am Kuchen. Helga schüttelte missbilligend die Locken. Sagte aber nichts. Nur: «Du siehst prächtig aus...»

Irma seufzte. Und leckte sich den Rahm von den Lippen: «Es trügt. ALLES NUR PUDER. Nein. Ich bin total deprimiert. Und wenn ich deprimiert bin, muss ich etwas Süsses reinhoovern!»

Helga hielt den Atem an. Ihre Gedanken machten Sprünge: der Mann mit einer andern ab... oder schlimmer: Wolfi tot?

«Du Armes.» - Helga nahm Irmas Hand: «Wolfi? Ist er...?»

Erschienen am: 
Freitag, 10. Mai 2019

Von einer Omelette und keiner goldenen Hochzeitsfeier

Illustration: Rebekka Heeb

Es war vor 50 Jahren. Und alles war anders.

ICH MEINE: KEINE INTERNET-PORTALE FÜR ONE-NIGHT-STANDS keine SMS- Möglichkeit: «Habe sturmfrei und den Drang.»

Da gab es für Hetis lediglich den «Thé Dansant». Und wer die Sache heisser serviert haben wollte, besuchte die Piano-Bar mit den Damen auf dem Barhocker.

Für Mann-mit-Mann-Kundschaft hatte die Stadt zahlreiche Clubs und Bars anzubieten. Meistens waren diese übervoll - und die Preise (wie auch in den Piano-Bars) an der Decke.

Erschienen am: 
Dienstag, 7. Mai 2019

Spaghetti - vegan

«Was soll das?» - Hans schob den Mittagsteller entsetzt von sich. «Du hast Spaghetti versprochen! Das hier ist Gemüseauflauf. Und von Gemüse bekomme ich Durchfall »

Meggy strahlte ihren Alten an: «Das s i n d Spaghetti, Hans. Gemüsespaghetti. Es ist ein Probegalopp. Liz kommt am Wochenende. Sie isst seit einiger Zeit nur vegan. Sie war schon als Kind sehr eigen. Statt mit einer Puppe schmuste sie mit diesem Plastikskelett herum. Und Durchfall hast du, weil du den Weisswein zu kalt herunterstürzt »

Erschienen am: 
Freitag, 3. Mai 2019

Vom Besuch bei Greta und von Rosette

Illustration: Rebekka Heeb

Greta hat sich angesagt. Die Zeitungen waren voll davon. Die Medien kriegten sich nicht mehr ein. Das Internet brach zusammen.

Zuerst war das Mädchen im Vatikan. Dann bei Frau Elisabetta im Senat. Die Präsidentin knickste vor ihr. Und nannte Greta ein Vorbild für die Menschheit.

GRETA NAHM ES GELASSEN: «Alle gratulieren mir. Es gibt nichts zu gratulieren. Wir haben überhaupt noch nichts erreicht!»

DANKE FÜRS GESPRÄCH.

Erschienen am: 
Dienstag, 30. April 2019

Telefon-Sex

Dolly hockte da. Sie machte Sudoku. Und nervte sich, weil die Sache nicht aufging.

Dolly trug einen Telefonkopfhörer. Überdies: eine bequeme Trainerhose. Dazu ein T-Shirt mit Minnie Mouse. Und natürlich hiess sie nicht Dolly. Sondern Lilli Lauber. Lilli verdiente sich ihr Geld mit Telefonsex.

Vorher hatte sie als junge Telefonistin auf der Zentrale der Universität gearbeitet. Nichts Aufregendes. Und zu wenig für Lillis grossen Traum: ein Chalet am Thunersee. Lilli musste sich etwas einfallen lassen.

Erschienen am: 
Freitag, 26. April 2019

Von Café complet und schaukelnden Prothesen

Illustration: Rebekka Heeb

«Du hast doch einen am Körbchen!» - Innocent schaute bestürzt auf den grossen Tisch.

Angesagt waren zwölf Gäste. Angesagt war auch Sparsamkeit. HIER GING DIE SPARSAMKEIT INNOCENT ETWAS ZU WEIT

«Was soll das? - Kaffeetassen?! ICH HABE DIE MILITÄRBANDE ZU EINEM NACHTESSEN EINGELADEN »

Tut er immer. Die Gäste sind die Fliegerstaffel aus der Zeit, als Männer noch Krieg spielen durften. Der grosse Kampf ist längst vorbei. Aber Innocents Militärkameraden tun noch immer so, als ob sie das Land retten müssten

Erschienen am: 
Dienstag, 23. April 2019

Radieschen oder Ei

SIE BADETE IN SELBSTMITLEID:

Weshalb schenkt Werner mir immer nur einen Migros-Hasen! Weshalb bin ich dick? Weshalb kann Huldi, diese dünne Dreckschleuder alles problemlos in sich reinschaufeln? Huldi war Werners Schwester. Und eh ein giftig geiferndes Ärgernis.

Bäcker Hummer winkte Erna in den Laden: «Haben Sie die Eier bewundert?» «JA», seufzte Erna.

«Wir machen den Nougat noch selber» «Ja.» Danach, sehr fest: «Geben Sie mir ein Fünfkornbrot!». Erna war wieder einmal am Abspecken.

Erschienen am: 
Freitag, 12. April 2019

Vom neuen Buch und Liesels Riesenfrau

Illustration: Rebekka Heeb

Das Buch wollte ich schon lange schreiben. Und den Titel hatte ich bereits vor 50 Jahren: ROSA SEEKUH.

Ich habe es dann - wie viele Dinge im Leben - immer wieder herausgeschoben. Und doch täglich davon geträumt.

INNOCENT KONNTE SICH NICHT FÜR DAS KONZEPT ERWÄRMEN: « was soll diese Oper mit einem Knaben, der rosa zur Welt kommt und dann alles blau bummst im Übrigen hast du doch schon über 100 Bücher geschrieben muss es in einer Welt, wo Papier und Wälder rar werden, noch eines mehr sein ?»

Erschienen am: 
Dienstag, 9. April 2019

Der Pianist

Er spielte den «Donauwalzer. Auf dem Piano stand ein Glas mit Weisswein. «Er trinkt nur Riesling», sagten die Kellner, wenn die Gäste dem Pianisten ein Getränk spendierten. Die Menschen im Restaurant plauderten. Flüsterten Liebesworte. Keiner hatte ein Auge für den Klavierspieler. Niemand hörte zu. Er war unsichtbar. Manchmal träumte er, eine der Frauen würde auch i h m ein Lächeln schicken. Männer nickten, wenn er sich vor den Tasten erhob und dem Spender mit dem Glas zuprostete. Die Frauen himmelten ihre grosszügigen Begleiter an.

Erschienen am: 
Freitag, 5. April 2019

Seiten

Basler Zeitung abonnieren