Mimpfeli

Von Wanderern, Bikern und verschwundenen Idyllen

Illustration: Rebekka Heeb

«Schon wieder drei Nuggelflaschen in den Rosen!» Innocent tobt. Wenn er tobt, überfällt sein Gesicht eine gesunde, rote Farbe. Man könnte meinen, eine Stop-Ampel sei am Dampfen. Das mit den Nuggelflaschen bringt sein Adrenalin zum Tanzen. Rund ums Chalet und auch auf dem Land unseres Nachbarbauern Pieren hat er Plakate in die heutige Erde gerammt: «Hier ist keine Schutthalde».

Erschienen am: 
Dienstag, 11. August 2020

Von den verschiedenen Formen des Rassismus

Illustration: Rebekka Heeb

«Deine Mutter ist rassistisch Weib!» - Linda tobte. Carlotta hatte es gewagt, meiner Haushälterin klarzumachen, dass es vielleicht nicht die richtige Art sei, abgefallene Zigarettenasche mit dem Absatz im Spannteppich zu entsorgen. «Sie ist eine Dreckschleuder, die nur rummeckert und alles an armes schwarzes Frau auslässt.»

Das war eine falsche Optik. Meiner Mutter waren Hautfarben genauso egal wie die sexuellen Ausrichtungen ihrer nahen Umgebung oder der Suezkanal.

Erschienen am: 
Dienstag, 28. Juli 2020

Vom Kurztrip nach Italien und Frühstücksbuffet à distance

Illustration: Rebekka Heeb

«Der Wagen bringt 500 Franken - der muss her!» TYPISCH INNOCENT! Es ist ihm langweilig. Also telefoniert er mit Pascal. Letzterer ist Autohändler. Hockt im HHO. Das bedeutet Halb-Home-Office. Und keiner weiss, was das ist. Also - da Pascal nichts zu verkaufen hat («weil diese Armleuchter nicht liefern können - wir haben keine Autos mehr!») und Innocents Wäsche noch im Schleudergang steckt, plaudern sie drauflos.

Erschienen am: 
Dienstag, 21. Juli 2020

Von ägyptischem Parfüm und den geheimnisvollen Päckchen

Illustration: Rebekka Heeb

Die Wohnung ist stickig. Die Luft kannst du durch schneiden. Sie ist wie warmer Pudding. Vor der Tür liegen sechs Stapel mit Post. Und ein Geburtstagspäckchen - gefüllt mit diesen Unaussprechlichen, deren Inhalt aus weissem Ei-Schaum und Zucker besteht.

Die Unaussprechlichen sind in der Hitze explodiert - so wie die Diskussion um sie.

Erschienen am: 
Dienstag, 7. Juli 2020

Von dem Lächeln in den Krankenhäusern und Vanille-Eis

Illustration: Rebekka Heeb

Nein. Spitäler sind jetzt nicht unbedingt mein Halleluja. Klar. Keiner mag Spitalbesuche. Ich muss präzisieren, dass meine Erfahrungen in den Spitälern immer super waren. Ich glaube, dem Patienten geht es stets besser als seinen Besuchern: Er wird rundum «gebibääbelet». Der Besucher aber steht ratlos am Krankenbett. Weiss nichts zu sagen. Und ärgert sich über den mitgebrachten Blumenstrauss. Drei stehen nämlich schon auf dem kleinen Tischchen herum.

Erschienen am: 
Dienstag, 30. Juni 2020

Von einstigen Telefonistinnen und heutigen Influencerinnen

Illustration: Rebekka Heeb

Eva rief an. Eva ruft immer an. Sie war Telefonistin. Ein langes Leben lang. Doch seit sie pensioniert ist, hängt sie nur noch am Telefon. Jetzt privat! Also ich hätte mir meine Pensionierung da anders vorgestellt - weg von jedem Telefonhörer. Rentenjahre auf einer einsamen Insel ohne Empfang. Aber nein - heute ist sie telefonisch aktiv: «Hallöchen - wollte nur mal wissen, wie es dir so geht!»

NETT GEMEINT. ABER UNNÖTIG. MIR GEHTS IMMER MIES. SONST WILL JEDER SOFORT ETWAS.

Erschienen am: 
Dienstag, 23. Juni 2020

Von bitterer Schokolade und Elefantenträumen

Illustration: Rebekka Heeb

Also Geburtstage sind ja immer etwas ganz Individuelles. Ich schneide das Thema nur an, weil heute MEINER ist. Da wollen wir jetzt aber gar keine grosse Sache daraus machen. Es reicht, wenn ihr über meine IBAN-Nummer an mich denkt oder ein kleines Plätzchen in eurem Testament für den Jubilar einräumt. Und wenn ihr unbedingt Schokolade schicken wollt, dann bitte nur solche, die rundum dick macht. Und frankiert das Päckli richtig!

Erschienen am: 
Dienstag, 16. Juni 2020

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