Basler Zeitung

Silvio Denz: «Ich war 44 und hatte plötzlich Millionen»

Foto: Lucia Hunziker

Als ich ihn das erste Mal sah, trug er einen schwarzen Rollkragenpullover. Er zog einen ebenso schwarzen Rollkoffer hinter sich her:

«Der Koffer ist mein ständiger Begleiter - eigentlich mein Zuhause!».

Silvio Denz kam eben aus Singapur. Machte Zwischenhalt in Basel. Und wir trafen uns im Kunsthallengarten.

Er erzählte mir von seiner Jugend in dieser Region. Die Eltern hatten ein Bauernhaus mit viel Land im Fricktal. Seine Mutter wohnt heute noch dort.

Erschienen am: 
Samstag, 18. Januar 2020

Filet nach Landfrauen-Art

Susi zupfte an einer Serviette.

Sie war nervös. Immerhin ging es heute Abend um Paddys berufliche Zukunft. Der Job des Direktors war vakant. Und Unternehmer Bitterli hatte sich zum Nachtessen angemeldet.

Er war schon vorher bei verschiedenen Bürokollegen von Paddy zum Essen gewesen (alles hoffnungsvolle Kandidaten). Und immer mit den Worten «...so können wir einander einmal ungezwungen kennen lernen!».

JA, HALLO - W O DEN UNGEZWUNGEN?

Erschienen am: 
Freitag, 17. Januar 2020

Von einem Wolf auf Besuch und dem tropfenden Wasserhahn...

Illustration: Rebekka Heeb

Der Insel-Winter ist speziell. Wunderbares Wetter, stahlblaues Meer - aber ein Wind, der dir den Hintern schwarzfriert und Innocent die Nase tropfen lässt.

LEIDER IST ES NICHT DAS EINZIGE, WAS TROPFT.

Die Toilettenspülung rinnt. Und auch der Wasserhahn hat den Dauerheuler. ES IST EIN BISSCHEN WIE CAMPING IN DER ARKTIS.

Selbst die Wölfe sind da.

Zumindest einer. Eines Tages wartete er regungslos beim Tor.

Ich: «Psssst - dort steht ein Wolf!»

«WAS ISSS LOOOS!»

Erschienen am: 
Dienstag, 14. Januar 2020

Gloria Dei

Im Haus war es kalt.

Peter öffnete die Fensterläden. Draussen schüttete es.

HEFTIG.

Sofort sperrte er die Fenster wieder zu. Er holte nun Holz. Und Zündwürfel.

Die Würfel loderten. Das Holz nicht. Ein dunkler Rauch schlich sich vom Kamin ins Haus.

Peter hustete. Hastig öffnete er wieder alle Fenster.

Erschienen am: 
Freitag, 10. Januar 2020

Der Glänzer...

Edi stand hinter dem Buffet. Und polierte die Gläser.

Punkto Gläser war er pingelig. Er hielt nichts von diesen neuen Abwasch mitteln, die ein Polieren «unnötig» machten. Gläser waren wie Brillanten.

SIE MUSSTEN GLÄNZEN!

Bei Silbergabeln war er genauso pingelig - wehe, wenn da ein Zacken leicht angelaufen war. Da hatte er jeweils die Lehrkellner zusammengestaucht.

PUMPEN WAREN DAS!

HATTEN KEIN GRAMM BERUFSSTOLZ IN DEN FINGERN.

Erschienen am: 
Freitag, 3. Januar 2020

Vom Wunsch, Silvester zu verschlafen, und vom Kaffeesatzlesen...

Illustration: Rebekka Heeb

Nein. Silvester konnte es mir nie.

Hatte immer diesen sanft melancholischen Rappel.

UND WÄRE AM LIEBSTEN AB IN DIE HEIA!

Geht natürlich nicht. Alle hängen herum. Und warten auf den magischen Moment des Countdowns: Der Zeiger springt auf Mitternacht. Die ersten Raketen sind schon explodiert. Und auf dem Fernsehbildschirm herrscht diese ausgelassene Fröhlichkeit, wie auf der Titanic am Abend bevor sie unterging.

Erschienen am: 
Dienstag, 31. Dezember 2019

Der fliegende Klaus

Pierre mochte Urs nicht.

Als Kind musste er sich von ihm blöde Sprüche wie «Scheiss-Schwuchtel» oder «Huch - das rosige Blashorn kommt!» gefallen lassen.

Manchmal boxte Urs ihn auch: «Dir zeig ichs jetzt - du Soft-Tucke!»

Pierre liess es geschehen. Der Schwächere duckt sich vor dem Stärkeren. Das ist die Kinderagenda des Alltags.

Die Elternpaare waren befreundet: Schieber am JassteppichSonntagsspaziergänge zu Picknickplätzengemeinsamer Silvester mit klebrigem Sekt und belegten Brötchen.

Erschienen am: 
Freitag, 27. Dezember 2019

Das verbotene Türchen - eine Weihnachtsgeschichte

Illustration: Rebekka Heeb

Lucie träumte vor sich hin. Die Gedanken des kleinen Mädchens kreisten um das verbotene Türchen. Immer wieder strich das Kind mit seinen weissen Händen über den Adventskalender.

Manchmal rieselten ein paar Glimmerflocken aufs Kissen. Für Lucie waren es Diamanten, die Weihnachtsengel auf ihr Bett fallen liessen.

Monika legte die Hand auf den Kopf ihrer Tochter: «Du hast Fieber, Kleines. Und ich glaube, du solltest diesen Glimmerkalender nicht immer in die Finger nehmen. Glimmer ist gefährlich.»

Erschienen am: 
Dienstag, 24. Dezember 2019

Gesponnene Weihnacht

Agatha wisperte. Nun ja - so wie kleine Spinnen wispern, wenn sie stinkig sind: «Weshalb hocken wir in diesem Kellerloch, Omi? Hier gibt es keinen Weihnachtsbaum...»

Die Spinnen-Omi seufzte. Sie war Kummer mit ihrer Enkelin gewohnt.

Die heutige Jugend war aufmotziger als zu ihrer Zeit. Damals wurde gesponnen.

Unermüdlich. Immer kam irgendeine hyperaktive Hausfrau mit dem Staubwedel. Und zerstörte das gesponnene Tagwerk.

BRUTAL! DIE GANZE SPINNEREI FÜR NULL UND NICHTS.

Erschienen am: 
Freitag, 20. Dezember 2019

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