Von einem Kaminfeger und der Ehe für alle

Illustration: Rebekka Heeb

Fegerli war ein Hammer-Mann! «Immer so aufgeputzt!», schwärmte die Omi. «Kein Flecklein rundum. Finde mir einen zweiten, so reinlichen Russer!»

Selbst mein Vater klopfte Fegerli kumpelhaft auf die brikettstaubigen Arschbacken: «Fegerli! - Du bringst mir Glück! In einem Monat sind Wahlen...» Dann zupfte er seinen persönlichen Propaganda-Flyer aus der Trämlertasche: «KEIN BAMMEL VOR HAMMEL - LISTE 5».

Erschienen am: 
Montag, 20. September 2021

Von Spitälern und einer Katze beim Eingang

Illustration: Rebekka Heeb

Meine Erinnerung: ein grosses geschlossenes Fenster. Die Krankenschwester - ich durfte sie «Schwester Lieseli» rufen - nahm mich auf. Und weit unten auf der Strasse winkte eine Frau zum Fenster. Sie weinte.

«Winke zurück - das ist die Mamma», gab Lieseli den schwesterlichen Befehl durch. Ich kannte die Frau dort unten nicht. Ich winkte trotzdem.

Erschienen am: 
Montag, 6. September 2021

Gaby Gasser: «Ein Glückskind, wenn man so will»

Foto: Lucia Hunziker

Eigentlich heisst sie: Gabriela Maria Lucia.

MIT DIESEM NAMEN KANNST DU OPERN SINGEN!

Macht sie nicht. Ihr Fach ist das Leichte.

Und: «...das Leichte ist immer schwerer. Das Schwierigste überhaupt. Komödie kann man nur ganz ernst spielen.» So hat die Schauspielerin Gaby Gasser ihre Kunst der «Comédie» vor meinem Mandarinensorbet (letzte Reste von Weihnachten) erklärt.

Erschienen am: 
Samstag, 28. August 2021

Von Frisören und ihrem Rundumschnitt

Illustration: Rebekka Heeb

Ich sitze auf dem Coiffeursessel. Diese Stühle sehen heute aus wie die Liegen zur Reise ins All. Früher gab es eine papierbezogene Kopfrolle. Den abgegriffenen Playboy. Und das nervige «Dligg-dligg» einer Schere.

Heute sind Coiffeur-Besuche Party-Party. Der Lärmpegel donnert wie in der Steinenvorstadt ab 23 Uhr. Und von vier Bildschirmen hämmert der Musikkanal auf dich ein. In all diesem hektischen Jungbrunnen nervt ein Alter mit Bauch: «Anderhalb Zentimeter. Nur wenig.»

Erschienen am: 
Montag, 23. August 2021

Von der Lust auf Huhn und Nachhaltigkeit

Illustration: Rebekka Heeb

Peter hat Eier. Die grössten weitherum.

Wenn er gut drauf ist, komme ich in den Genuss. Und lasse seine sechs Hennen grüssen. Denn ohne Hennen geht auch das mit dem Ei nicht. Je älter nun aber so ein Huhn wird, umso weniger Eier hat Peter. Was tun mit dem Huhn? Jetzt kommt mir mein Adelbodner Nachbarbauer doch tatsächlich auch noch mit dem Hammerwort des 21. Jahrhunderts: «NACHHALTIGKEIT! - Wir hühnern nachhaltig - und rüsten erst wieder auf, wenn die Olga gar nichts mehr hergibt.»

Erschienen am: 
Montag, 9. August 2021

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