Mimpfeli

Vom Trottinett in einer besseren Welt…

Illustration: Rebekka Heeb

Kürzlich bin ich unter ein Trottinett gekommen.

Autos sind nicht mehr gefährlich, seit jeder Rollator sie überholen kann. Die Obrigkeit hat sie an die Leine genommen. Und ein Mercedes-Fahrer führt seinen Schlitten nur noch Gassi.

DOCH MIT RUHE IST NIX!

Denn man lässt nun die Velofahrer auf die Welt los. Schlimmer: auf die Trottoirs, diese bis anhin geschützte Zone des Spaziergängers.

ZOFF VORPROGRAMMIERT.

Innocent ist unbarmherzig.

Erschienen am: 
Dienstag, 19. März 2019

Von Gwendolynern und der Flucht auf die Rigi

Illustration: Rebekka Heeb

Innocent schliesst den Koffer: «Ich bin dann mal weg!»

Ja klar.

Ist er immer, wenn das Fasnachtsfieber flimmert. Er kanns nicht damit. Fasnacht ist ihm ein Gräuel.

Als kleiner Bub hat er seine liebe Mutter bestürmt, er möchte gerne als Alti Dante an die Kinderfasnacht.

Die Mutter: «Das ist nur etwas für den Plebs!»

Der Vater: «Das Mommeli will damit sagen: Eine alte Tante wirst du schneller, als du glaubst!»

DER ALTE WAR EIN GESCHEITER MANN!

Erschienen am: 
Dienstag, 5. März 2019

Von Ballfreuden und der Tortenhuberin

Illustration: Rebekka Heeb

«JA KUMMENS NUR AUFFI…»

Das alte Männchen guckt unter einem Rock hervor. Der Rock ist noch ungebügelter als das Männchen.

Der Frack-Franzl hat in seinem riesigen Etablissement Hunderte von Frauenröcke rumhängen. Alle am Bügel.

Und alle mit einem Plastiksack bestückt. Darin sind nämlich die passenden Schuhe.

JEDER HAT GRÖSSE 40.

«…wenn d Schuueh zu gross und d Fiess zu klaan saan, hommer Eileeg-Sohlen dozu. So possts immer!»

UND WAS IST, WENN EINE ÜBER 40 HAT?

Erschienen am: 
Dienstag, 26. Februar 2019

Von einer neuen Wohnung und der Ballsaison in Wien

Illustration: Rebekka Heeb

Jana ist eine schräge Trompete.

Irgend so ein Zapfen aus Böhmen im Spiel – Ungarn, Tschechien. Oder so.

ICH HABS NOCH NICHT GANZ RAUSGESCHÄLT, WO IHRE WIEGE STAND.

Aber sicher nicht an einem stillen Ort.

Denn Jana ist mehr schrill als still. Ihre Stimme heult wie eine dauerkreischende Holzsäge.

Jana ist meine neue Wiener Vermieterin.

Erschienen am: 
Dienstag, 19. Februar 2019

Vom Frühtod der Maschinen und dem Waschtag

Illustration: Rebekka Heeb

Annick poltert aus dem Lift. Mit dem Fuss schiebt sie einen Plastikkorb mit Dreckwäsche in den Gang: «Rien ne va plus!».

Annick hätte Croupier werden sollen!

Immer wieder löchert sie uns mit ihrem «Rien ne va plus!».

Sie schaut uns dabei so anklagend an, wie der kleine Spatz heute morgen, als er sehen musste, dass das Futterhäuschen leergefressen war.

TATSÄCHLICH GEHT BEI UNS GAR NICHTS MEHR!

Vor einem Monat hat der Mixer das Zeitliche gesegnet. Es war ein unschöner Tod.

Für ihn.

Erschienen am: 
Dienstag, 12. Februar 2019

Vom alten Mantel und der neuen Sprache Napoleons

Illustration: Rebekka Heeb

«Wo ist mein Mantel?»

Er nervt. Er besitzt acht verschiedene Mäntel.

Einige sind noch aus der Gründerzeit. Aber: «Die tuns immer noch!»

Ich habe ihm vor drei Jahren auf Weihnachten einen wunderbaren Kamelhaar-Mantel geschenkt.

Ok – Ihr Grünnasen, ich weiss, dass doppelhöckerige Tiere geschützt sind. Aber für Innocent ist mir alles recht – auch ein rasiertes Kamel!

A B E R: DER MANTEL HÄNGT NOCH AM BÜGEL. UND DAS PREISETIKETT DARAN IST UNVERSEHRT!

«Du könntest doch einmal den Neuen tragen!»

Erschienen am: 
Dienstag, 5. Februar 2019

Von Zahnarzt-Phobien und dem süssen Trost

Illustration: Rebekka Heeb

«Das ist bereits das dritte Mal!» Die Stimme am Telefon tönt leicht angekratzt. Und Frau Berger stinkig. «…beim ersten Mal wars eine Grippe. Dann starb ihre liebe Tante. Und jetzt haben Sie einen Küchenbrand?»

Okay. Tante Gertrude liegt seit 16 Jahren in der Gruft. Über die Grippe brauchen wir nicht lange zu diskutieren. UND BEIM KÜCHENBRAND HANDELT ES SICH UM VERKOKELTE LINSEN!

Erschienen am: 
Dienstag, 29. Januar 2019

Von Snoopy im Tumbler und Chanel N° 5

Illustration: Rebekka Heeb

Ganz fest drückte ich meinen Liebsten an mich.

Sein Kopf lag unter meinem Arm. Sein Bauch auf meiner Nase.

«ER STINKT GEWALTIG!», musste Innocent die Idylle stören. «ZEIT, DASS DU IHN WIEDER MAL WÄSCHST!»

Fünf Stunden später war mein Herzblatt im Tumbler eingeklemmt. NICHTS GING MEHR.

Noch habe ich dieses schreckliche, dumpfe «BLUMM… BLUMM» in den Ohren, wenn sein dicker Bauch an die Trommel knallte. Und danach: ALARMPIEPSER!

«Innocent!»

Er kommt herbeigeeilt.

Erschienen am: 
Dienstag, 22. Januar 2019

Von Rotkäppchen und Karl Marx

Illustration: Rebekka Heeb

Märchen haben meine Kindheit verzaubert. Ich war süchtig danach. Psychologen würden behaupten, dass meine Kindheit märchenhaft war. Auch mädchenhaft.

Aber vermutlich waren die Geschichten von Prinzessinnen, die Frösche küssten und dafür einen feschen Kerl bekamen, die Flucht in eine Welt, in der mir wohler war.

Erschienen am: 
Dienstag, 15. Januar 2019

Von der lebendigen Krippe und Liesels Holz vor der Hütte

Illustration: Rebekka Heeb

«WILLST DU WIRKLICH GEHEN?»

Innocent schaut genervt von seinem Buch hoch: «Wir gehen doch immer – weshalb nicht auch dieses Jahr?»

Er negiert sein Alter.

Er negiert die Gehstöcke.

Er negiert meine Einwände.

«ES SIND IMMERHIN ÜBER 300 STUFEN. S E H R S T E I L E STUFEN, MEIN LIEBER… UND DU WACKELST BEIM GEHEN WIE EIN KAHN AUF HOHER SEE…»

In solchen Momenten hört er nichts. Er schaut einfach in sein Buch. Und: «Hast du etwas gesagt?»

Erschienen am: 
Dienstag, 8. Januar 2019

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