Vom Besuch im Bundeshaus und von grauem Stein

Illustration Rebekka Heeb

Das Bundeshaus hat mich nie heiss gemacht. Einfach nicht.

Wenn jemand mit Sissi und Schneewittchen gross geworden ist, hatten Herrscher­häuser anders auszusehen:

MEHR GOLD.

MEHR TÜRMCHEN.

MEHR GLANZ.

Als Politiker und Gewerkschafter hatte mein Vater allerlei Beziehungen zum Bundeshaus. Er schleppte alles und jeden hin. Es gibt kaum einen Bergbauern in Adelboden, der mir heute nicht mit geröteten Augen die feuchten Hände entgegenstreckt: «Dyn Ättel hett mi denn no is Bundeshuus brocht…»

Erschienen am: 
Dienstag, 24. März 2015

iPhone-Problems

Lilly schaute etwas ratlos auf ihr iPhone.

Steve hatte ihr eines auf den 60. Geburtstag geschenkt: «Zeit, dass du mit der modernen Technik zurande kommst, Omi!» – Sie zuckte beim Wort «Omi» noch immer zusammen.

Bei «moderner Technik» zuckte sie noch mehr.

DIE ZEIT JAGTE ZU SCHNELL.

Sie erfanden irgendwelche Ströme, wo man Geschriebenes auf Wolken schicken konnte. Aber sie hatten noch immer keine Lösung, wie man ein Döschen Sardellen problemlos öffnen konnte.

VERRÜCKTE WELT.

Erschienen am: 
Montag, 23. März 2015

Vom Café Kranzler damals und von Berlin heute

Illustration Rebekka Heeb

Berlin war ja nun wirklich nie meine Stadt.

Als ich 20 Lenze war, hat mir Fred Spillmann die Hucke vollgesabbert, dass Berlin seine beste Zeit gewesen sei: «Du kannst dir ja gar nicht vorstellen …»

Basels blühendste Drag-queen klapperte mit den ­Wimpern. Sie drehte an ihren Klunkern. Und ­streichelte die wuchtige Schlüsselkette am Hals. An der Kette hing ein tellergrosser goldener Affe mit einem fingergrossen Penis. An diesem Stück fädelte Fred seine Schlüssel auf.

ES WAREN VIELE SCHLÜSSEL.

Erschienen am: 
Dienstag, 17. März 2015

Air Fresh

Sie mochte die neue Technik nicht.

ABER GAR NICHT!

O.k. Es war schön, nur aufs Knöpfchen drücken zu können. Und nicht an den Arsch frieren zu müssen.

In früheren Zeiten ist es mindestens drei Mal monatlich passiert, dass sie frühmorgens mit ­eisigen Zehen vor dem erloschenen Ofen stand. Das Öl war ausgegangen! Also runter in den ­Keller. Und eine Kanne in die Wohnung hochschleppen.

Erschienen am: 
Montag, 16. März 2015

Von Luxus und dem Himmel auf Erden

Illustration Rebekka Heeb

Augusta wollte Luxus.

Nein. Stimmt nicht.

Die Schuld liegt bei m i r. Ich wollte Augusta mal im Luxus baden lassen.

Augusta badet sonst nicht. Das heisst: Sie hat nur einen Waschtrog. Dort putzt sie sich die Zähne. Ihre rundlichen Pfunde. Und auch meine Wäsche.

Will Augusta es mal richtig feudal haben, besucht sie ihre Freundin Giuseppina. Die ist Köchin bei einem römischen Pfarrherrn. Wenn das Pfäffchen in seiner Kirche betend die Runden dreht, füllen die beiden Freundinnen dessen Wanne voll.

Erschienen am: 
Dienstag, 10. März 2015

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