Basler Zeitung

Vermisstes Schnarchen

Sie lag im Bett.

Hellwach.

Manchmal ging ihr Arm zum Nebenbett.

NICHTS.

Sie spürte dann die Depression, die wie eine zweite, schwere Bettdecke über sie fiel.

Heidi drehte sich nun auf die Seite. Und nahm das Kissen von Ernst in die Arme.

Sie konnte nicht weinen. Ihre Trauer war wie ein ausgetrockneter Brunnen. Nach zehn Minuten erhob sie sich. Schlurbte durch die Wohnung. Und machte sich einen Tee. EISENKRAUT.

Erschienen am: 
Freitag, 21. September 2018

Vom Selberscannen und verhasstem Broccoli

Illustration: Rebekka Heeb

Der Mann holte mich am Lift ab.

«Wunderbar – ich kenne Sie! Sie sind doch ein technisch versierter Mensch!»

DER KANNTE MICH N I C H T!

ALLES NUR BILLIGE ANMACHE!

Ich war auf der Hut.

Man hört immer wieder, wie diese jungen Männer alten Tucken das Portemonnaie klauen und …

«ICH BIN VOM SUPERCENTER. MEIN NAME IST CARLO. HERZLICH WILLKOMMEN. HEUTE SCANNEN WIR EINMAL SELBER EIN.»

Erschienen am: 
Dienstag, 18. September 2018

Hitchcock

Er hockte auf dem Balkon.

Vor ihm die Berge.

Auf ihm der Sonnenhut.

Neben ihm die Krücken.

Und über allem Elsie.

ER GING IHR JA SOWAS VON EXTREM AUF DEN KEKS!

Seit er sich beide Kniescheiben hatte operieren lassen, hockte er im Stuhl. Liess sich von Elsie hinten und vorne bedienen. UND DIE KNIE MIT QUARKWICKELN KÜHLEN.

Er langweilte sich. Da kam ihm sein alter Militär-Feldstecher gerade recht.

ABER: ER BEOBACHTETE NICHT DIE BERGE UND VÖGEL.

Erschienen am: 
Freitag, 14. September 2018

Von den vielen Nullen und der Nulldiät

Illustration: Rebekka Heeb

10 Kilo!

Doktor Füssli hat meine Flossen begutachtet:

«10 Kilo müssen mindestens runter. Sonst kann ich das nicht reparieren…»

Ja, wie stellt sich der das vor?!

ÜBERHAUPT – DIE ANDERN WISSEN IMMER GANZ GENAU, WIE DAS GEGENÜBER ABSPECKEN KÖNNTE!

«Sauf ein Glas Wein STATT IMMER DIESEN GRÄSSLICHEN HIMBEERSIRUP!» (Innocent)

«Lass einfach die Dickmacher weg!» (meine studierte Freundin Maria)

ABER WAS S I N D DICKMACHER?

Ich muss eine Gurke nur anschauen und bin schon im neunten Monat.

Erschienen am: 
Dienstag, 11. September 2018

Duweisstschon

Hildi schepperte mit der Kaffeekanne. Sie hielt nichts von diesen modernen Kapsel-Espressi.

NEIN. Der Mittagskaffee musste aus voller Kanne kommen. Und dazu die «Dätli», wies hier in ihrer Heimatstadt hiess.

«Wo sind die Mohrenköpfe?»

LANGES, GEREIZTES SCHWEIGEN. Dann Hildi (ziemlich dezidiert):

«ICH MÖCHTE SO ETWAS NICHT MEHR HÖREN. EIN FÜR ALLEMAL, WALTI!»

Walter schoss einen Blick zur Decke: «HILDEGARD MATTMÜLLER – ICH REDE IN MEINEM HAUS NOCH IMMER, WIE ES MIR PASST! ALSO – WO SIND SIE?»

Erschienen am: 
Freitag, 7. September 2018

Vom Schweizer Brot und den anderen…

Illustration: Rebekka Heeb

Nein. Ich kriegs einfach nicht auf die Reihe.

Dabei sollte doch Brotbacken keine Hexerei sein.

IST ES ABER.

Und ich bin vermutlich die falsche Hexe dafür.

Meine Freundin Kathy hat mir erklärt: «Du Depp – du knetest zu stark!».

Alfred, ein Hobbykoch mit Gourmet-Stern, schüttelte den Kopf: «Du knetest das viel zu wenig durch!»

Arthur, mein Masseur und ein dreifach diplomierter Kneter walkte meine Bauchschwarten: «Du solltest überhaupt kein Brot essen – Brot macht dick!»

KEIN BROT?!

Erschienen am: 
Dienstag, 4. September 2018

Olivier Pagan: «Andere Zoo-Direktoren seufzen da neidisch»

«Essen wir bei den Elefanten?»

Ja. Klar!

Es kommt schliesslich nicht jeden Tag vor, dass dich ein Gast zu seinen Hauselefanten einlädt.

Die meisten warten mit krummbeinigen Dackeln auf den Besuch. Es kann auch mal eine Flamingo-Gruppe im japanischen Garten oder eine dahingerollte Python neben dem Fernseher sein – das schon.

ABER ELEFANTEN IM HAUS?

So etwas kann nur Olivier bieten.

Olivier Pagan wartet beim Zolli-Eingang.

Erschienen am: 
Samstag, 1. September 2018

Familiensilber

Wally schaute seufzend auf die goldgelben Spitzen ihres Silberbestecks. Dann holte sie die Dose mit dem Tauchbad. Und verwünschte einmal mehr ihren Patenonkel Hubert. SO ETWAS WIE DIESES SILBERGESCHENK KONNTE NUR EINER TUNTE WIE HUBERT IN DEN SINN KOMMEN…!

Natürlich hatte sie ihren Paten gemocht. Er war skurril. Rauchte parfümierte Zigaretten. Und band sich rosaseidene Krawattenshawls um. KEIN ZWEIFEL – HUBERT WAR EINE SCHRILLE NUMMER!

ABER DAS MIT DEM SILBERBESTECK HÄTTE ER IHR ERSPAREN KÖNNEN.

Erschienen am: 
Freitag, 31. August 2018

Tenor Mauro Peter: «An Kritik wird man gross»

Mauro Peter mit -minu. (Foto zVg)

Es waren heisse Festwochen in Salzburg. Die Mozartkugeln schmolzen zur süssen Schoko-Schmiere.

Nur «Die Zauberflöte» in der Regie der US-Amerikanerin Lydia Steier, mit der die diesjährigen Festspiele in der Opernsparte eröffnet wurden, liess die Salzburger im 35-Grad-Sommer zu Eis erstarren.

In Leserbriefen, TV-Interviews und erzürnten Ausbrüchen auf den Social-Media-Kanälen, toben die Traditionalisten empört: «Zu Hife! Zu Hilfe! …was hat diese Amerikanerin mit dem Zauber unserer Flöte gemacht!»

Erschienen am: 
Dienstag, 28. August 2018

Von Männern als Weicheier und Arsen

Illustration: Rebekka Heeb

Er schreit wieder nach Quark.

Und ich stehe vor dem Arsenfläschchen.

Seit ein paar Wochen weiss ich, weshalb so viele alte Ehen geschieden werden.

Überdies besagt eine Studie, die von mir in Auftrag gegeben wurde: Die meisten Mordopfer dieser Welt sind nach Quark schreiende Ehemänner über 80! Und wie wir alle wissen: Auf Studien ist Verlass!

Nein.

NICHT JEDER IST EINE MUTTER TERESA.

UND NUR WENIGEN IST DIESES SANFTGÜTIGE LÄCHELN EINER FLORENCE NIGHTINGALE AUF DIE LIPPEN GEGEBEN.

Erschienen am: 
Dienstag, 28. August 2018

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