Mimpfeli

Vom toten Onkel Sepp und dem Hochmut...

Illustration: Rebekka Heeb

Er hatte sich die Pulsadern mit seinem Rasiermesser aufgeschnitten. Und welcher Bub verzichtet schon auf eine Horrorgeschichte, wenn sie ihm live vor die Kniesocken fällt.

«Du nimmst das Kind nicht mit, Hans!» - das war die Mutter. «Der Bub muss früh lernen, was das Leben bringt nämlich auch den Tod, Lotti!» - «NUR ÜBER MEINE LEICHE!», stellte sich Mutter vor ihren Alten. «Dann wären es ja bereits zwei », grinste der.

Erschienen am: 
Montag, 9. Mai 2022

Vom Einrichten, Häusern und den Träumen...

Illustration: Rebekka Heeb

Meine frühste Bubenerinnerung ist eine Zweizimmerwohnung an der Colmarerstrasse. Ich pennte in der Stube auf der Couch. Das Zimmer ging auf die Kreuzung zur Allschwilerstrasse. Und der ewige Verkehrsradau vom bimmelnden 6er-Tram, hustenden Velosolex und stöhnenden Autos brachte den Vorteil, dass man mir auch heute noch in einem Hotel das lauteste Zimmer auf die Hauptstrasse anbieten kann.

Ich verlange Prozente. Schlafe dennoch. Die Kindheit hat es gebracht.

Erschienen am: 
Montag, 25. April 2022

Von Patisserie und umweltfreundlicher Entsorgung

Illustration: Rebekka Heeb

Unsre Kindheit war süss. ABER HUNDERT PRO! Und zwar: p r o Zucker. Den künstlichen Süssstoff hatte man im Krieg zurückgelassen.

Nach einer Zeit, in der die Erdbeerkonfitüre geschmacklich auch als Wagenschmiere durchgegangen wäre, wurde das Leben endlich wieder süss wie ein Heiligenbildchen. Die Frauen in unserer Familie zuckerten wild drauflos. Leider ist das Kind dann in jenem Zucker kleben geblieben.

Bis heute.

Erschienen am: 
Montag, 4. April 2022

Von Postpaketen und 164 gusseisernen Brätern...

Illustration: Rebekka Heeb

Das Mail der Paketzustellung machte mich stinkig. Aber bitte - lest selber: «Wir bitten Sie, den Betrag über 1.98 Franken per Creditcard zu überweisen, damit die Sendung ausgeführt werden kann...»

Gehts noch! 1.98 Franken! Wo sind wir denn? - Im kleinkarierten Gnomien? Oder beim Finanzdepartement?

Innocent schüttelt den Kopf: «Zzzz - das kommt davon, wenn einer alles übers Internet bestellt...»

Erschienen am: 
Montag, 21. März 2022

Kater Odermatt liebt Fasnachtsmusik

Illustration: Rebekka Heeb

Odermatt ist wunderbar. ICH HABE MICH SOFORT IN IHN VERLIEBT: Gross. Mit Schenkeln, die zupacken können. Und mit diesem Charme, dass sich die Frauen vor ihm auf den Rücken legen. Sie stossen dann diese heiseren Schreie aus, neben denen eine Pornoqueen ein Lüftchen ist.

Odermatt ist kastriert. Dennoch: Er päckelt jede und alles. Wenn das Geschrei gegen Mitternacht unerträglich wird, muss ich mit dem Wasserwerfer aufmarschieren. Ähnlich wie die Polypen bei den Impfgegnern. Doch wie gesagt: Odermatt hat keine Treicheln mehr.

Erschienen am: 
Montag, 21. Februar 2022

Vom Operetten-Singen und der Lebensfreude...

Illustration: Rebekka Heeb

Er singt. Früher hat er nie gesungen. Ausser, wenn ihm etwas auf die Eier ging. Das waren dann aber die schrillgiftigen Töne. Jetzt: alle fünf Minuten die gemütliche Arie des «Schweinderl»-Züchters aus dem Zigeunerbaron.

Er singt nicht nur, wenn er throntechnisch muss (ihr kapiert schon und wollt es nicht näher ausgeführt haben). Er trällert auch im Bett. Beim Blumengiessen. Und natürlich unter der Dusche.

Erschienen am: 
Montag, 7. Februar 2022

Von «Gstältli», Hüftgürteln und Strapsen

Illustration: Rebekka Heeb

Als Kind trug ich so etwas wie Strapse. ES WAR HORROR! Die Kembserweg-Omi nadelte mir Strümpfe auf Teufel komm raus. Sie strickte mit einer Wolle, die kratzte. Man hätte mit der Wolle auch rohes Holz polieren können. ABER HIER WAREN ES MEINE BEINE! Sie nannte es «Gstältli». An einem ausgeleierten Gummigürtel lampten Schnallen wie die Häute von ausgelutschten Weisswürstchen runter. Mit Perlmuttknöpfen wurden die gräulich grauen Wolldinger am Hüftgürtel festgeknüpft.

Erschienen am: 
Montag, 24. Januar 2022

Von der Food-Blenderin und den Eiern des Papstes...

Illustration: Rebekka Heeb

Meine Mutter war das, was man eine «nicht unbedingt begnadete Köchin» nannte. Es waren die Worte meines Vaters. «Lotty hat andere Qualitäten» - ergänzte er sein Statement augenzwinkernd. Aber der nackte Fakt: SIE KOCHTE UNTER JEDER SAU!

Andrerseits: «Habt ihr schon bei Lotty gegessen? - Göttlich! Einmalig! So etwas musst du weit suchen...» MUSSTE MAN!

Erschienen am: 
Montag, 10. Januar 2022

Von der Reise auf die Insel und Sternen

Illustration: Rebekka Heeb

Er wollte weg. Abhauen. Anfang Dezember stand er in Trainerhosen und dem gelben Sommerkittel vor dem Lift: «Wann kommst du endlich? Ich habe gepackt!» - «Wohin willst du denn?» - «Auf die Insel. Die Festtagslichter warten auf uns.» Tatsächlich leben wir auf dem winzigen Inselfleckchen Le Cannelle weit weg von jeder Zivilisation - wir schicken diesen Bericht mit Rauchzeichen ab.

Erschienen am: 
Montag, 27. Dezember 2021

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