Von Café complet und schaukelnden Prothesen

Illustration: Rebekka Heeb

«Du hast doch einen am Körbchen!» - Innocent schaute bestürzt auf den grossen Tisch.

Angesagt waren zwölf Gäste. Angesagt war auch Sparsamkeit. HIER GING DIE SPARSAMKEIT INNOCENT ETWAS ZU WEIT

«Was soll das? - Kaffeetassen?! ICH HABE DIE MILITÄRBANDE ZU EINEM NACHTESSEN EINGELADEN »

Tut er immer. Die Gäste sind die Fliegerstaffel aus der Zeit, als Männer noch Krieg spielen durften. Der grosse Kampf ist längst vorbei. Aber Innocents Militärkameraden tun noch immer so, als ob sie das Land retten müssten

Erschienen am: 
Dienstag, 23. April 2019

Radieschen oder Ei

SIE BADETE IN SELBSTMITLEID:

Weshalb schenkt Werner mir immer nur einen Migros-Hasen! Weshalb bin ich dick? Weshalb kann Huldi, diese dünne Dreckschleuder alles problemlos in sich reinschaufeln? Huldi war Werners Schwester. Und eh ein giftig geiferndes Ärgernis.

Bäcker Hummer winkte Erna in den Laden: «Haben Sie die Eier bewundert?» «JA», seufzte Erna.

«Wir machen den Nougat noch selber» «Ja.» Danach, sehr fest: «Geben Sie mir ein Fünfkornbrot!». Erna war wieder einmal am Abspecken.

Erschienen am: 
Freitag, 12. April 2019

Vom neuen Buch und Liesels Riesenfrau

Illustration: Rebekka Heeb

Das Buch wollte ich schon lange schreiben. Und den Titel hatte ich bereits vor 50 Jahren: ROSA SEEKUH.

Ich habe es dann - wie viele Dinge im Leben - immer wieder herausgeschoben. Und doch täglich davon geträumt.

INNOCENT KONNTE SICH NICHT FÜR DAS KONZEPT ERWÄRMEN: « was soll diese Oper mit einem Knaben, der rosa zur Welt kommt und dann alles blau bummst im Übrigen hast du doch schon über 100 Bücher geschrieben muss es in einer Welt, wo Papier und Wälder rar werden, noch eines mehr sein ?»

Erschienen am: 
Dienstag, 9. April 2019

Der Pianist

Er spielte den «Donauwalzer. Auf dem Piano stand ein Glas mit Weisswein. «Er trinkt nur Riesling», sagten die Kellner, wenn die Gäste dem Pianisten ein Getränk spendierten. Die Menschen im Restaurant plauderten. Flüsterten Liebesworte. Keiner hatte ein Auge für den Klavierspieler. Niemand hörte zu. Er war unsichtbar. Manchmal träumte er, eine der Frauen würde auch i h m ein Lächeln schicken. Männer nickten, wenn er sich vor den Tasten erhob und dem Spender mit dem Glas zuprostete. Die Frauen himmelten ihre grosszügigen Begleiter an.

Erschienen am: 
Freitag, 5. April 2019

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