Basler Zeitung

Vom falschen Chauffeur in Meran und Anmache…

Illustration: Rebekka Heeb

«ACH, D E R? DER IST NUR DER CHAUFFEUR…»

Aber hallo! Ich glaube, ich träume!

Innocent lümmelt in der vornehmen Bar unseres noch vornehmeren Hotels in Meran. Er hat den Gehstock hinter dem Brokatvorhang versteckt und macht auf lässig:

«Was macht so eine schöne Frau wie Sie alleine an diesem Ort der abgewrackten Geister?»

Die «schöne Frau» ist satt gestrafft. Üppig gekleistert. Und mit Frau Ardens Abdeckfarben übermalt.

Erschienen am: 
Dienstag, 16. Oktober 2018

Regenbogen

Erna betrachtete die Frau.

Dann schloss sie ihr die Augen. Und strich nochmals die welken Wangen von Frau Matter.

Schliesslich ging sie in die Stube des grossen Hauses.

Die Tochter sprang nervös vom Stuhl auf: «Und?»

Erna nickte müde: «Sie ist über den Regenbogen...».

Die Tochter weinte ein bisschen: «...Irgendwie ist es eine Erleichterung!»

Erschienen am: 
Freitag, 12. Oktober 2018

Von dicken Lippen und Wespenstichen

Illustration: Rebekka Heeb

«SCHNAUSILEIN – KAFFEE FERTIG!»

Das bin ich auch.

Besonders wenn er das Süsswort «Schnausilein» ins Vokabular nimmt.

«SCHNAUSILEIN» IST MITTLERWEILE NÄMLICH 72, STARK ÜBERGEWICHTIG. UND SCHNAUST SCHON LÄNGST NICHT MEHR.

Es frisst wie zehn Milchkühe!

Geschnaust hat es vor 50 Jahren. Und so getan, als könnte es kein Küchlein anrühren …

HEUTE: REIN IN DIE FRESSE! UND AB AUF DIE HÜFTEN!

Deshalb: «Gibts keine frischen Gipfel?»

Erschienen am: 
Dienstag, 9. Oktober 2018

Ungleiches Paar

Die Leute tuschelten.

Das Paar zog alle Aufmerksamkeit auf sich.

Verliebt nahm er ihre Finger. Und streichelte diese.

Ihre Lippen zitterten leicht.

Nicht vor Erregung. Sondern weil sie jetzt 83 Jahre alt war.

Und da zittert das meiste.

Horst war knapp 30. Und natürlich war es der Altersunterschied, der die Menschen zum Flüstern brachte:» Sohn? Enkel? Aber doch nicht etwa...»

DOCH! DOCH! GERADE DAS!

Den Leuten klappte der Mund auf wie bei Nussknackern vor dem Zubiss.

Erschienen am: 
Freitag, 5. Oktober 2018

Vom Kochen mit Eiern und dem Noggerl-Versuch...

Illustration: Rebekka Heeb

Als junges Couple kochten wir nicht.

Wir ernährten uns von Toast. Und von Eiern.

DAS WARS.

UND DAS WAR GUT SO, WIE MEIN FREUND – DER BERLINER – WOWI SAGEN WÜRDE.

Innocent war stark in Eiern. Hart. Weich. Drei Minuten. Oder als Omelette mit Frischkäse und Tonnen von Trockenkräutern.

Mit der «Omelette Surprise» hat er den schönen keuschen Kerl über den Tisch gezogen.

Na ja – keusch ist relativ. Aber schön ganz sicher.

Erschienen am: 
Dienstag, 2. Oktober 2018

Eleonora del Sardo (eigentlich Lenchen Schneider)

Sie sass auf dem Plüschsessel.

Schaute um sich.

Und schüttelte den Kopf: «Was für ein Zerfall!»

Eleonora del Sardo – eigentlich hiess sie Lenchen Schneider – linste mit dem Operngucker die Reihen ab: «People of Schutt und Gröll!» – zischte sie.

Wo blieb der Glanz?

Wo versteckte sich das Wunder des Theaters?

Wo waren die bodenlangen Roben, die früher bei einer Zauberflöten-Premiere in den Foyers herumgezeigt wurden?

Erschienen am: 
Freitag, 28. September 2018

Vom Gartenzwerg und dem Mädchen

Illustration: Rebekka Heeb

«LASS DIE FINGER VON DIESEM HERRN!» – Innocent kübelt mal wieder in meinen Gefühlen herum. «Du hast einfach einen miserablen Geschmack!»

A B E R: WENN MIR NACH EINEM HERRN IST, GREIFE ICH ZU! AUCH BEI DEM HIER. BASTA!

Die Nervensäge schaut jetzt händeringend zum Himmel. Fleht irgendwelche Heiligen herbei. Und jammert in Richtung einer Donnerwolke, wo er seine liebe Mammi vermutet: «Er tuts wieder!»

Erschienen am: 
Dienstag, 25. September 2018

Vermisstes Schnarchen

Sie lag im Bett.

Hellwach.

Manchmal ging ihr Arm zum Nebenbett.

NICHTS.

Sie spürte dann die Depression, die wie eine zweite, schwere Bettdecke über sie fiel.

Heidi drehte sich nun auf die Seite. Und nahm das Kissen von Ernst in die Arme.

Sie konnte nicht weinen. Ihre Trauer war wie ein ausgetrockneter Brunnen. Nach zehn Minuten erhob sie sich. Schlurbte durch die Wohnung. Und machte sich einen Tee. EISENKRAUT.

Erschienen am: 
Freitag, 21. September 2018

Vom Selberscannen und verhasstem Broccoli

Illustration: Rebekka Heeb

Der Mann holte mich am Lift ab.

«Wunderbar – ich kenne Sie! Sie sind doch ein technisch versierter Mensch!»

DER KANNTE MICH N I C H T!

ALLES NUR BILLIGE ANMACHE!

Ich war auf der Hut.

Man hört immer wieder, wie diese jungen Männer alten Tucken das Portemonnaie klauen und …

«ICH BIN VOM SUPERCENTER. MEIN NAME IST CARLO. HERZLICH WILLKOMMEN. HEUTE SCANNEN WIR EINMAL SELBER EIN.»

Erschienen am: 
Dienstag, 18. September 2018

Hitchcock

Er hockte auf dem Balkon.

Vor ihm die Berge.

Auf ihm der Sonnenhut.

Neben ihm die Krücken.

Und über allem Elsie.

ER GING IHR JA SOWAS VON EXTREM AUF DEN KEKS!

Seit er sich beide Kniescheiben hatte operieren lassen, hockte er im Stuhl. Liess sich von Elsie hinten und vorne bedienen. UND DIE KNIE MIT QUARKWICKELN KÜHLEN.

Er langweilte sich. Da kam ihm sein alter Militär-Feldstecher gerade recht.

ABER: ER BEOBACHTETE NICHT DIE BERGE UND VÖGEL.

Erschienen am: 
Freitag, 14. September 2018

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