Basler Zeitung

Von den grossen Rollen, die man nie bekommt

Illustration: Rebekka Heeb

«…das geht nicht. Du bist ein Eseli!»

ARSCHKARTE GEZOGEN! SCHON IM KINDERGARTEN.

Es war meine erste schauspielerische Erfahrung. Nun ja – abgesehen von «Schneewittchen», wo ich den Seppentoni spielen sollte. Fräulein Zürcher sah mich schon dort eher im burlesken Fach. Und dieser Zwerg war ja so was von schief. Da hatten sich die Grimm-Brüder nicht allzu stark ins Gehirn gebissen.

Beim Krippenspiel nun wollte ich mich aber endgültig für die Charakterrollen starkmachen.

Erschienen am: 
Dienstag, 28. November 2017

Punkte

Angefangen hatte es vor zwei Jahren.

Louise hatte im Restaurant ihr Handy gezückt. Und den Teller – Nüsslisalat mit Ei – fotografiert.

URS SCHAUTE GENIERT UM SICH:

«Lass den Quatsch. Das ist ja oberpeinlich!»

LOUISE LÄCHELTE GEHEIMNISVOLL: «Lass mich nur machen!».

Sie zog das Handy dann noch beim Vegi-Schnittchen. Und beim Tiramisù.

URS WÄRE VOR SCHAM GERNE UNTER DEN TISCH GEKROCHEN.

Einige Leute schauten schon neugierig zu ihnen.

Erschienen am: 
Freitag, 24. November 2017

Von der Oliven-Ernte und den Tricks

Illustration: Rebekka Heeb

«Nein. Kein Öl dieses Jahr!»

Innocents Nase ist spitz. Das ist sie immer, wenn er mir vorrechnet, dass SPARSAMKEIT grossgeschrieben werden muss.

KEIN ÖL! DA IST ER ABER TOTAL MIT DEM FALSCHEN FUSS AUFGESTANDEN! Wir leben hier in der Toscana von Olivenbäumen umgeben. Sie sind die einzigen Pflanzen, die unter der Hitze nicht gelitten haben.

UND SIE HÄNGEN VOLL VON DEN WUNDERBAREN KÜGELCHEN, DIE – SO UNSER GÄRTNER GIANNI – «DAS BESTE ÖL DER TOSKANA GEBEN, SIGNORE!».

Erschienen am: 
Dienstag, 21. November 2017

Für immer jung

Irma schaute in den Spiegel. «Na ja», gab sie den Kommentar über sich selber ab, «mit 40 kannst Du nicht mehr erwarten, Mädchen!» Eigentlich war sie 53. Gab sich aber als ewige Vierzigerin. Und tat alles, damit es so blieb: täglich Aerobic... zwei Mal Sauna die Woche... und dann ein Badezimmer voller geheimnisvoller Döschen und Flacons. SIE VERSPRACHEN ALLE DIE EWIGE JUGEND.

Erschienen am: 
Freitag, 17. November 2017

Von Lady «Cätterly» und ihren Hühnerbrüsten

Illustration: Rebekka Heeb

Noch immer kein Regen auf der Insel – seit zehn Monaten! Na ja – manchmal ein Spritzerchen. Nicht der Rede wert. Gerade so, wie wenn Nachbars Lumpi sein Bein an der Haustüre hebt.

WIR TROCKNEN AUS!

UND NATÜRLICH HABE ICH DIE SCHULD DARAN, WEIL ICH RAUCHE. UND SO DAS GESUNDE ALL VERNEBLE.

Schuld haben auch alle stinkenden Autos, die schwitzenden Velofahrer mit ihren Dunstwolken und natürlich diese Rinderherden, welche die Luft vollscheissen. Und das Ozon belasten.

Erschienen am: 
Dienstag, 14. November 2017

Magenbrennen

Wolfi dröhnte sich zu: Chips... Nüsschen... UND PROSECCO DIREKT AB FLASCHENHALS! Er war alleine daheim. Und brauchte niemandem zu gefallen. DESHALB RÜLPSTE ER AUCH SCHAMLOS LAUT.

Schamlos war ebenfalls seine Situation: Eva hatte ihm vor vier Wochen den Rücken gekehrt. Und Wolfi alleine in der Penthouse-Wohnung zurückgelassen.

Sie hatte Lippenstift an seinem Armani-Slip entdeckt. DER REST WAR DRAMA.

Erschienen am: 
Freitag, 10. November 2017

Von geklauten Souvenirs in den Restaurants und einer Klopapier-Rolle

Illustration: Rebekka Heeb

Innocent macht auf miese Laune.

KANN ICH JA VERSTEHEN: Seine Knieprothese hat das Ablaufdatum überschritten. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Eigentlich müsste das künstliche Gelenk aus Edelstahl sowie die abgelaufene Kniescheibe revidiert oder erneuert werden. DENN DER MENSCH IST WIE EIN GEBRAUCHTWAGEN: JE MEHR KILOMETER AUF DEM TACHO, UMSO HÄUFIGER DIE REPARATUREN.

Jetzt müffelt er: «Ich will einen Sessel. Und Ravioli.»

Erschienen am: 
Dienstag, 7. November 2017

Dufttännchen

Lilli wurde schwach. Bei Käse bekam sie stets einen hohlen Bauch. ALLE «NUR-EIN-JOGHURTZNACHT!»-VORSÄTZE WURDEN ÜBER BORD GEWORFEN.

Sie stand vor der riesigen Auslage. Und beschloss: «Gschwelti und eine Käseplatte!» Das war bei diesem Herbstwetter gerade das Richtige!

Gut. Max war nicht der Käse-Typ. Er baute schon bei Fondue die Krise. ABER FRAU SOLLTE AUCH EINMAL AN SICH SELBER DENKEN.

Erschienen am: 
Freitag, 3. November 2017

Wurst-Mutti und der verpasste Ehrendoktortitel

Illustration: Rebekka Heeb

Da stand sie: klein. Rund. Frisch dauergewellt. Vor ihr der gläserne Wurstkessel, der stets tränte. Und in dem die fingerdicken Wienerli immer praller wurden.

HINTER IHR TONNAGEN VON KARTONTELLERN. Weiss, mit gewelltem Rand.

«ICH BIN DIE WURST-MUTTI – UND WER ZUM TEUFEL SEID IHR?», bellte sie uns bei der ersten Begegnung schon von Weitem entgegen.

Erschienen am: 
Dienstag, 31. Oktober 2017

Politisch unkorrekt

«KÜGELCHEN!» – Hubert bückte sich keuchend zu den Schuhbändeln. Für einen kurzen Moment wurde ihm schwindlig. Es gab nichts zu beschönigen: Sein Ranzen war einfach zu gross.

«Kügelchen...könnten wir wieder mal Frikadellen zum Znacht...?» «FRIKADELLEN MACHEN DICK, MOPSI!» Sie rief ihn «Mopsi». Hatte sie schon immer GETAN. Selbst als er jung war. Den geilen Hubi gab. Und den Weibern nachgeiferte.

Erschienen am: 
Montag, 30. Oktober 2017

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