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Freddy Burger: «Ich bin der Freddy aus Schwamendingen»

Beim Zürcher Bahnhof stehen die Taxis Schlange.

Ich hüpfe ins erste.

Der Taxichauffeur ist nett. Aber neu.

Er kennt Ankara. Aber nicht den «Hitzigweg 15».

«Wir finden das», strahlt er.

Natürlich findet er es nicht.

ANRUF BEI DER ZENTRALE: «WO SEIN SONNENBERG?!»

Man hört männliches Genuschel.

Dann schaut der freundliche Türke erschrocken. «Mann an Zentrale sagen, sei fast in Himmel…»

Erschienen am: 
Samstag, 12. Mai 2018

Vrone Burckhardt - Wenn die Zeit eine Atemlänge stehen bleibt

Für einen Moment scheint die Welt im Lokal stillzustehen.

Das Tellergeklapper der weissbekittelten Kellner erstarrt.

Die Gespräche an den Tischen verstummen.

Man hört nur ein leises Klirren der Murano-Zapfen an den zwei grossen Lüstern.

«La Grande Dame de Bâle» hat ihren Auftritt: ein bisschen ist es Dürrenmatts alte Dame bei der Ankunft in Güllen, ein bisschen Kaiserin «Elisabeth» («die habe ich im Schultheater gespielt!»).

Aber immer füllt sie den Raum – wie hier die Stube bei «Donati».

Erschienen am: 
Samstag, 21. April 2018

Roger Diener: «Die Stadt ist ein grandioses Kunstwerk»

Er hat sich das «Donati» gewünscht.

«Einen Tisch, wo wir ungestört sind. Ich bin nicht unbedingt der Beizen-Typ.»

Nun sitze ich vor den leeren Tellern. Und warte. Dabei gehe ich nochmals die verschiedenen Recherchen durch. Er ist Preisträger. Viele Male wurden seine Bauten ausgezeichnet. 2011 erhielt er die Heinrich-Tessenow-Medaille. Na ja, das ist so etwas wie ein Oscar in der Architektur.

Erschienen am: 
Samstag, 24. März 2018

Martin Suter: «Ich suche Geschichten. Überall»

Martin Suter 2014 (Foto: Wikipedia CC0 1.0)

Der Chef de Service hockt im dunklen Anzug hinter dem Pult. Er ist der Wachhund der heiligen Hallen. Mit scharfem Blick kontrolliert er, wer da alles reinkommt.

VOR ALLEM: WER REINDARF!

«Herr Suter wartet an seinem Tisch…», sagt er nun.

Es ist ein klares Zeichen des Erfolgs: Denn wer hat schon seinen eigenen Tisch in der Zürcher Kronenhalle?

Martin Suter schon.

Er ist der meistgelesene Schweizer Schriftsteller – seis bei uns. Seis im Ausland.

Erschienen am: 
Samstag, 24. Februar 2018

Pia Fischer: «Hier lebe ich. Hier arbeite ich. Hier bin ich»

Stoff-Magierin Pia Fischer

«Eisenacherstrasse?» – der Taxifahrer ist etwas ratlos: «WO ISS?»

Das zumindest unterscheidet Berlin nicht von Basel.

«BERLIN-SCHÖNEBERG», sage ich.

20 Minuten später kurven wir durch ein Quartier, das eher grau als bunt ist: Bauten aus den Gründerjahren. MANCHMAL ETWAS AUFGERÜSCHTER JUGENDSTIL.

Und immer wieder Fassaden, die einmal schön waren. Und ziemlich schlampig umgebaut wurden.

NA JA – SO ÄHNLICH WIE BEI UNS AUCH.

Erschienen am: 
Montag, 5. Februar 2018

Hans Pieren: «Der Schnee ist ein perfides Element»

Hans Pieren

Die Nasenflügel beben.

Die kleinen Augen blinzeln.

Dann schnuppert die Nase wieder die Luft.

Schliesslich nickt Hans Pieren:

«Es schmeckt nach Schnee… viel Schnee…»

HANS PIEREN IST DER SCHWEIZER PISTENFLÜSTERER.

Er kennt jede Schneeflocke, die kommt. Weiss, wie sie beschaffen ist. Wie man sie hält. Für die Piste bearbeitet. Oder auch aus dem Hang wegfegt.

Erschienen am: 
Samstag, 6. Januar 2018

Paul «Pöili» Burkhalter: «Man muss die guten Stunden nur erkennen»

Paul Burkhalter, Hansdampf. Foto zVg

Sein Talk im Atlantis hat Geschichte gemacht – die Runde bleibt Legende: Theatermann Werner Düggelin, Couturier und Enfant terrible Fred Spillmann sowie die grosse Basler EDEL-Hure Elke.

Paul Burkhalter hat das Gefäss der Talkshow damals aus München in die Schweiz gebracht – als junger Fernsehmoderator. Und als Medienmann, der viele Jahre später noch eine neue Karriere als Theaterdirektor starten sollte.

Erschienen am: 
Donnerstag, 30. November 2017

Andreas Beck: «Basel ist für mich kein Zwischenstopp»

Photo: www.theater-basel.ch ©Simon Hallström

Er will in die «Mägd».

MÄGD?

Weshalb?

«Ich mag die Küche hier – kleine Karte. Aber alles stets perfekt. Und der Ort liegt für mich bequem. Da schlendere ich nur über die Brücke und...»

Er – ein Kleinbasler. Andreas Beck hat seine Zelte «ääne am Rhy» (wie die Eingeborenen hier sagen) aufgeschlagen. Doch davon später.

Ich sitze in dem idyllischen Garten. Blättere meine Recherchen durch – es sind Notizen über eine Bilderbuchkarriere.

Erschienen am: 
Freitag, 15. September 2017

Annetta Grisard: «Die Medaille hat immer zwei Seiten…»

Wie immer – ich bin zu früh.

So bleibt Zeit, mich auf den Gast einzustimmen. Heute ist es Annetta. Annetta Grisard. Wir treffen uns in der Basler «Kunsthalle».

Annetta? – Schön. Nein, eine sehr schöne Frau. Das sagen alle. Und selbst die frauliche Neidwelt muss es sich seufzend eingestehen.

Dann: klug. Maturität. Typus B. Später Schule in Cambridge. Und noch später: Richterin am Basler Zivilgericht. Und: Trustee an der Tufts University in Medford, einem Vorort von Boston.

Erschienen am: 
Montag, 10. Juli 2017

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