Vom «Lädeli» und der Nachhaltigkeit

Illustration: Rebekka Heeb

Meine Mutter verkaufte. Und sie verkaufte sich gut.

Als sie an einem Familientag ihrer Sippe verkündete, dass sie mit ihrer Schwester ein Spezereiwarengeschäft eröffnen werde, waren die Reaktionen, als würde eine überhitzte Dose Ravioli explodieren: Tante Julchen: «Ach Lotti - wo du doch Petersilie nicht vom Schnittlauch unterscheiden kannst...» Die Omama: «Es liegt in den Genen - ihre Urgrossmutter hat schon im letzten Jahrhundert den Lebenden Totenhemden angedreht!» Und Onkel Alphonse: « dann miete ich mich gleich mal im Weinkeller ein. Ihr habt doch einen Weinkeller?»

Erschienen am: 
Montag, 4. Oktober 2021

Von einem Kaminfeger und der Ehe für alle

Illustration: Rebekka Heeb

Fegerli war ein Hammer-Mann! «Immer so aufgeputzt!», schwärmte die Omi. «Kein Flecklein rundum. Finde mir einen zweiten, so reinlichen Russer!»

Selbst mein Vater klopfte Fegerli kumpelhaft auf die brikettstaubigen Arschbacken: «Fegerli! - Du bringst mir Glück! In einem Monat sind Wahlen...» Dann zupfte er seinen persönlichen Propaganda-Flyer aus der Trämlertasche: «KEIN BAMMEL VOR HAMMEL - LISTE 5».

Erschienen am: 
Montag, 20. September 2021

Von Spitälern und einer Katze beim Eingang

Illustration: Rebekka Heeb

Meine Erinnerung: ein grosses geschlossenes Fenster. Die Krankenschwester - ich durfte sie «Schwester Lieseli» rufen - nahm mich auf. Und weit unten auf der Strasse winkte eine Frau zum Fenster. Sie weinte.

«Winke zurück - das ist die Mamma», gab Lieseli den schwesterlichen Befehl durch. Ich kannte die Frau dort unten nicht. Ich winkte trotzdem.

Erschienen am: 
Montag, 6. September 2021

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