Basler Zeitung

Vom toten Onkel Sepp und dem Hochmut...

Illustration: Rebekka Heeb

Er hatte sich die Pulsadern mit seinem Rasiermesser aufgeschnitten. Und welcher Bub verzichtet schon auf eine Horrorgeschichte, wenn sie ihm live vor die Kniesocken fällt.

«Du nimmst das Kind nicht mit, Hans!» - das war die Mutter. «Der Bub muss früh lernen, was das Leben bringt nämlich auch den Tod, Lotti!» - «NUR ÜBER MEINE LEICHE!», stellte sich Mutter vor ihren Alten. «Dann wären es ja bereits zwei », grinste der.

Erschienen am: 
Montag, 9. Mai 2022

Charles Lewinsky: «Ich habs da mit den Hühnern – erst Eier legen. Dann gackern.»

Er hat so ziemlich alle Preise, die ein Schreiber in die Finger bekommt, abgeräumt. Selbst China hat ihn für seine Bücher geehrt. Und da war auch der Preis der Volksmusik. Prix Walo. Und all das wunderbare Zeug. Also fährt der Durchschnittsschreiber (für einen überteuerten SBB-Preis und mit Anstandskrawatte) nach Zürich an den Limmatquai.

Erschienen am: 
Samstag, 30. April 2022

Vom Einrichten, Häusern und den Träumen...

Illustration: Rebekka Heeb

Meine frühste Bubenerinnerung ist eine Zweizimmerwohnung an der Colmarerstrasse. Ich pennte in der Stube auf der Couch. Das Zimmer ging auf die Kreuzung zur Allschwilerstrasse. Und der ewige Verkehrsradau vom bimmelnden 6er-Tram, hustenden Velosolex und stöhnenden Autos brachte den Vorteil, dass man mir auch heute noch in einem Hotel das lauteste Zimmer auf die Hauptstrasse anbieten kann.

Ich verlange Prozente. Schlafe dennoch. Die Kindheit hat es gebracht.

Erschienen am: 
Montag, 25. April 2022

Von Patisserie und umweltfreundlicher Entsorgung

Illustration: Rebekka Heeb

Unsre Kindheit war süss. ABER HUNDERT PRO! Und zwar: p r o Zucker. Den künstlichen Süssstoff hatte man im Krieg zurückgelassen.

Nach einer Zeit, in der die Erdbeerkonfitüre geschmacklich auch als Wagenschmiere durchgegangen wäre, wurde das Leben endlich wieder süss wie ein Heiligenbildchen. Die Frauen in unserer Familie zuckerten wild drauflos. Leider ist das Kind dann in jenem Zucker kleben geblieben.

Bis heute.

Erschienen am: 
Montag, 4. April 2022

Raphael Blechschmidt und Peter Potoczky: «Es ist immer wieder ein neues Erobern - auch nach vielen Jahren noch»

Foto: Lucia Hunziker

Sie sind das Vorzeige-Männerpaar. Viel Herz. Viel Kultur. Viel Spass. Und vor allem: eine Tischbombe voller Kreativität.

Peter Potoczky winkt ab: «Sagen wir es so - Raphi ist der kreative Kopf. Wild. Wie seine Mähne. Ich bin da eher strukturiert. Und schaue, dass die Dinge nicht chaotisch ausufern. Der Kaufmann eben!»

Ich treffe die beiden im Rebhaus zum Lunch: Salat... Pasta... Dolce.

Kocht ihr auch? Und die Gloria-Frage: Wer ist der bessere Küchenchef? Beide: «ICH.»

Erschienen am: 
Samstag, 26. März 2022

Von Postpaketen und 164 gusseisernen Brätern...

Illustration: Rebekka Heeb

Das Mail der Paketzustellung machte mich stinkig. Aber bitte - lest selber: «Wir bitten Sie, den Betrag über 1.98 Franken per Creditcard zu überweisen, damit die Sendung ausgeführt werden kann...»

Gehts noch! 1.98 Franken! Wo sind wir denn? - Im kleinkarierten Gnomien? Oder beim Finanzdepartement?

Innocent schüttelt den Kopf: «Zzzz - das kommt davon, wenn einer alles übers Internet bestellt...»

Erschienen am: 
Montag, 21. März 2022

Kater Odermatt liebt Fasnachtsmusik

Illustration: Rebekka Heeb

Odermatt ist wunderbar. ICH HABE MICH SOFORT IN IHN VERLIEBT: Gross. Mit Schenkeln, die zupacken können. Und mit diesem Charme, dass sich die Frauen vor ihm auf den Rücken legen. Sie stossen dann diese heiseren Schreie aus, neben denen eine Pornoqueen ein Lüftchen ist.

Odermatt ist kastriert. Dennoch: Er päckelt jede und alles. Wenn das Geschrei gegen Mitternacht unerträglich wird, muss ich mit dem Wasserwerfer aufmarschieren. Ähnlich wie die Polypen bei den Impfgegnern. Doch wie gesagt: Odermatt hat keine Treicheln mehr.

Erschienen am: 
Montag, 21. Februar 2022

Vom Operetten-Singen und der Lebensfreude...

Illustration: Rebekka Heeb

Er singt. Früher hat er nie gesungen. Ausser, wenn ihm etwas auf die Eier ging. Das waren dann aber die schrillgiftigen Töne. Jetzt: alle fünf Minuten die gemütliche Arie des «Schweinderl»-Züchters aus dem Zigeunerbaron.

Er singt nicht nur, wenn er throntechnisch muss (ihr kapiert schon und wollt es nicht näher ausgeführt haben). Er trällert auch im Bett. Beim Blumengiessen. Und natürlich unter der Dusche.

Erschienen am: 
Montag, 7. Februar 2022

Von «Gstältli», Hüftgürteln und Strapsen

Illustration: Rebekka Heeb

Als Kind trug ich so etwas wie Strapse. ES WAR HORROR! Die Kembserweg-Omi nadelte mir Strümpfe auf Teufel komm raus. Sie strickte mit einer Wolle, die kratzte. Man hätte mit der Wolle auch rohes Holz polieren können. ABER HIER WAREN ES MEINE BEINE! Sie nannte es «Gstältli». An einem ausgeleierten Gummigürtel lampten Schnallen wie die Häute von ausgelutschten Weisswürstchen runter. Mit Perlmuttknöpfen wurden die gräulich grauen Wolldinger am Hüftgürtel festgeknüpft.

Erschienen am: 
Montag, 24. Januar 2022

Gabriel Vetter: «Kellnern in der Kunsthalle - das war meine Basler Rekrutenschule»

Foto: Lucia Hunziker

Man kann sich seine Vettern nicht aussuchen.

DEN ABER SCHON!

Er ist mein Lieblingsvetter. Also: «Wo essen wir?»

«Gundeli. Kennst du die Wanderruh? Ich finde ja schon den Namen heiss und...»

Also wurde die Wanderruh zu unserer Vetternwirtschaft.

Ich bin zu früh. Spate nochmals die Unterlagen durch: Gabriel Vetter - in Beggingen aufgewachsen...

BEGGINGEN?

Er selber nennt es das New York der Ostschweiz.

Erschienen am: 
Samstag, 22. Januar 2022

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