Negroni sbagliato und ungemachte Hotelbetten

Illustration: Rebekka Heeb

Die Hotelhalle war lärmig. Und voll. ÜBERVOLL. Ernestine hatte mir den klosterähnlichen Kasten empfohlen: «Du bist nur ein Taschentuch breit von da Vincis ‹Abendmahl› entfernt. Und das Frühstücksbuffet bietet auch handwarme Früchtekuchen…»

Eigentlich kann ich mich immer auf Stinchens Tipps verlassen. Als sie sich mit 27 Jahren von ihrem dritten Mann scheiden liess (und wie schon bei den Vorgängern ganz zünftig abkassierte), meinte sie: «Also das mit den Männern habe ich jetzt gesehen – aber die Welt noch nicht…»

Erschienen am: 
Dienstag, 28. April 2015

Computerpannen

Die Frau blieb vor dem Auto stehen.

Sie trug etwas in den Händen, das wie ein klobiges iPhone aussah.

Anne hasste Computertechnik. Sie war noch das einfach gestrickte Dummi von gestern.

Früher hatten die Serviertöchter in den Beizen einen kleinen Notizblock gezückt. Und die Bestellungen aufgeschrieben: «Ein Mineral, zweimal Menü 3».

Heute wurden die Wünsche mühsam mit Stift­nadel in einen Kleincomputer eingetickert.

Erschienen am: 
Montag, 27. April 2015

Michael Goldberg: «Ich brauche Zeit, um heimkommen zu können»

Wir treffen uns zum Apéro im «Adlon».

Longdrinks. Auf exotischer Fruchtbasis.

Dazu Knabbernüsschen.

Ich hoovere die Schale alleine rein.

Michi Goldberg ist vernünftig: «Ein Schauspieler muss auf seine Gesundheit achten. Und auf seinen Körper. Es ist sein Material. Und sein Kapital…»

O. k. – das zweite Erdnussschälchen lasse ich stehen.

Erschienen am: 
Dienstag, 21. April 2015

Vollrasur

Die Zeit warf dunkle Schatten auf ihn.

Fritz betrachtete sich im Badezimmerspiegel. Und was er sah, liess ihn erschaudern: eine Frybourger Weidenkuh in Männergestalt.

«BIIIIEEENE!» – das war Alarmstufe eins. Sonst rief er sie «Bienchen». Aber jetzt «BIIIEEENE!».

Sie surrte sofort herbei.

Erschienen am: 
Montag, 20. April 2015

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