Basler Zeitung

Von Erinnerungen an den «Postino» und Stullenstrich

Es musste Salina sein.

Und dort der schickste Kasten!

INNOCENT KOMMT INS VIBRIEREN: «Es gibt dort auf dem Campingplatz ein Gästehaus erster Güte…»

DANKE.

Man duscht in solchen Gästehäusern stets gemeinsam im Badesaal.

Rennt gemeinsam zum Beine-Dehnen in den Frühsport…

Und seift gemeinsam am tröpfelnden Brunnen die Turnhosen ein.

MUSS ICH NICHT HABEN!

Erschienen am: 
Dienstag, 3. Juli 2018

Hey Siri!

ROLF FÜHLTE SICH EINSAM.

«Ein Hund hats besser!» – seufzte er.

Und stocherte mit einem Stück abgerissenem Taschenbuch-Deckel zwischen den Zähnen herum.

«ROLF!» – hätte Hanni jetzt getobt. «Lass das. Putz dir die Zähne!»

«Ja, Hanni.»

DAS GEMECKER VON HANNI FEHLTE IHM (wer hätte je so etwas gedacht!).

ÜBERHAUPT FEHLTE IHM HANNI!

Erschienen am: 
Freitag, 29. Juni 2018

Von einem englischen Sommer und Note 3

Illustration: Rebekka Heeb

Alle gingen ans Meer.

Alle hatten es in den salzigen Wellen getrieben.

Alle redeten vom Gelato in Italien.

Nur bei mir: null. Nada. Niente.

MEINE FERIEN WAREN DAS FURGGI IN ADELBODEN. UND TONNEN VON HAUSGEBRAUTEM LINDENBLÜTENTEE.

O.K. ICH HATTE DAS MEER GESEHEN!

Das war in Hamburg. Dann in Scheveningen. Aber so ein kaltes Meer zählt nicht – ich wollte das warme, mittlere mit den Gelatoständen davor.

Erschienen am: 
Dienstag, 26. Juni 2018

Dampfeisenbahn

Erna zupfte energisch eine Blüte ihrer Geranie weg: «Hubeeeert…!»

Hubert hockte vor seiner Modelleisenbahn.

Seit er pensioniert war, fuhr hier alles wieder auf Volldampf.

Er hatte die Anlage am ersten Tag, als er nicht mehr Malochen gehen musste, vom Estrich geholt.

Kiste für Kiste hatte er ins Gästekämmerchen der Dreizimmerwohung angeschleppt. Dann warf er das Dörrblumensträusschen auf dem Nachttisch in den Papierkorb. Und kippte das breite Notbett an die Wand.

Erschienen am: 
Freitag, 22. Juni 2018

Von den Wölfen auf der Insel

Illustration: Rebekka Heeb

WIR HABEN WÖLFE!

Innocent hat sie als Erster entdeckt.

Er sass bei seinem Abendschoppen. Köpfte ein zweites Fläschlein. Und strich sich über die runzligen Augensäcke. Dann streckte er die Hand nach meiner aus: «Pssst! Beweg dich nicht …»

IST JA TYPISCH. NACH 49 JAHREN MAL EINE ZÄRTLICHE GESTE.

UND SCHON WIEDER PAUSE!

Ich klopfe auf seine Finger: «Nanana …»

«PSSSSST!»

Er zeigt mit dem Kopf stumm in Richtung Katzengeschirr.

DORT DRIN SIND RESTEN-MAKKARONI AN BOLOGNESE-SUGO UND …

Erschienen am: 
Dienstag, 19. Juni 2018

Marienkäfer

Lilli sah den kleinen, roten Fleck an der Fensterscheibe. Sie setzte die Brille auf: TATSÄCHLICH – EIN MARIENKÄFER.

Der rote Punkt mit den sieben schwarzen Tupfen auf dem abgerundeten Körper bewegte sich nicht.

Lilli streckte die Fingerkuppe hin: «Komm!», flüsterte sie.

Nichts tat sich.

Sie gab dem Käfer einen kleinen Schubs.

Er blieb, wo er war.

Lilli schüttelte den Kopf: «Ich dachte, deine Gattung sei längst ausgestorben. Man sieht euch ja kaum mehr…»

Erschienen am: 
Freitag, 15. Juni 2018

Von den sterbenden Palmen und veganen Herzen

Illustration: Rebekka Heeb

In naiven Tantenträumen habe ich mir das immer so vorgestellt:

Grosse Auffahrt zum Schloss.

Vorfahren mit der hochradigen Familienkutsche.

Auf deren polierten Toren sind dezent die Krönchen von Innocents nobelalter Familie gemalt. UND EIN LACHENDES EINHORN. Letzteres passend zur Familientradition: gerne mal lachend einen auf dem Horn.

Dann links und rechts Tonnen von Zypressen, die sich ehrfurchtsvoll vor uns verneigen.

Erschienen am: 
Dienstag, 12. Juni 2018

Spitze Nase

«Ich bringe diese Giftschleuder um…!»

NA GUT – ES WAREN KEINE SALONFEINEN GEDANKEN, DIE DA DURCH WERNERS KOPF JAGTEN…

Aber irgendwie können wir ihn auch verstehen: Margret war eine Plage.

Von morgens bis abends nörgelte sie an ihm herum.

MARGRET WAR EINE ÄUSSERST UNSYMPATHISCHE PERSON. RECHTHABERISCH. EIGENWILLIG. UND MIT EINEM KINN, DAS BÜHNENHEXENREIF WAR.

Nun fragen wir uns, weshalb hat Werner so ein Brechübel geheiratet?

Erschienen am: 
Freitag, 8. Juni 2018

Von den rosa Buben und bunten Kleidern

Illustration: Rebekka Heeb

Als kleiner Bub trieb ich es bunt.

DAS HAT BEREITS IN DER WIEGE ANGEFANGEN!

So jedenfalls wurde die Story immer an Familientagen und Beerdigungen durchgegeben: Rosig gedresst lag der kleine Junge auf dem weissen Kissen. Rosig – weil Basler Buben zu jener Zeit noch rosa auf die Welt kamen. Die Mädchen himmelblau.

WEISS DER TEUFEL, WESHALB BASEL DA IN SEINER VERHÜLLUNGSPOLITIK ANDERS TICKTE.

Aber es war Tradition: künftige Grossräte rosa. Die ersten Emanzen: himmelblau!

Erschienen am: 
Dienstag, 5. Juni 2018

Bibbälä

ES WAR EIN SCHOCK.

Die Mutter sperrte entsetzt die Augen auf: «DAS NICHT AUCH NOCH!»

Die Hebamme erstarrte. Und versuchte es auf die gütige Art: «Es ist jetzt vielleicht ein bisschen schlimm – aber Menschen mit einem Down-Syndrom können ein grosses Geschenk sein. Sie sind sensibler als ihre Umwelt. Und sie können uns das Glück des Lebens aus ihrer Sicht näherbringen!» «BRINGEN SIE ES WEG!» – schrie die Frau hysterisch.

Die Hebamme drückte den Kleinen fest an sich: «Das wird schon werden, mein Kind…»

Erschienen am: 
Freitag, 1. Juni 2018

Seiten

Basler Zeitung abonnieren