Vom Schottenrock und der Anmache an einer Bar

Illustration: Rebekka Heeb

Er stierte mich an.

Und seine (genetisch vererbte) stark ausgeprägte Kinnlade rutschte nach unten.

Es lag weniger an mir. Als am Schottenrock. Oder dem, was vom Schottenrock übrig geblieben war.

Viele Jahrzehnte später habe ich mich immer wieder gefragt: Wie konnte ein leicht verklemmter Anwalt aus gutem Haus so etwas Verkifftes auf einem Barhocker ansprechen?!

FRAGEZEICHEN. FRAGEZEICHEN.

Erschienen am: 
Dienstag, 26. Mai 2015

Hundeleben

Wulf gähnte.

«HUNDELEBEN!» – knurrte er dann.

Arne gab ihm einen leichten Kick. Ein knurrendes Tier war schlecht fürs Geschäft.

«Sei still, Hund!», knurrte er. UND WUSSTE NICHT, DASS DIE TROTTOIRMISCHUNG ZU ­SEINEN FÜSSEN WULF HIESS.

Der Hund hatte sich den Namen selber gegeben. Ein bisschen Hundewürde musste sein – und Wulf war ein Hund mit Charakter.

Seine Mutter war eine Pudeldame gewesen. Echte Lady. Mit zweimal Friseur im Monat. Dazu alter Adel: Lona von Kaiserberg.

Erschienen am: 
Montag, 18. Mai 2015

Von Mamsell Gruber und der Wiener Kaffee-Art

Illustration: Rebekka Heeb

Die kleine Frau bei «Demel» fällt auf. Wie eine Tortenschachtel im Leichenhaus. Oder ein ­blühender Kirschbaum in der Wüste. Ihr Kopf trägt ein ­grünes Hütchen. Darauf ­zittern ein Dutzend Federn in Regenbogenfarben. Die Vögel allerdings scheinen ausgeflogen zu sein.

DOCH DA SIND KIRSCHEN. VIELE KIRSCHEN. SCHWARZ WIE TEER. Immer wenn die dünnen Finger mit den blutroten Fingernägeln die Tasse zur Lippe führen, wackeln die Kirschen, als würde ein heftiger Wind durchs Hütchen ziehen.

Erschienen am: 
Dienstag, 12. Mai 2015

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