Basler Zeitung

Andreas Caminada: «Es war ein fröhliches Chaos»

Foto: Lucia Hunziker

Als ich vor einigen Wochen zum Koch der Köche reiste, war die Welt sonnig. Hell. Allegro. In Thusis wartete der Bus. Er brachte mich nach Fürstenau.

HIER RÜHRT DER BESTE SCHWEIZER KOCH DIE KELLE: Andreas Caminada.

Heute? Sein Schloss ist still. Liegt im Dornröschenschlaf. Corona hat alles verändert. Er wartete bei der engen Einfahrt «zur kleinsten Stadt der Welt» - so Caminada. Das Schloss-Städtchen liegt zwischen Mailand und Zürich. Für Gourmets allerdings ist hier der Nabel des Universums.

Erschienen am: 
Samstag, 18. April 2020

Von der heutigen Sehnsucht nach Nähe und den früheren Küssen

Illustration: Rebekka Heeb

Als schöner Bub wurde ich oft geküsst. DAS WAREN ALLES NUR WEIBERKÜSSE! Männer hielten sich zurück. GOTT SEIS GEKLAGT! Die Herren küssten damals eh nicht coram publico. Nur im Film. Oder hinter verschlossenen Schlafzimmertüren. Da meine Mutter jede Form von Zärtlichkeit mit Ausreden wie «Hans - ich habe heute Migräne!». Oder «Hör bitte auf mit dem Mist - apropos: Könntest du mal den Mistkübel runterbringen!» -, da die gute Mamma also alles Heisse aus dem kühlen Schlafzimmer aussperrte, waren Vaters Küsse für die Katz.

Erschienen am: 
Dienstag, 14. April 2020

Von weggeschlossenen Alten und braunen Eiern

Illustration: Rebekka Heeb

Die Frau schaut mich entsetzt über die Strasse an.

ICH HABE GENOSSEN.

Früher war da ein freundliches «Gesundheit!». Heute? - Ein Blick, als würdest du mit einer Atombombe spazieren gehen.

Als Generation, die schon an der Wiege von Donald Duck gestanden hat, gehörst du nicht auf diese Bergstrasse, die vom Adelbodner Wildstrubel direkt in die Bäckerei führt.

NEIN - AHV-ALTE GEHÖREN WEGGESCHLOSSEN. KEIMFREI ABGESONDERT! UND: AB INS STERILISIERGLAS!

Erschienen am: 
Dienstag, 7. April 2020

Von dem Bergfrühling und fast heiler Heidiwelt...

Illustration: Rebekka Heeb

Also - nichts mit Ei im Glas.

NICHTS MIT MEINER HEISSGELIEBTEN KARDINALS-SCHNITTE!

Keine Palatschinken. Kein Einspänner. Kein Schnittlauchbrot.

NEIN. ALLES IN LUFT AUF GELÖST. WIR VERGAMMELN HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN. UND DAS EI IST ÜBERALL - NUR NICHT IM GLAS.

Der liebe Gott... die Natur... das Schicksal... (suchts Euch aus!) haben zugeschlagen. Und meine Pläne wie einst Onkel Alphonse die Jasskarten neu durchgemischt: «Heee Dicker! Jetzt fangen wir mal wieder ganz von vorne an!»

Erschienen am: 
Dienstag, 31. März 2020

Märzenmorgen

Lina sass auf der Gartenbank. Noch zeigte sich die Natur grau. Dennoch ahnte man den Frühling - er warf da und dort einen grünen Schleier über die Wiese.

Erste Krokusse streckten sich zum Himmel. Wie winzige Farbtupfer auf der Malerpalette gaben sie Lina ein Zeichen: HALLO - DER WINTER IST VORBEI!

Lina fröstelte. Noch war es kühl. Sie zog ihren Mantel enger an sich.

Seit einem halben Jahr war Lina Witwe. Klaus hatte an einem Oktobermorgen einfach tot neben ihr gelegen. Also d e n Schreck muss man zuerst mal verdauen!

Erschienen am: 
Freitag, 27. März 2020

Von den Ess-Sitten und dem Tafelspitz...

Illustration: Rebekka Heeb

Die Torten schmecken süsser.

Die Schnitzel sind grösser.

Und die Beizenrechnungen kleiner.

VOR ALLEM: SIE SERVIEREN UNS DIESE FREUNDLICHKEIT, DIE AUCH BEI VIRUSKRISE UND NIESELREGEN DIE SONNE STRAHLEN LÄSST. A DISTANCE - ABER LIEBENSWERT.

Sorry, ich liebe die Österreicher.

Auch wenn es mir auf den Wecker geht, dass sie vor meiner Nase die Grenzen schliessen. Und auf den Skipisten meistens die Pokale abräumen.

Erschienen am: 
Dienstag, 24. März 2020

Mit Hammer und Cannabis

Es war drei Uhr morgens.

Rosa knallte den Hammer gegen die Scheibe. Die Scheibe war neu.

Rosa nicht. Sie hatte eben den 79. Geburtstag hinter sich.

ES KLIRRTE. UND ROSA WEIBELTE, SO SCHNELL SIE KONNTE, ÜBER DIE STRASSE.

Sie hatte ihre Haustür offen gelassen. Also: nichts wie rein! UND VOR ALLEM: KEIN LICHT!

Rosa lehnte sich im Dunkeln an die Gangwand. Ihr Herz hämmerte wie eine Nähmaschine: dlagg... dlagg... dlagg.

Erschienen am: 
Freitag, 20. März 2020

Vom unterdrückten Husten und vier Fiebermessern...

Illustration: Rebekka Heeb

Borbala schickt mir ein SMS:

«NICHT KOMMEN, BITTÄSEHR. Vorher missen von Doktär untersuchen lassen und Zaignis schicken »

(Borbala ist meine neue Wiener

Hausmeisterin - ein ungarischer Hexenbesen mit dem grellen Aschblond einer Marilyn Monroe. Nur hat Borbala die Haare auf den Zähnen).

Und Pech für Borbala - denn ich bin schon unterwegs. Und zwar in München.

Seit Fasnacht plagt mich eine miese Bronchitis.

Ich werde durchgerüttelt wie der Baum im Sturm.

Erschienen am: 
Dienstag, 17. März 2020

Thomas Straumann: «Ich wollte ein Hotel für die Basler»

Foto: Lucia Hunziker

Er ist scheu. («Bin ich mir nicht bewusst.»)

Zurückgezogen.

Und mag kein Scheinwerferlicht...

Persönliche Interviews gibt er eh keine.

SAGT MAN.

ICH VERSUCHS TROTZDEM.

Immerhin hat er mir mein Lieblings-Hotel neu aufgebaut. Wie einen Zahn hat er es ausgehöhlt. Frisch gefüllt. Und perfekt poliert.

Er hat somit Basels schönstes Haus am Rhein vor irgendeiner China-Mafia oder den arabischen Scheichen gerettet. Und den Baslern ein Stück Heimat bewahrt.

Erschienen am: 
Samstag, 14. März 2020

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