Der Bestatter

Hugo sass am Steuer seines Jaguar.

ER GAB GAS. Es schüttete aus Kübeln.

«Danke, Herr Humbel», flüsterte Hugo nun. Seine Worte gingen ins Ungewisse. Denn keiner wusste genau, ob Grossunternehmer Humbel in der Hölle schmorte. Oder ob er auf Wolke neun angekommen war.

Humbel war der Sechser in Hugos Leben gewesen. Drei Jahre schon hatte er für die Firma Eptinger Wasser mit und ohne Kohlensäure transportiert. Dann entdeckte er die Kleinanzeige in seinem Lieblingsblatt: «CHAUFFEUR FÜR ÄLTERN HERRN GESUCHT».

Erschienen am: 
Freitag, 4. Oktober 2019

Von verschiedenen Düften und 4711-Weihnacht

Illustration: Rebekka Heeb

Es ist vermutlich eine Alterserscheinung:

Aber Innocent flatuliert. Und zwar heftig. Kürzlich haben seine Flatulenzen sogar eine Flugdemonstration der italienischen Militärflieger übertönt: Luftflotte oben - flotte Luft unten!

Gut. So genau wollt ihr das alles gar nicht wissen. Aber eigentlich ist es etwas ganz Natürliches - wie frittierte China-Käfer zum Quicklunch. Oder die zähen Pfannküchlein aus Sojasprossenmehl.

Erschienen am: 
Dienstag, 1. Oktober 2019

Der Weichspüler

Ein fröhlicher Septembertag. Aber auf dem Gehsteig herrscht das Sturmtief: Wütend fuchtelt Arnold mit seiner Krücke dem Velofahrer hinterher: «Weg vom Trottoir - du Arsch!»

Man sah einen vorbeijagenden Stinkefinger. Und hörte die Worte: «Ab in die Gruft - du wackliger Trottel!»

«JA LECK MICH DOCH...», schrie Arnold.

Erschienen am: 
Freitag, 27. September 2019

Von Zahnschmerzen in Meran und dem Gebiss...

Illustration Rebekka Heeb

Der Zahn pocht.

Tausend Hämmerchen klopfen ans Zahnfleisch.

Es ist der Moment, wo du denkst: Wie schön hatte es die Kembserweg-Omi: RAFFEL RAUS. ZAHNGLAS. UND RUHE.

Als Kinder haben wir immer mal wieder mit ihrem Gebiss gespielt. Oder es zwischen den Begonientöpfchen versteckt. Die Omi schnalzte dann wütend mit der Zunge. Oben und unten der dünnen Lippen zeigten sich nadelfeine Fältchen. Das Mäulchen war ein gesunken, wie ein Soufflé, das in die Kälte kam.

Erschienen am: 
Dienstag, 24. September 2019

Milly sass am Fenster

Sie schaute zum Kranführer mit der roten Schildmütze. «Ein Spanier», dachte sie. Und winkte ihm zu. Manchmal träumte sie von ihm - einen heissen, spanischen Traum: Sie sass im Kran auf seinem Schoss.

Und er flüsterte ihr «te quiero mas que mi vida» ins Ohr.

Schweissgebadet wachte sie jeweils aus dem Traum auf. Sie war nicht schwindelfrei. Und die Krankabine drei Münstertürme hoch über der Erde.

Erschienen am: 
Freitag, 20. September 2019

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