Mimpfeli

Die Mimpfeli erscheinen immer am Dienstag im Kulturmagazin der BaZ.

Freitag - Als Hannchen die drei Falten unter dem rechten Auge zum ersten Mal sah, fiel sie in eine Depression.

22.11.2005

Montag - Wenn Dany von Wattenwyl anruft, ist das Freude pur. Ich meine: der Mann sieht doch aus wie die Reinkarnation des küssenden Prinzen, der Schneewittchen das tödliche Apfelbützgi raushusten liess. UND SO ETWAS MIR.

15.11.2005

Montag - Als Innocent die Badekacheln aussuchte, wusste ich: das bringt nur Bruch und Leid.

SO IST ES.

Er wählte die Farbe von frisch geschneitem Schnee und eine Oberfläche, so glatt wie ein kleiner Aal, der dem Fischer immer durch die Finger glubscht.

08.11.2005

Samstag - Und das sollen Ferien sein? STRESS ISTS. STRESSISSIMO.

01.11.2005

Dienstag - Wenn die Möwen über der Mülldeponie aufkreischen, so tönt dies, als würden alte Weiber dem Sommer nachweinen. Und rotkäppchenrot begrüssen die Granatäpfel am Baum die ersten Herbsttage auf der Insel.

25.10.2005

Als der Trauerzug sich in der schmalen, dunklen Gasse, die dem heiligen Erasmus gewidmet ist und deshalb auch Vico San Ersamo heisst, als die schwarz gekleideten Menschen sich hier also gruppierten, als die alten Weiber des Hafenortes stumm, aber mit vorwurfsvollen Blicken, die mehr aussagten als

18.10.2005

Samstag - Onkel Nudelstadt fiepst ins Telefon. Seine Töne verwischen sich irgendwo im Äther. Oder wir werden von Putins Geheimriege abgehört. Jedenfalls sind seine Sätze wie diese zerrissenen Nebelfetzen, die morgens durch den jungen Herbsttag ziehen: «...

11.10.2005

Donnerstag - Der Schmerz kam mit der Sensibilität einer Kreissäge.

04.10.2005

Donnerstag - «... und weshalb ist diese Braut nicht weiss?», zündete Graziella spitz, als sie die Hochzeitsgesellschaft übers Kürbisfeld stolpern sah. «Ist Keuschheit ein alter Hut? NIEMAND RESPEKTIERT HEUTE DIE UNANGETASTETE JUNGFRÄULICHKEIT!

27.09.2005

Donnerstag - NEIN. Es herrschte kein Jubel, als wir auf der Insel ankamen. Fast schon ganz im Gegenteil. Irgendwie hat man hier stets den Eindruck, im eigenen Haus ein ungebetener Gast zu sein.

20.09.2005

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