Von den Eiern aus Karlsbad und zwei Kisten Sliwowitz

Illustration: Rebekka Heeb

Nicht dass Mutter mit mir auf Ostern diese Eier gefärbt hätte. Basteleien waren nicht ihr Ding. Sie versteckte auch keine Hasen. Als Geschäftsfrau legte sie mir am Ostersonntag ein kleines Nötchen unter den Frühstücksteller: «Spar das Geld!»

Natürlich verpulverte ich die Pinke am Kiosk für Colafrösche und Tikki-Brausepulver. Ich schäumte zwei Wochen. Dann war wieder Trockenzeit.

Erschienen am: 
Dienstag, 30. März 2021

Von Pastetli - und schade, dass es sie kaum mehr gibt

Illustration: Rebekka Heeb

Irgendeine Leserin hat mir kürzlich einen Floh ins Ohr gesetzt. «Erinnern Sie sich», schrieb sie in einer Mail, «es gab kein Sonntagsessen ohne diese Pastetli.» Stimmt. Meistens wurden sie als Entrée serviert: kleine Blätterteig-Rundumeli, deren undefinierbares Innenleben barmherzig mit weisser, dicklicher Sauce übertüncht war.

Erschienen am: 
Dienstag, 23. März 2021

Von verschiedenen Spaziergängen und Waffeln in Stanniol

Illustration: Rebekka Heeb

SPAZIERGÄNGE?

Also damit könnt Ihr mich pudern!

Wenn so ein Grün-Fetischist unsern urgemütlichen Sonntags-Jass aufmischt und sein frohlautes «WOLLEN WIR AUF EINEN SPAZOTTEL GEHEN...» rauslässt - also ich könnte ihm die Punktetafel über den Schädel knallen!

Er sagt «SPAZOTTEL». Doch das macht es auch nicht netter.Ein Spaziergang ist ein Spaziergang - stets verbunden mit Bewegung, Hallux-Problemen und der bitteren Enttäuschung, wenn man endlich bei einem Restaurant angelangt ist: HEUTE WIRTESONNTAG!

Erschienen am: 
Dienstag, 16. März 2021

Vom Füreinander-da-Sein

Illustration: Rebekka Heeb

Innocent vergisst. Er fragt mich: «Welchen Tag haben wir heute?» Ich sage: «Dienstag.» Nach zehn Minuten fragt er wieder: «Welchen Tag haben wir heute?» - «Dienstag.» So etwas macht dich traurig.

Anderseits: «Habe ich dir das Monatsgeld schon gegeben?» - «Nein.» «Entschuldige.» Er öffnet das Portemonnaie, «hier - bitte!» Nach zehn Minuten: «Habe ich dir das Monatsgeld schon gegeben?» - «Nein.» - «Entschuldige, hier - bitte!» Ich meine - so hat es auch seine guten Seiten.

Erschienen am: 
Dienstag, 9. März 2021

Von Theaterröcken, alten Tanten und «DAS IST NICHT FASNACHT!»

Illustration: Rebekka Heeb

«Muss es eine Tante sein?»

Mutter rührte in ihrem Gin-Fizz, sodass die Eiswürfel nervös klapperten. Dann etwas schriller: «...schwirren in dieser Familie nicht schon genügend alte Tanten herum. Reicht dir dieses Duftgemisch von Naphthalin, kölnischem 4711 und Pfefferminz-Dragées nicht...?»

DER DISPUT WIRBELTE UM MEIN MORGENSTRAICH- KOSTÜM.

Erschienen am: 
Dienstag, 16. Februar 2021

Pia Inderbitzin: «Ich bin die Frau hinter Frau Fasnacht»

Foto: Nicole Pont

Sie ist die heutige Frau Fasnacht.

Aber da ist nichts von violetter Rüschenbluse und Ridicule (nur Coop-Tasche mit Lauch), null Spitzenhandschuhe. Und kein grauer Dutt unter dem Blumenhut.

Basels Frau Fasnacht 2021 kommt mit Bubikopf in der Farbe des Höllenfeuers anstelle des roten Huts! Dazu ein Outfit im passenden Trauerschwarz: Denn auch dieses Jahr weint sie um die 72 schönsten Basler Stunden, die den Bach runtergehen…

Erschienen am: 
Sonntag, 14. Februar 2021

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