Basler Zeitung

Die Joggerin

Hilde schüttelte den Kopf: «Verrücktes Huhn!»

Langsam fuhr sie an ihrer Nachbarin vorbei. Winkte. ABER LARA SAH HILDE NICHT.

Die Joggerin stierte auf ihr Telefon. Kapseln steckten in den Ohren.

PULS, HERZKLOPFEN, BLUTDRUCK – ALLE WERTE BLINKTEN AUF DEM HANDY AUF.

Erschienen am: 
Montag, 2. Oktober 2017

Vom chinesischen Hallstatt und Liesels Gebeinhaus

Illustration: Rebekka Heeb

«MOGST E FESCHS WAIBSBILDERL KENNENLERN?»

Liesel knallt mir den Ellbogen in den Bauch. Und kichert anzüglich. «Das Babserl is a haisse Nummer.»

WESHALB KAPIERT DIESER AUSGEGEILTE SCHLUTZKRAPFEN NICHT, DASS MICH WEIBER NUR SELTEN HEISS MACHEN?!

Sie denkt, jedes Mannsbild vibriere auf 100 Umdrehungen, wenn es Möpse vor dem Schnauzer hat. Und jedes Hosenbein versteife sich beim Anblick aufgeblasener Lippen,über die eine rosige Zunge flattert.

Erschienen am: 
Dienstag, 26. September 2017

Herz in Stein

Ilse blieb stehen. Ihr Herz klopfte wild. «Da habe ich mir zu viel zugemutet...» schimpfte sie mit sich selber. Es war niemand da, mit dem sie sonst hätte schimpfen können. Gottlob gabs eine Bank. Sie spürte, wie ihre Füsse schmerzten. Und sie lächelte leise: wenn Kurt sie so sehen könnte... sie, die um jeden Berg einen Bogen gemacht hatte.

Erschienen am: 
Montag, 25. September 2017

Vom Salzburger Abend und schäumenden Haar

Illustration: Rebekka Heeb

«Oh mei orms Haaserl.» Liesel, diese versaute Schleimkeule, schreit beim Anblick von Innocent in der Schlossauffahrt auf, als hätte sie noch nie einen Alten am Stock gesehen.

«Hott-er dy gschloogen, dieser brutoole Drecksock… mai orms Vanille-Schneggerl!»

« DA WIRD EINEM JA SCHLECHT OB SO VIEL ZUCKER», wehre ich weiteres Süssgesülze ab, bevor mir Innocent ins Diabetes-Koma kippt.

«Mai orms Buaberl, hotts di ummhi ghaun?! Oder bisch über sa bööse Goschan gschtoupert?»

Erschienen am: 
Dienstag, 19. September 2017

Brezn-Gretel

«Ach, Hans...» Sie steckten im Stau. Kurz vor Zürich. RUND UM ZÜRICH IST IMMER DIE GROSSE SAUEREI-STAUEREI.

«Ach, Hans...» – Trude nahm einen neuen Anlauf. Der kam nicht gut an.

Sie hatten Hans eben auf Herz, Augen und Demenz geprüft und ihm brummend den Führerschein auch mit biblischen 70 Jahren noch zugestanden – deshalb nun mehr als gereizt: «Trude, hier kann ich nicht halten! Du hättest halt zu Hause sollen und...»

Erschienen am: 
Montag, 18. September 2017

Andreas Beck: «Basel ist für mich kein Zwischenstopp»

Photo: www.theater-basel.ch ©Simon Hallström

Er will in die «Mägd».

MÄGD?

Weshalb?

«Ich mag die Küche hier – kleine Karte. Aber alles stets perfekt. Und der Ort liegt für mich bequem. Da schlendere ich nur über die Brücke und...»

Er – ein Kleinbasler. Andreas Beck hat seine Zelte «ääne am Rhy» (wie die Eingeborenen hier sagen) aufgeschlagen. Doch davon später.

Ich sitze in dem idyllischen Garten. Blättere meine Recherchen durch – es sind Notizen über eine Bilderbuchkarriere.

Erschienen am: 
Freitag, 15. September 2017

Vom spannenden Alter der Spanner und Feldstecher

Illustration: Rebekka Heeb

«Sie haben diese Woche bereits zum dritten Mal Zopf und Butter – wenn du mich fragst: Die haben geerbt. Oder verbraten ihr Schwarzgeld und...»

Ich brüte über einem Artikel «SPANNUNG IM ALTER?» Aber beim Thema Zopf wird mir warm um die Magenwände.

Ich liebe Zopf. Natürlich hats ab 50 plus zu viel Butter drin. WIR KENNEN JA ALLE DIESE VERDAMMTEN CHOLESTERINWERTE. Obschon – jetzt behaupten sie wieder, das sei alles überholt. Eine neue Studie sage, Cholesterin sei so natürlich wie Haarausfall. Es gehöre einfach dazu – besonders ab 50 plus.

Erschienen am: 
Dienstag, 12. September 2017

Die Ratte

«Louis!» – der Schrei gellte durch die alte Villa.

«LOUIIIS!»

DAS WAR EIN BEFEHL.

Louis erhob sich seufzend vor seinem Buddha im Keller. Er liebte Buddha. Er liebte die kleinen Lichter vor der goldenen Statue. Und er liebte die Blumen, die er vor dem dicken Goldmann immer frisch arrangierte. Vor allem liebte er die Ruhe hier unten in seinem Buddha-Reich.

«LOUIIIIS!»

Erschienen am: 
Montag, 11. September 2017

Von der Gier nach Cenovis und Maggitropfen

Illustration: Rebekka Heeb

«Ceeeenoviiis!» – es ist Innocents Schlachtruf zum Tag. Ich habe ihm Schnittchen gebuttert. Konfitüren in silberne Schälchen abgefüllt (Holunder mag er am liebsten). Und Honig auf einem grossen Löffel vorgesetzt.

Ich habe ihm den Stotzen einer Sau gescheibelt. Und drei Eier pochiert. Ich fand überdies noch ein leicht angegammeltes Stückchen Gugelhupf. Also SCHUMMELN: Schimmelpilz wegkratzen und Puderzucker darüber. Das merkt er nicht.

UND DAMIT INNOCENT AUCH ETWAS GESUNDES REINZIEHT, HABE ICH IHM EINEN APFEL GERAFFELT.

Erschienen am: 
Dienstag, 5. September 2017

Gondelfahrt

Die Gondel stoppte.

«ICH HABE ES GEWUSST!» – durchzuckte es Aline. «WESHALB HABE ICH NICHT AUF MEINE INNERE STIMME GEHÖRT?!»

«Das geht gleich weiter», lächelte der ältere Herr vis-à-vis ihr aufmunternd zu. «So etwas passiert immer wieder!»

In Aline stieg Panik auf. Lifte, Sesselbahnen, Flugzeuge – alles Dinge, die mit ihrem Karma auf Kriegsfuss standen.

Mit ihrem Mann war Aline nur im Zug an die Adria gefahren. Und im Hotel hatte sie stets die Treppe benutzt. Dabei hatten sie das Zimmer im 6. Stock.

Erschienen am: 
Montag, 4. September 2017

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