Adventsgespräch

Innocent schnorchelt meine Anisbrote rein wie die Sau die Suppe.
DA VERGEHT DIR DIE LUST AUF EINEN SCHÖNEN ERST-ADVENT-KAFFEEPLAUSCH SO HURTIG WIE DIE FREUDE AN EINEM MONDFLUG, WENN DAS TRINKWASSER AUS SCHWEISS UND URIN GEWONNEN WIRD!
Was ich aber sagen wollte: Da knetet man sich stundenlang über den Tisch. Sticht Möndchen (weil einer ja immer in den Mond guckt), Fische (als Symbol des Glaubens) und Herzchen (DIE LIEBE!) aus. DANN AB IN DEN OFEN. Und jetzt alles schön aufs Tellerchen geschichtet.

Erschienen am: 
Montag, 1. Dezember 2008

Adventbaum

Alem schaute die Alte, die sich auf den Rollator stützte, tadelnd an: «Ist Wind hier... nix gut für Frau... sonst tot.» Rosa grinste. Ihr schrumpeliger, zahnloser Mund sah aus wie eine Dörrpflaume:
«... in meinem Alter ist der Tod ein lieber Freund, Alem. Und im Übrigen ist hier mehr los als in der Memory­-Gruppe.» Rosa hasste diese Spiele mit den Karten.

Erschienen am: 
Montag, 10. Dezember 2012

Abstellgleis

Die Leute schauten weg.
Die einen genierten sich für den keuchenden, sturzbesoffenen Alten.
Die andern interessierte er nicht.
Alle blickten gebannt auf Laptops oder iPhones.
Einige hatten die Ohren mit Knöpfchen zugedrückt? fingerbeerengrosser Kunststoff, aus dem man Musik wimmern hörte.
Obwohl der Zug gerammelt voll war, blieben die Plätze rund um den Alten leer.

Erschienen am: 
Montag, 2. April 2012

39,9 - dinne!

KLAPPE. Sven Epiney schüttelte missbilligend den Kopf: «Das ist bereits das vierte Mal, dass du mir mittendrin einpennst!» Da wusste ich: Klappe. Schnitt. Und aus mit Fasnacht 05, bevor sie überhaupt angefangen hat. Das mit Sven war am Freitag. Mittag. Das Schweizer Fernsehen drehte für seinen «Fensterplatz». Frühmorgens schon hatte sich ein leises Brummen im Schädel gemeldet. «Alcacyl!», predigte Vater sein Allerweltsrezept. «Alcacyl und heisser Zitronensaft!»

Erschienen am: 
Donnerstag, 17. Februar 2005

149 Freunde

Gestern hatte ich 149 Freunde. Vier waren neu. Die Freunde haben wieder Freunde. Und die könnte ich eventuell noch zu den 149 dazugewinnen.
Ich brauche nur einen Knopfdruck zu starten: WILLST DU MEIN(E) FREUND(IN) WERDEN?
Die Freundschaft findet auf meinem Computerschirm statt. Ich weiss nicht, wer das Gefäss FACEBOOK erfunden hat. Aber es muss ein Menschenfreund gewesen sein.
Seit er die virtuelle Freundschaft ins Leben gerufen hat, ist die Menschheit untereinander ein Freude-Eierkuchen.
UND DAS IST SCHÖN SO.

Erschienen am: 
Montag, 17. Mai 2010

1:0 für die Sauce

SCHLUSSPFIFF!
Na endlich. HALLELUJA. Da bin ich mir aber selber in die Arme gesunken. Und habe Freudenlieder geschmettert.
Nein.
Eine Euro ist nun mal nichts für das schönste Kind meiner Mutter.

Erschienen am: 
Montag, 30. Juni 2008

«Was is Daig?»

Heinrich drückte den Klingelknopf.
Er drückte ihn schon zum fünften Mal.
«Ist das hier eigentlich ein Wartesaal», krächzte er nun über den weiss gedeckten Mittagstisch.
Es hatte Suppenfleisch gegeben. Es gab an einem Montag stets Suppenfleisch. Der Arzt hatte ihm zwar solches verboten. Doch Heinrich liess das Verbot mit einem höhnischen Auflachen platzen:
«Ich esse das jetzt seit 95 Jahren, Sie Windelkacker! Es hat mich noch nicht umgebracht.»
Endlich kam Samir.

Erschienen am: 
Montag, 11. Juni 2012

Von der Provinz und einem Krokodil als Tasche

Manchmal muss sich der ­Normalbürger doch fragen: JA HATS DENEN JETZT WIRKLICH AUF DIE EIER GESCHNEIT?
Mit «denen» sind die Medien gemeint. Oder eben: diejenigen, die Schlagzeilen machen.
Also, da jettet eine dunkel­häutige Talkmasterin nach Zürich. Sie ist von Tina eingeladen. Denn Tina ­feiert Hochzeit.
Am Tag danach, während Tina noch wochenflittert, will sich die Talk-Lady ihren Kater mit einer geilen Shoppingtour vertreiben.

Erschienen am: 
Dienstag, 3. September 2013

Basler Kääs-Schnitte

Käseschnitten sind nicht nur ein Winter-Gericht. Zusammen mit Salaten geben sie ein köstliches Nachtessen ab. Überdies kann man eine Käseschnitte in kleine Vierecklein schneiden und mit einem Stick als Apéro-Häppchen servieren.

Käseschnitten existieren auf verschiedenste Arten. Zu unserer Kinderzeit gab es sie einfach natür. Zu Kopfsalat. Und fertig. Mutter hatte jeweils ein ganzes Backblech davon, weil die Sache nicht sehr teuer, aber bei der Familie äusserst beliebt war.

Seiten