Mimpfeli

Von dem Bergfrühling und fast heiler Heidiwelt...

Illustration: Rebekka Heeb

Also - nichts mit Ei im Glas.

NICHTS MIT MEINER HEISSGELIEBTEN KARDINALS-SCHNITTE!

Keine Palatschinken. Kein Einspänner. Kein Schnittlauchbrot.

NEIN. ALLES IN LUFT AUF GELÖST. WIR VERGAMMELN HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN. UND DAS EI IST ÜBERALL - NUR NICHT IM GLAS.

Der liebe Gott... die Natur... das Schicksal... (suchts Euch aus!) haben zugeschlagen. Und meine Pläne wie einst Onkel Alphonse die Jasskarten neu durchgemischt: «Heee Dicker! Jetzt fangen wir mal wieder ganz von vorne an!»

Erschienen am: 
Dienstag, 31. März 2020

Von den Ess-Sitten und dem Tafelspitz...

Illustration: Rebekka Heeb

Die Torten schmecken süsser.

Die Schnitzel sind grösser.

Und die Beizenrechnungen kleiner.

VOR ALLEM: SIE SERVIEREN UNS DIESE FREUNDLICHKEIT, DIE AUCH BEI VIRUSKRISE UND NIESELREGEN DIE SONNE STRAHLEN LÄSST. A DISTANCE - ABER LIEBENSWERT.

Sorry, ich liebe die Österreicher.

Auch wenn es mir auf den Wecker geht, dass sie vor meiner Nase die Grenzen schliessen. Und auf den Skipisten meistens die Pokale abräumen.

Erschienen am: 
Dienstag, 24. März 2020

Vom unterdrückten Husten und vier Fiebermessern...

Illustration: Rebekka Heeb

Borbala schickt mir ein SMS:

«NICHT KOMMEN, BITTÄSEHR. Vorher missen von Doktär untersuchen lassen und Zaignis schicken »

(Borbala ist meine neue Wiener

Hausmeisterin - ein ungarischer Hexenbesen mit dem grellen Aschblond einer Marilyn Monroe. Nur hat Borbala die Haare auf den Zähnen).

Und Pech für Borbala - denn ich bin schon unterwegs. Und zwar in München.

Seit Fasnacht plagt mich eine miese Bronchitis.

Ich werde durchgerüttelt wie der Baum im Sturm.

Erschienen am: 
Dienstag, 17. März 2020

Von einer türkischen Kostümschneiderin und den «Spatzehirni»

Illustration: Rebekka Heeb

Azra nahm einen Schluck vom dampfenden Tee. Sie hatte ihn mit drei Löffeln Honig gesüsst.

Dann schaute sie zum Foto auf dem Buffet: ihre Eltern. Fein gerahmt. Schmal. Aber Silber. Davor: eine getrocknete Rose. Und eine flackernde Kerze.

«Ich darf nicht krank werden, Ana - die Kleider müssen fertig sein. Es ist ihr grösstes Fest!»

DIE MUTTER LÄCHELTE VERSTÄNDNISVOLL. SO WIE SIE IMMER VERSTÄNDNISVOLL GELÄCHELT HATTE. DER VATER SCHAUTE GRIMMIG - ALS MACHTE IHM WIEDER DIE MILZ ZU SCHAFFEN.

Erschienen am: 
Dienstag, 25. Februar 2020

Vom ersten Morgestraich und von Eltern, die es nicht draufhatten...

Illustration: Rebekka Heeb

Mein erster Morgestraich verbrachte ich auf dem Rücken meines Vaters.

Ich war vier. Wir standen in der Aeschenvorstadt. Ernst, der Billeteur meines Vaters, war Pfeifer bei der Lälli. Und die marschierte beim Goldenen Sternen ab.

ERNST WAR DER EINZIGE AKTIVE PFEIFER, DEN VATER KANNTE. BEIM THEMA FASNACHT WAR DER SECHSER-TRÄMLER NÄMLICH STUR WIE DIE SCHIENEN, AUF DENEN ER FUHR: «Männer in Frauenfummeln? Ja, wo gibts denn so etwas?! SICHER NICHT BEI UNS!»

Wie so oft im Leben hatte sich der Vater getäuscht.

Erschienen am: 
Dienstag, 18. Februar 2020

Von «alten Tanten» und dem falschen Knackarsch ...

Illustration: Rebekka Heeb

Reden wir von alten Tanten.

NEIN - FÜR EINMAL NICHT ÜBER DEN DICKEN SCHREIBER.

ES GEHT UM DAS ORIGINAL.

UND UM DIE URFASSUNG.

Zurzeit stehen alte Tanten in der Warteschlange.

Ihre Köpfe mit den spitzen Nasen und dem süffisanten Lächeln warten in den Ateliers abholbereit auf den Larven tischen.

Die Nähmaschinen rattern bei den Schneiderinnen auf geregt an den Allerwertesten dieser Altweiber herum. Denn der Allerwerteste ist falsch. Ein aufgebauschter Fake - grade als ob Herr Trump es genäht hätte.

Erschienen am: 
Dienstag, 11. Februar 2020

Von einem Bsfidi und der anderen Kinderbewegung...

Illustration: Rebekka Heeb

Tausende von Basler Kindern planen den Aufstand. Sie werden unter lautem Pfeifen und total vermummt durch die Strassen dieser Stadt ziehen.

DIES NICHT ETWA AM SCHULSCHWÄNZFREITAG!

Alles wird an einem ganz normalen Donnerstagabend durchgezogen - dann, wenn normale Schüler im Kinder-Yoga oder in der Nachhilfe für Frühchinesisch hocken.

Erschienen am: 
Dienstag, 4. Februar 2020

Von Bauern mit harten Köpfen und Mimosen...

Illustration: Rebekka Heeb

Gianni war dagegen.

Er hat einen Kopf hart wie eine Nuss. Und wenn ich das mal so sagen darf: Es besteht null Unterschied zwischen einem Nusskopf eines Bauern aus Adelboden. Und dem Nusskopf eines Bauern hier auf der Insel.

DER GEMEINSAME NENNER IST DER ZUBETONIERTE BETONSCHÄDEL.

Wenn ich in Adelboden einen Holunderbusch pflanzen will, schüttelt Albert, den sie «Bärti» nennen, den verrunzelten Schädel: «Das geiht ummi net!»

Erschienen am: 
Dienstag, 28. Januar 2020

Von Fasnachtskiechli in Zainen und der jungen Omama im Sterben...

Illustration: Rebekka Heeb

Meine Urgrossmutter war ein Hexenbesen. Mein Vater behauptete, man habe ihren höllischen Schwefel tausend Kilometer gegen den Wind riechen können. Sie wiederum nannte Mutters heissen Trämler-Hans nur «den Hammel».

Alles mit einem angewiderten Ton, als würde ihr jemand eine stinkende Auster anbieten. Sie begrüsste den Hammel übrigens nur in Handschuhen - WENN ÜBERHAUPT.

Muss ich mehr über das Verhältnis der beiden sagen?

Muss ich nicht.

Erschienen am: 
Dienstag, 21. Januar 2020

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