Basler Zeitung

Vom alten Mantel und der neuen Sprache Napoleons

Illustration: Rebekka Heeb

«Wo ist mein Mantel?»

Er nervt. Er besitzt acht verschiedene Mäntel.

Einige sind noch aus der Gründerzeit. Aber: «Die tuns immer noch!»

Ich habe ihm vor drei Jahren auf Weihnachten einen wunderbaren Kamelhaar-Mantel geschenkt.

Ok – Ihr Grünnasen, ich weiss, dass doppelhöckerige Tiere geschützt sind. Aber für Innocent ist mir alles recht – auch ein rasiertes Kamel!

A B E R: DER MANTEL HÄNGT NOCH AM BÜGEL. UND DAS PREISETIKETT DARAN IST UNVERSEHRT!

«Du könntest doch einmal den Neuen tragen!»

Erschienen am: 
Dienstag, 5. Februar 2019

Fünf vor zwölf

Anni stierte in ihre Vitrine.

Es war ein altmodisches Buffet mit Glasfenster.

Es zeigte Momente ihrer letzten 80 Jahre.

Nun – Anni hatte ein einfaches Leben gelebt: Haushaltschule… Heirat… drei Töchter… der Höhepunkt war die goldene Hochzeit gewesen: vier Tage Venedig.

EINE PLASTIK-GONDEL ERINNERTE DARAN.

Hanni stierte noch immer auf den Platz neben der Gondel: Die Gold-Uhr von Max war weg.

Erschienen am: 
Freitag, 1. Februar 2019

Von Zahnarzt-Phobien und dem süssen Trost

Illustration: Rebekka Heeb

«Das ist bereits das dritte Mal!» Die Stimme am Telefon tönt leicht angekratzt. Und Frau Berger stinkig. «…beim ersten Mal wars eine Grippe. Dann starb ihre liebe Tante. Und jetzt haben Sie einen Küchenbrand?»

Okay. Tante Gertrude liegt seit 16 Jahren in der Gruft. Über die Grippe brauchen wir nicht lange zu diskutieren. UND BEIM KÜCHENBRAND HANDELT ES SICH UM VERKOKELTE LINSEN!

Erschienen am: 
Dienstag, 29. Januar 2019

Hypochonder

«Lore!»

Lore war in einem Traum.

Es war der Traum der Träume: Ein Diener brachte ihr einen Espresso ans Bett.

DER KAFFEE WAR ITALIENISCH UND HEISS.

DER DIENER AUCH.

Manchmal war Lore von dienstbeflissenen Geistern umgeben. Ihr grosszügiger Gatte weckte sie mit dieser kleinen blauledernen Geschenkbox, in der die Diva im Film von ihrem Liebhaber stets einen 18-Karäter überreicht bekam.

SO MACHTE ERWACHEN SPASS.

Aber eben: alles Träume!

Erschienen am: 
Freitag, 25. Januar 2019

Von Snoopy im Tumbler und Chanel N° 5

Illustration: Rebekka Heeb

Ganz fest drückte ich meinen Liebsten an mich.

Sein Kopf lag unter meinem Arm. Sein Bauch auf meiner Nase.

«ER STINKT GEWALTIG!», musste Innocent die Idylle stören. «ZEIT, DASS DU IHN WIEDER MAL WÄSCHST!»

Fünf Stunden später war mein Herzblatt im Tumbler eingeklemmt. NICHTS GING MEHR.

Noch habe ich dieses schreckliche, dumpfe «BLUMM… BLUMM» in den Ohren, wenn sein dicker Bauch an die Trommel knallte. Und danach: ALARMPIEPSER!

«Innocent!»

Er kommt herbeigeeilt.

Erschienen am: 
Dienstag, 22. Januar 2019

Helmut Hubacher: «Basel war Liebe auf den ersten Blick!»

Zu Tisch mit -minu: Helmut Hubacher

Er ist schwer zu erreichen. Auf dem Telefonapparat spricht der Beantworter. Auf der Faxmaschine pfeift es schrill.

Also lasse ich Tonnen von Papier durch: «KÖNNEN WIR ZUSAMMEN ESSEN?»

Dann endlich – seine Stimme am Hörer: «Klar. In der Kunsthalle. Ich esse aber mittags nur wenig. Gut frühstücken, ja. Und abends schlagen wir nochmals zu. Mit Apéro. Und allem Gemütlichen. Aber mittags: bescheiden!».

Erschienen am: 
Sonntag, 20. Januar 2019

Der Kutscher

Rosario zog an seinem Toscano. Der Stumpen war längst erloschen.

«Wie ich», dachte der Kutscher bitter. Der Zoff mit Sohn Carlo hatte ihm erneut eine schlaflose Nacht verschafft.

Sein Sohn wollte, dass der Alte endlich mit der Kutsche aufhöre.

ROSARIO WOLLTE DAS NICHT.

Ein Leben lang hatte er Gäste mit Lara durch Rom gekutscht.

Es war ein gutes Leben gewesen.

«Du und Lara seid zu alt für den Job, Papa …», hatte Carlo getobt.

Klar. Der Junge hatte nie in seine Fussstapfen treten wollen.

Erschienen am: 
Freitag, 18. Januar 2019

Von Rotkäppchen und Karl Marx

Illustration: Rebekka Heeb

Märchen haben meine Kindheit verzaubert. Ich war süchtig danach. Psychologen würden behaupten, dass meine Kindheit märchenhaft war. Auch mädchenhaft.

Aber vermutlich waren die Geschichten von Prinzessinnen, die Frösche küssten und dafür einen feschen Kerl bekamen, die Flucht in eine Welt, in der mir wohler war.

Erschienen am: 
Dienstag, 15. Januar 2019

Mary Poppins

Lore schaute zum Himmel.

Dann aufs Meer.

GRAU OBEN.

GRAU UNTEN.

«Grauenvoll», seufzte Lore.

Sie hatte den trüben Januar fliehen wollen. Und Sonne in der Toskana gebucht.

ABER: Die Sonne lässt sich nicht buchen.

Immerhin – der Hotel-Portier versucht gut Wetter zu machen: «Buon giorno, bella donna!»

Lore wusste: Fake News! Sie ging gegen 80. Hatte Runzeln wie ein liegengebliebener Apfel.

UND GICHTSCHÜBE!

Was nun?

Erschienen am: 
Freitag, 11. Januar 2019

Von der lebendigen Krippe und Liesels Holz vor der Hütte

Illustration: Rebekka Heeb

«WILLST DU WIRKLICH GEHEN?»

Innocent schaut genervt von seinem Buch hoch: «Wir gehen doch immer – weshalb nicht auch dieses Jahr?»

Er negiert sein Alter.

Er negiert die Gehstöcke.

Er negiert meine Einwände.

«ES SIND IMMERHIN ÜBER 300 STUFEN. S E H R S T E I L E STUFEN, MEIN LIEBER… UND DU WACKELST BEIM GEHEN WIE EIN KAHN AUF HOHER SEE…»

In solchen Momenten hört er nichts. Er schaut einfach in sein Buch. Und: «Hast du etwas gesagt?»

Erschienen am: 
Dienstag, 8. Januar 2019

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