Basler Zeitung

Von einer schielenden Amsel und Würstelständen

Illustration: Rebekka Heeb

Es schellt an meiner Tür.
Wenn die Wiener Glocke schellt, ist das, als würden 100.000 Morgestraich-Wecker synchron rasseln.
ICH WERFE MIR DEN MORGENROCK ÜBER. ER IST FLAUSCHIG. UND DAS KAM SO:
Eigentlich ist es ein ganz gewöhnlicher Morgenrock mit einem Eichhörnchen drauf, das sich ans Herz greift. Es zwinkert verliebt einem zwitschernden Ämselchen zu.
DARUNTER IN BLATTSTICH UND GRÜN- FÄDIG: «DAS WIRD EIN SCHÖNER TAG!»

Erschienen am: 
Dienstag, 3. April 2018

Von der Wiener Süsse und Rebläusen

Illustration: Rebekka Heeb

Wiener sind süss.

Da gibt es gar keine bittere Schweizer Neid-Pille nachzuschieben.

ÖSTERREICHER SIND NUN MAL WIE IHR BACKWERK: SIE GEHEN IM SÜSSEN AUF WIE DIE SALZBURGER NOCKERLN. Und sie sind so zuckrig wie die Mozart-Torte.

Dazu noch der Dreiviertel-Takt. Das galante «Küss dy Hond, meine Gnädigste!». Und immer wieder ein bisschen Sehnsucht nach dem Kaiser.

Erschienen am: 
Dienstag, 27. März 2018

Roger Diener: «Die Stadt ist ein grandioses Kunstwerk»

Er hat sich das «Donati» gewünscht.

«Einen Tisch, wo wir ungestört sind. Ich bin nicht unbedingt der Beizen-Typ.»

Nun sitze ich vor den leeren Tellern. Und warte. Dabei gehe ich nochmals die verschiedenen Recherchen durch. Er ist Preisträger. Viele Male wurden seine Bauten ausgezeichnet. 2011 erhielt er die Heinrich-Tessenow-Medaille. Na ja, das ist so etwas wie ein Oscar in der Architektur.

Erschienen am: 
Samstag, 24. März 2018

Eierproblem

Lilli fühlte sich allein.

SIE STECKTE IN EINEM TYPISCHEN VOR-KARFREITAGS-TIEF!

GRUND: OSTEREIER! Mal bunt. Mal einfarbig. Daneben: HASEN.HASEN.HASEN.

NUR DANN UND WANN EIN HUHN.

WO BLIEB DA DIE HÜHNERQUOTE!

Lilli hatte jetzt wirklich den ganz grossen Durchhänger: SCHON ALLZU LANGE WAR KEIN HASE MEHR ZU IHR GEHOPPELT.

Es gab für sie keine Schoko-Ohren.

Und schon gar nicht dieses versteckte Pralinen-Ei von ihrem «Hasi», das sie jedes Jahr am Ostersonntag suchen musste.

Erschienen am: 
Freitag, 23. März 2018

Von Wahrsagerinnen und Facebook-Freunden

Illustration: Rebekka Heeb

Die Anzeige kam mit drei Glücksschweinchen.

KLAR. JEDER WILL SCHWEIN. JEDER WILL GLÜCK.

Deshalb habe ich die Sache auch neugierig gelesen: «DEM JUNI-GEBORENEN WINKT SCHWEIN UND GLÜCK!»

Ich hätte schon damals merken müssen, dass die Sache faul ist. HAT EINER SCHON MAL EINE SAU WINKEN SEHEN? Na also.

Und grammatikalisch war alles auch falsch gebündelt: Denn es sollte WINKEN heissen. Nicht winkt. Es WINKEN ja zwei: SAU u n d GLÜCK. IM PLURAL.

Erschienen am: 
Dienstag, 20. März 2018

Der Schuh

Heiko sah den Schuh. Er war schmal. Schwarz. Elegant. Ein Handschuh am Fuss. HEIKO MUSSTE DEN SCHUH HABEN. Zum ersten Mal in seinem Leben konnte er Laila begreifen.

Laila hatte einen Kasten voller Schuhe. Nun ja – zwei Kästen voll (wenn man das Staubsaugerschränkchen mitzählte, wo sie seit ein paar Monaten ebenfalls Sandalen, Schlüpfer und Ballerinas deponierte).

Laila kam jeweils heim: «Ich habe nicht widerstehen können, Heiko!». Er grummelte dann: «Sind 130 Paar nicht genug?»

Erschienen am: 
Freitag, 16. März 2018

Von klirrender Kälte in Wien und «Frittatensuppe»

Illustration: Rebekka Heeb

Die Eiszapfen flimmern in der Sonne.

Sie funkeln, als wären es glitzernde Säbeltiger-Zähne aus der Kristallwelt der Swarovskis.

Nun gut – sonnig ist es.

ABER ARSCHKALT.

UND ICH ZÜNDE MIR MEINE LETZTE ZIGARRE AN. DENN IM HAUS HERRSCHT RAUCHVERBOT!

«Mer saan zwar in Österreich, aber rauchen könnens hier trotzdem net», kennt der gute Hausmeister nichts. Er lässt im Hof die Ratten Cha-Cha-Cha tanzen.

Erschienen am: 
Dienstag, 13. März 2018

Der Schmerz

Der Schmerz war höllisch.

Hans blieb stehen. Er konnte seinen Fuss nicht mehr bewegen.

Schweissperlen bildeten sich auf seiner Stirn.

Gottlob fuhr ein Taxi vorbei.

Hans winkte.

Und das Taxi brachte ihn nach Hause.

Schon auf der Treppe rief er: «Lore!»

«Stör mich nicht – ich bin am Telefon!».

«LORE – LOORE VERDAMICH!»

Sie erschien unter der Türe: rosiger Hausanzug mit eingewobenem Teddy-Bär auf der Brust. Und darunter in Relief-Schrift: «DAD’S LIEBLING!» .

Erschienen am: 
Freitag, 9. März 2018

Vom Frust, wenn das Handy weg ist

Illustration: Rebekka Heeb

Handy weg!

NA BINGO!

Da können sie dir auch gleich die Ganglien wegpusten.

OHNE HANDY BIST DU WIE IM LUFTLEEREN RAUM.

Schwebend. Nicht mehr auf dieser Welt. Und mit der erschreckenden Erkenntnis: «KEINE SAU RUFT DICH AN!»

Also – alles kam so.

Klärchen meldete sich. Klärchen kommt aus Schaffhausen. Und ist eine wunderbare Freundin.

Ich habe sie an einem Vorsingen in Zürich kennengelernt. Klärchens Sopran war einmalig. Ihre Koloratur kletterte zum Mond.

Erschienen am: 
Dienstag, 6. März 2018

Rösli vom «Adler»

Die alte Frau im Spitalbett schwitzt. «Bin schon da… ich habe nur zwei Beine…!», fantasiert sie jetzt.

An der Türe ist ein silberner Namensstreifen eingeschoben: ROSA KELLER.

Nie hat einer sie Rosa gerufen. Nur «Rösli». Sie war das «Rösli vom Adler». Manchmal wusste sie selber nicht mehr, wie sie sonst hiess.

Die Beizen-Familie im «Adler» war gross und die Hirschis gute Patrons gewesen.

Die Mutter servierte im «Schwanen». Als Rösli vom Welschlandjahr zurückkam, war klar: «Ich gehe auch in den Service!»

Erschienen am: 
Freitag, 2. März 2018

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