Basler Zeitung

Von dem Bergfrühling und fast heiler Heidiwelt...

Illustration: Rebekka Heeb

Also - nichts mit Ei im Glas.

NICHTS MIT MEINER HEISSGELIEBTEN KARDINALS-SCHNITTE!

Keine Palatschinken. Kein Einspänner. Kein Schnittlauchbrot.

NEIN. ALLES IN LUFT AUF GELÖST. WIR VERGAMMELN HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN. UND DAS EI IST ÜBERALL - NUR NICHT IM GLAS.

Der liebe Gott... die Natur... das Schicksal... (suchts Euch aus!) haben zugeschlagen. Und meine Pläne wie einst Onkel Alphonse die Jasskarten neu durchgemischt: «Heee Dicker! Jetzt fangen wir mal wieder ganz von vorne an!»

Erschienen am: 
Dienstag, 31. März 2020

Märzenmorgen

Lina sass auf der Gartenbank. Noch zeigte sich die Natur grau. Dennoch ahnte man den Frühling - er warf da und dort einen grünen Schleier über die Wiese.

Erste Krokusse streckten sich zum Himmel. Wie winzige Farbtupfer auf der Malerpalette gaben sie Lina ein Zeichen: HALLO - DER WINTER IST VORBEI!

Lina fröstelte. Noch war es kühl. Sie zog ihren Mantel enger an sich.

Seit einem halben Jahr war Lina Witwe. Klaus hatte an einem Oktobermorgen einfach tot neben ihr gelegen. Also d e n Schreck muss man zuerst mal verdauen!

Erschienen am: 
Freitag, 27. März 2020

Von den Ess-Sitten und dem Tafelspitz...

Illustration: Rebekka Heeb

Die Torten schmecken süsser.

Die Schnitzel sind grösser.

Und die Beizenrechnungen kleiner.

VOR ALLEM: SIE SERVIEREN UNS DIESE FREUNDLICHKEIT, DIE AUCH BEI VIRUSKRISE UND NIESELREGEN DIE SONNE STRAHLEN LÄSST. A DISTANCE - ABER LIEBENSWERT.

Sorry, ich liebe die Österreicher.

Auch wenn es mir auf den Wecker geht, dass sie vor meiner Nase die Grenzen schliessen. Und auf den Skipisten meistens die Pokale abräumen.

Erschienen am: 
Dienstag, 24. März 2020

Mit Hammer und Cannabis

Es war drei Uhr morgens.

Rosa knallte den Hammer gegen die Scheibe. Die Scheibe war neu.

Rosa nicht. Sie hatte eben den 79. Geburtstag hinter sich.

ES KLIRRTE. UND ROSA WEIBELTE, SO SCHNELL SIE KONNTE, ÜBER DIE STRASSE.

Sie hatte ihre Haustür offen gelassen. Also: nichts wie rein! UND VOR ALLEM: KEIN LICHT!

Rosa lehnte sich im Dunkeln an die Gangwand. Ihr Herz hämmerte wie eine Nähmaschine: dlagg... dlagg... dlagg.

Erschienen am: 
Freitag, 20. März 2020

Vom unterdrückten Husten und vier Fiebermessern...

Illustration: Rebekka Heeb

Borbala schickt mir ein SMS:

«NICHT KOMMEN, BITTÄSEHR. Vorher missen von Doktär untersuchen lassen und Zaignis schicken »

(Borbala ist meine neue Wiener

Hausmeisterin - ein ungarischer Hexenbesen mit dem grellen Aschblond einer Marilyn Monroe. Nur hat Borbala die Haare auf den Zähnen).

Und Pech für Borbala - denn ich bin schon unterwegs. Und zwar in München.

Seit Fasnacht plagt mich eine miese Bronchitis.

Ich werde durchgerüttelt wie der Baum im Sturm.

Erschienen am: 
Dienstag, 17. März 2020

Thomas Straumann: «Ich wollte ein Hotel für die Basler»

Foto: Lucia Hunziker

Er ist scheu. («Bin ich mir nicht bewusst.»)

Zurückgezogen.

Und mag kein Scheinwerferlicht...

Persönliche Interviews gibt er eh keine.

SAGT MAN.

ICH VERSUCHS TROTZDEM.

Immerhin hat er mir mein Lieblings-Hotel neu aufgebaut. Wie einen Zahn hat er es ausgehöhlt. Frisch gefüllt. Und perfekt poliert.

Er hat somit Basels schönstes Haus am Rhein vor irgendeiner China-Mafia oder den arabischen Scheichen gerettet. Und den Baslern ein Stück Heimat bewahrt.

Erschienen am: 
Samstag, 14. März 2020

Von Bettsocken und dem jüngsten Fotomodell...

Meine Kinderzeit verlief krisenfrei. Seuchenfrei. Panikfrei. Ich meine: Normalo-Welt. Die Frauen der Vaterseite strickten. Irgendwie gehörten die tickernden Nadeln zu ihnen wie der hausgebackene Zopf zum Sonntag. Die Kembserweg-Omi klapperte ihr Nadelspiel auf dem Sofa. Ihre Finger wuselten über die Maschen. Sie zählte laut vor sich hin. «Wie soll sich da einer auf die Börse konzentrieren!» - knurrte Carlotta am Tisch. Meine Mutter hockte vor riesigen Papierbögen. Mit einem Rotstift kreiste sie Zahlen ein. Und betrieb ihr Aktien-Monopoly.

Erschienen am: 
Freitag, 13. März 2020

Das Kostüm

«Huuugi - welches Kostüm nimmst du für dein Zyschtigs-Ziigli?»

Luggi stand stirnrunzelnd im Bügelzimmer - den Fasnachtskasten weit offen. Sie war sauer. Der Kasten überquoll an bunten Kostümen.

Gestern noch hatte sie zu ihrer Freundin Irma am Telefon gestänkert. «Bei mir dreht er jeden Rappen um. Aber für die Fasnacht werden die Räppli mit beiden Händen rausgeworfen. Jedes Jahr ein neues Kostüm. Dann noch eines für den Zyschtig - und mir vergällt er ein neues Gucci-Deuxpièces...»

Erschienen am: 
Freitag, 28. Februar 2020

Von einer türkischen Kostümschneiderin und den «Spatzehirni»

Illustration: Rebekka Heeb

Azra nahm einen Schluck vom dampfenden Tee. Sie hatte ihn mit drei Löffeln Honig gesüsst.

Dann schaute sie zum Foto auf dem Buffet: ihre Eltern. Fein gerahmt. Schmal. Aber Silber. Davor: eine getrocknete Rose. Und eine flackernde Kerze.

«Ich darf nicht krank werden, Ana - die Kleider müssen fertig sein. Es ist ihr grösstes Fest!»

DIE MUTTER LÄCHELTE VERSTÄNDNISVOLL. SO WIE SIE IMMER VERSTÄNDNISVOLL GELÄCHELT HATTE. DER VATER SCHAUTE GRIMMIG - ALS MACHTE IHM WIEDER DIE MILZ ZU SCHAFFEN.

Erschienen am: 
Dienstag, 25. Februar 2020

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