Basler Zeitung

Spitze Nase

«Ich bringe diese Giftschleuder um…!»

NA GUT – ES WAREN KEINE SALONFEINEN GEDANKEN, DIE DA DURCH WERNERS KOPF JAGTEN…

Aber irgendwie können wir ihn auch verstehen: Margret war eine Plage.

Von morgens bis abends nörgelte sie an ihm herum.

MARGRET WAR EINE ÄUSSERST UNSYMPATHISCHE PERSON. RECHTHABERISCH. EIGENWILLIG. UND MIT EINEM KINN, DAS BÜHNENHEXENREIF WAR.

Nun fragen wir uns, weshalb hat Werner so ein Brechübel geheiratet?

Erschienen am: 
Freitag, 8. Juni 2018

Von den rosa Buben und bunten Kleidern

Illustration: Rebekka Heeb

Als kleiner Bub trieb ich es bunt.

DAS HAT BEREITS IN DER WIEGE ANGEFANGEN!

So jedenfalls wurde die Story immer an Familientagen und Beerdigungen durchgegeben: Rosig gedresst lag der kleine Junge auf dem weissen Kissen. Rosig – weil Basler Buben zu jener Zeit noch rosa auf die Welt kamen. Die Mädchen himmelblau.

WEISS DER TEUFEL, WESHALB BASEL DA IN SEINER VERHÜLLUNGSPOLITIK ANDERS TICKTE.

Aber es war Tradition: künftige Grossräte rosa. Die ersten Emanzen: himmelblau!

Erschienen am: 
Dienstag, 5. Juni 2018

Bibbälä

ES WAR EIN SCHOCK.

Die Mutter sperrte entsetzt die Augen auf: «DAS NICHT AUCH NOCH!»

Die Hebamme erstarrte. Und versuchte es auf die gütige Art: «Es ist jetzt vielleicht ein bisschen schlimm – aber Menschen mit einem Down-Syndrom können ein grosses Geschenk sein. Sie sind sensibler als ihre Umwelt. Und sie können uns das Glück des Lebens aus ihrer Sicht näherbringen!» «BRINGEN SIE ES WEG!» – schrie die Frau hysterisch.

Die Hebamme drückte den Kleinen fest an sich: «Das wird schon werden, mein Kind…»

Erschienen am: 
Freitag, 1. Juni 2018

Von einem Maikäfer und keinen Abfallkübeln

Illustration: Rebekka Heeb

Die wunderbarsten Dinge im Leben passieren, wenn man sie nicht erwartet.

BEI MIR WAR ES DAS DING MIT DEM MAIKÄFER.

Also.

Ich suche nach einem Abfallkorb.

MAN FINDET 1000 ÜBERWACHUNGSKAMERAS UND EINE MILLION POLITISCHE MEINUNGEN IN DIESER STADT – ABER KEINEN ABFALLKORB!

Ich jage mit meiner Serviette, in die sie mir eine gebutterte Brezel eingewickelt haben, durch die Gassen. Die Brezel ist weg. Kein Kunststück. In 30 Sekunden war sie unten.

Erschienen am: 
Dienstag, 29. Mai 2018

Die Bank

Die zwei Alten sitzen auf der Bank.

Es war das Erste, das sie sich damals angeschafft haben: die Bank vor dem Haus.

Jedes Jahr wurde sie frisch gestrichen.

Seit nun fast 40 Jahren schauen sie hier im Sommer zu, wie der feurige Sonnenball am Horizont hinter dem Berg untergeht.

Im Juni wirft die Kugel ein rotes Kleid über die grauen Felswände. Ganz langsam erlischt die Farbe – wie die Hitze auf einer abgestellten Herdplatte.

Erschienen am: 
Freitag, 25. Mai 2018

Big Ben

«1200 Franken!» – Nico schrie es fast.

Herr Knöll, der Uhrmacher lächelte sanft:

«Es waren viele Arbeitsstunden. Und ich musste eines der Messinggewichte auswechseln…»

Nico schaute die Uhr seiner Grossmutter an. Es war eine «Big Ben» – und es war ein Stück Kindheit.

Zu Hause war immer Zoff gewesen. Schliesslich war sein Vater ausgezogen. Und seine Mutter schüttete sich mit Rotwein voll.

Erschienen am: 
Freitag, 18. Mai 2018

Von der Looping-Bahn und Stelzen

Illustration: Rebekka Heeb

Innocent müffelt: «Halt mir diese alte Schreckschraube vom Leibe!»

TYPISCH!

GESTERN NOCH VOLL MIT VERSCHMALZTEN KALAUERN: «HENRIETTE, HENRIETTE – bist so wunderbar und nette … SCHAU DEN ANDERN AN: SO FETTE!» Henriette: Rette! Rette!»

Und jetzt ist der «Fette» gut genug, um Innocent aus seiner eigenen Scheisse zu ziehen.

Ja pfeif den Heini!

Aber hallo – nichts der Fette tun!

Erschienen am: 
Dienstag, 15. Mai 2018

Freddy Burger: «Ich bin der Freddy aus Schwamendingen»

Beim Zürcher Bahnhof stehen die Taxis Schlange.

Ich hüpfe ins erste.

Der Taxichauffeur ist nett. Aber neu.

Er kennt Ankara. Aber nicht den «Hitzigweg 15».

«Wir finden das», strahlt er.

Natürlich findet er es nicht.

ANRUF BEI DER ZENTRALE: «WO SEIN SONNENBERG?!»

Man hört männliches Genuschel.

Dann schaut der freundliche Türke erschrocken. «Mann an Zentrale sagen, sei fast in Himmel…»

Erschienen am: 
Samstag, 12. Mai 2018

Der Stock

«Papa – das sieht echt heiss aus!»

Nancy versuchte, ein entzücktes Gesicht zu machen.

Aber Karl bellte sie gleich an: «BLÖDSINN. EIN MANN AM STOCK IST NICHT HEISS… ER KLOPFT DAMIT AN DIE TÜRE ZUM JENSEITS!»

«Chaplin hatte auch einen Stock…», versuchte es die Tochter jetzt gütig, «dann Maurice Chevalier… oder Heesters. Er wurde 108 Jahre alt. DIES MIT STOCK!»

«Ja», nickte Karl grantig. «…aber ich bin nicht Heesters. Und ich will auch nicht ein 108-jähriger Dandy werden!»

Erschienen am: 
Freitag, 11. Mai 2018

Seiten

Basler Zeitung abonnieren