Basler Zeitung

Radieschen oder Ei

SIE BADETE IN SELBSTMITLEID:

Weshalb schenkt Werner mir immer nur einen Migros-Hasen! Weshalb bin ich dick? Weshalb kann Huldi, diese dünne Dreckschleuder alles problemlos in sich reinschaufeln? Huldi war Werners Schwester. Und eh ein giftig geiferndes Ärgernis.

Bäcker Hummer winkte Erna in den Laden: «Haben Sie die Eier bewundert?» «JA», seufzte Erna.

«Wir machen den Nougat noch selber» «Ja.» Danach, sehr fest: «Geben Sie mir ein Fünfkornbrot!». Erna war wieder einmal am Abspecken.

Erschienen am: 
Freitag, 12. April 2019

Vom neuen Buch und Liesels Riesenfrau

Illustration: Rebekka Heeb

Das Buch wollte ich schon lange schreiben. Und den Titel hatte ich bereits vor 50 Jahren: ROSA SEEKUH.

Ich habe es dann - wie viele Dinge im Leben - immer wieder herausgeschoben. Und doch täglich davon geträumt.

INNOCENT KONNTE SICH NICHT FÜR DAS KONZEPT ERWÄRMEN: « was soll diese Oper mit einem Knaben, der rosa zur Welt kommt und dann alles blau bummst im Übrigen hast du doch schon über 100 Bücher geschrieben muss es in einer Welt, wo Papier und Wälder rar werden, noch eines mehr sein ?»

Erschienen am: 
Dienstag, 9. April 2019

Der Pianist

Er spielte den «Donauwalzer. Auf dem Piano stand ein Glas mit Weisswein. «Er trinkt nur Riesling», sagten die Kellner, wenn die Gäste dem Pianisten ein Getränk spendierten. Die Menschen im Restaurant plauderten. Flüsterten Liebesworte. Keiner hatte ein Auge für den Klavierspieler. Niemand hörte zu. Er war unsichtbar. Manchmal träumte er, eine der Frauen würde auch i h m ein Lächeln schicken. Männer nickten, wenn er sich vor den Tasten erhob und dem Spender mit dem Glas zuprostete. Die Frauen himmelten ihre grosszügigen Begleiter an.

Erschienen am: 
Freitag, 5. April 2019

Rosige Zeiten

«FÜR MICH?»

Der Ausläufer der Blumenboutique Flora grinste sie an: «Jawolle Madame… schönes Rose für schönes Signora…»

Rosa war überrumpelt. Sie streckte dem jungen Mann einen Fünfliber hin. Dann zupfte sie das Kärtchen vom Papier: «DU BIST MEINE SONNE!» – las sie.

KEINE UNTERSCHRIFT.

KEIN GRUSS.

KEIN GARNICHTS!

Rosa seufzte. Erstens tat ihr das Kreuz weh. Das war mit 82 Jahren eben Alltag. Zweitens: Sie hatte noch nie eine Rose geschenkt bekommen.

Erschienen am: 
Freitag, 29. März 2019

Saure Welt

Mina war sauer.

ABER SO WAS VON…

Sie hatte auf dem Markt eingekauft. Man konnte hier noch zwei Karotten, eine Lauchstange und einen halben Sellerie bekommen. Das Gemüse wurde von Monsieur Runser liebevoll in ein verwelktes Blatt des Journal d’Alsace gewickelt.

Mina trug ihre Einkäufe vom Elsässer stets im alten Baumwoll-Beutel nach Hause. Auf dem Baumwollsack stand «I love Paris». Na ja, ein Souvenir.

Natürlich hätte Mina ihre kleine Gemüseportion näher einkaufen können. Im Center.

Erschienen am: 
Freitag, 22. März 2019

Vom Trottinett in einer besseren Welt…

Illustration: Rebekka Heeb

Kürzlich bin ich unter ein Trottinett gekommen.

Autos sind nicht mehr gefährlich, seit jeder Rollator sie überholen kann. Die Obrigkeit hat sie an die Leine genommen. Und ein Mercedes-Fahrer führt seinen Schlitten nur noch Gassi.

DOCH MIT RUHE IST NIX!

Denn man lässt nun die Velofahrer auf die Welt los. Schlimmer: auf die Trottoirs, diese bis anhin geschützte Zone des Spaziergängers.

ZOFF VORPROGRAMMIERT.

Innocent ist unbarmherzig.

Erschienen am: 
Dienstag, 19. März 2019

Grosse Liebe

«Max sitzt dort!»

Elke stupfte Susi an: «…er sieht immer noch heiss aus!»

Es war nach dem Morgenstraich.

Die kleine Frauen-Gruppe gönnte sich eine Verschnaufpause.

Seit einigen Jahren wurden es immer mehr solche Pausen.

«Er muss über 60 sein…» hakte Elke bei Susi nach.

Diese rührte in ihrem heissen Tee:

«…62 – wenn du’s genau wissen willst. DIE SUPPE IST GEGESSEN. ER INTERESSIERT MICH NICHT MEHR…»

Elke grinste. «Aber du i h n. Er äugt stets hierher…»

Susi knurrte verärgert.

Erschienen am: 
Freitag, 15. März 2019

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