Basler Zeitung

Hypochonder

«Lore!»

Lore war in einem Traum.

Es war der Traum der Träume: Ein Diener brachte ihr einen Espresso ans Bett.

DER KAFFEE WAR ITALIENISCH UND HEISS.

DER DIENER AUCH.

Manchmal war Lore von dienstbeflissenen Geistern umgeben. Ihr grosszügiger Gatte weckte sie mit dieser kleinen blauledernen Geschenkbox, in der die Diva im Film von ihrem Liebhaber stets einen 18-Karäter überreicht bekam.

SO MACHTE ERWACHEN SPASS.

Aber eben: alles Träume!

Erschienen am: 
Freitag, 25. Januar 2019

Von Snoopy im Tumbler und Chanel N° 5

Illustration: Rebekka Heeb

Ganz fest drückte ich meinen Liebsten an mich.

Sein Kopf lag unter meinem Arm. Sein Bauch auf meiner Nase.

«ER STINKT GEWALTIG!», musste Innocent die Idylle stören. «ZEIT, DASS DU IHN WIEDER MAL WÄSCHST!»

Fünf Stunden später war mein Herzblatt im Tumbler eingeklemmt. NICHTS GING MEHR.

Noch habe ich dieses schreckliche, dumpfe «BLUMM… BLUMM» in den Ohren, wenn sein dicker Bauch an die Trommel knallte. Und danach: ALARMPIEPSER!

«Innocent!»

Er kommt herbeigeeilt.

Erschienen am: 
Dienstag, 22. Januar 2019

Helmut Hubacher: «Basel war Liebe auf den ersten Blick!»

Zu Tisch mit -minu: Helmut Hubacher

Er ist schwer zu erreichen. Auf dem Telefonapparat spricht der Beantworter. Auf der Faxmaschine pfeift es schrill.

Also lasse ich Tonnen von Papier durch: «KÖNNEN WIR ZUSAMMEN ESSEN?»

Dann endlich – seine Stimme am Hörer: «Klar. In der Kunsthalle. Ich esse aber mittags nur wenig. Gut frühstücken, ja. Und abends schlagen wir nochmals zu. Mit Apéro. Und allem Gemütlichen. Aber mittags: bescheiden!».

Erschienen am: 
Sonntag, 20. Januar 2019

Der Kutscher

Rosario zog an seinem Toscano. Der Stumpen war längst erloschen.

«Wie ich», dachte der Kutscher bitter. Der Zoff mit Sohn Carlo hatte ihm erneut eine schlaflose Nacht verschafft.

Sein Sohn wollte, dass der Alte endlich mit der Kutsche aufhöre.

ROSARIO WOLLTE DAS NICHT.

Ein Leben lang hatte er Gäste mit Lara durch Rom gekutscht.

Es war ein gutes Leben gewesen.

«Du und Lara seid zu alt für den Job, Papa …», hatte Carlo getobt.

Klar. Der Junge hatte nie in seine Fussstapfen treten wollen.

Erschienen am: 
Freitag, 18. Januar 2019

Von Rotkäppchen und Karl Marx

Illustration: Rebekka Heeb

Märchen haben meine Kindheit verzaubert. Ich war süchtig danach. Psychologen würden behaupten, dass meine Kindheit märchenhaft war. Auch mädchenhaft.

Aber vermutlich waren die Geschichten von Prinzessinnen, die Frösche küssten und dafür einen feschen Kerl bekamen, die Flucht in eine Welt, in der mir wohler war.

Erschienen am: 
Dienstag, 15. Januar 2019

Mary Poppins

Lore schaute zum Himmel.

Dann aufs Meer.

GRAU OBEN.

GRAU UNTEN.

«Grauenvoll», seufzte Lore.

Sie hatte den trüben Januar fliehen wollen. Und Sonne in der Toskana gebucht.

ABER: Die Sonne lässt sich nicht buchen.

Immerhin – der Hotel-Portier versucht gut Wetter zu machen: «Buon giorno, bella donna!»

Lore wusste: Fake News! Sie ging gegen 80. Hatte Runzeln wie ein liegengebliebener Apfel.

UND GICHTSCHÜBE!

Was nun?

Erschienen am: 
Freitag, 11. Januar 2019

Von der lebendigen Krippe und Liesels Holz vor der Hütte

Illustration: Rebekka Heeb

«WILLST DU WIRKLICH GEHEN?»

Innocent schaut genervt von seinem Buch hoch: «Wir gehen doch immer – weshalb nicht auch dieses Jahr?»

Er negiert sein Alter.

Er negiert die Gehstöcke.

Er negiert meine Einwände.

«ES SIND IMMERHIN ÜBER 300 STUFEN. S E H R S T E I L E STUFEN, MEIN LIEBER… UND DU WACKELST BEIM GEHEN WIE EIN KAHN AUF HOHER SEE…»

In solchen Momenten hört er nichts. Er schaut einfach in sein Buch. Und: «Hast du etwas gesagt?»

Erschienen am: 
Dienstag, 8. Januar 2019

Königskuchen

Rosa schob die kleine Prise Arsen in Kugel -4-.

Louise sollte nicht Königin werden. Sondern ein Engelchen…

ZUR HÖLLE MIT IHR!

Geschickt kneteten Rosas dünne Finger die Kugel wieder zu. Es kam etwas Puderzucker über die Wundstelle. UND DER DREIKÖNIGSKUCHEN AUF DEN TISCH.

Schon als Kinder sind sich die beiden Schwestern in den Haaren gelegen. Es waren verwöhnte Balgen, mit Daisy-Duck-Schleifen und affigen Puff-Ärmelchen. Von ihrer Mutter wurden die Gören «meine Prinzesschen» genannt.

Erschienen am: 
Freitag, 4. Januar 2019

Das alte Jahr

Catherine stand am Fenster.

Wie weisse Sommersprossen zeigten sich die Sterne am schwarzen Himmel.

In der Stube sassen die Gäste herum.

Einige stierten weggetreten an die Wand. Und inhalierten ihren Joint.

Andere schütteten den Alk direkt ab Flaschenhals in sich rein.

Agnes, die Mutter von Catherie, schleppte zwei frische Säcke mit Curry-Chips an.

CATHERINE HASSTE CURRY-CHIPS.

CATHERINE HASSTE AUCH DIE GÄSTE IHRER MUTTER.

Erschienen am: 
Freitag, 28. Dezember 2018

Vom schwarzen Jesuskind und Pater Franz

Illustration: Rebekka Heeb

Pater Franz sass beim Frühstück.

Er war unglücklich – aber er war der Typ, der nur glücklich sein konnte, wenn er unglücklich war.

Jelka hatte ihm einen Joghurtbecher hingestellt. Dazu Orangensaft aus dem Tetra-Pak: «Das ist gesund für einen alten Mann», machte sie dem katholischen Geistlichen Mut. Und legte noch eine Magnesium-Tablette zum Glas.

Pater Franz mochte keinen Joghurt. Er mochte schon gar keinen Orangensaft. Und Magnesium? Er war ein Gegner jeder Form der Pille.

Wieder kam ein schwerer Seufzer.

Erschienen am: 
Montag, 24. Dezember 2018

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