Basler Zeitung

Von versiegelten Lippen und Plateau-Schuhen

Illustration: Rebekka Heeb

Natürlich war es nicht die königliche Kutsche.

Es war meine Insel-Karre. Sie hat 220 000 Kilometer am Arsch. Ist mit Möwenkacke zugekleistert. Und die Klimaanlage funktioniert nicht.

«Mach einfach die Fenster runter», sage ich zu Karl. «Dann ist es wie Lüftung!»

Karl schaut mich mit diesem eisigen Blick an, den die Engländer sonst nur für ihre neue Mutter Theresa haben, seit sie bekannt gab, dass der Eierpreis erhöht wird.

Erschienen am: 
Dienstag, 25. Juli 2017

Verblasstes Tattoo

«HIMMEL – BIST DU SPIESSIG!» – Ellen schaute ihre Mutter wütend an.

«ALLE HABEN EIN TATTOO ALS LIEBESBEWEIS!»

Annick schrie genervt : «ABER DOCH NICHT AN DIESER INTIMEN STELLE! WAS WILLST DU DEINEM NÄCHSTEN KERL SAGEN, WENN ER DA PLÖTZLICH EINEN FROSCH VOR DEM SCHUSS HAT…?!»

«Es gibt keinen nächsten Kerl. Ich liebe mein ‹Fröschli›!»

Erschienen am: 
Montag, 24. Juli 2017

Vom Besuch des königlichen Schneiders

Illustration: Rebekka Heeb

Als Karl durchgab: «I’ m coming!», stand alles Kopf.

«Karl» – so nennt ihn die Queen. Aber eigentlich ist er Karl-Ludwig.

Er hat noch immer einen Pass aus dem Ruhrpott. Lebt aber seit 60 Jahren in London. Und ist englischer als die Türsteher von Harrod’s.

Das einzige Deutsche, das er nicht ablegen konnte: die absolute Perfektion. Und Gründlichkeit. DAS HAT IHN DANN AUCH ZUM SCHNEIDER IHRER MAJESTÄT GEMACHT.

Erschienen am: 
Dienstag, 18. Juli 2017

Glück und Glas

Cathy (Basel) war verliebt. Na ja – das ganze «ich bin ja soooo happy»-Gefühlsbad.

Sven (Zürich) war der Grund aller Gefühle. Und ebenso verknallt in Cathy wie umgekehrt.

DA HATTE(N) ES ZWEI ALSO GUT GETROFFEN!

Erschienen am: 
Montag, 17. Juli 2017

Von einem chinesischen Nilpferd und Gehstöcken

Illustration: Rebekka Heeb

Innocent rasselt mit den Stöcken – so wie früher die Mistkübelmänner mit den grauen Ochsner-Mülleimern.

Heute ist es bei der Müllabfuhr ja nur noch ein teures Rascheln von blauen Säcken. Aber zu meiner Kinderzeit ging mit Gepolter die Post ab.

Innocent schlägt die Krücken also gereizt aufeinander: «Ich habe es satt. Einfach satt. Man kann so etwas doch sicher auch zwei Noten eleganter haben.»

Assistente Max nimmt Haltung an: «Jawoll Comandante!» Dann schaut er etwas ratlos zu mir.

Erschienen am: 
Dienstag, 11. Juli 2017

Büchsenkost

Walter rückte den Krawattenknopf zurecht.

«Waaaalti!» – er hörte wie sich Hilde Sprühlack um die Birne zischte.

«Waalti – öffne noch die Tomaten-Dose und entsorge sie. Bruna muss ja nicht mitbekommen, dass wir mit Büchsen kochen!»

WIR?

Es war Hildegard, die am Herd mit Dosen jonglierte. Und diese milchig bleichen Hühnerleichen vom Center heimschleppte. Schenkel für Schenkel luftdicht verschweisst.

Nichts war heute mehr frisch. Nur noch verpackt. Verbüchst. Begast. Und bakteriell keimfrei zugeklebt.

Erschienen am: 
Montag, 10. Juli 2017

Annetta Grisard: «Die Medaille hat immer zwei Seiten…»

Wie immer – ich bin zu früh.

So bleibt Zeit, mich auf den Gast einzustimmen. Heute ist es Annetta. Annetta Grisard. Wir treffen uns in der Basler «Kunsthalle».

Annetta? – Schön. Nein, eine sehr schöne Frau. Das sagen alle. Und selbst die frauliche Neidwelt muss es sich seufzend eingestehen.

Dann: klug. Maturität. Typus B. Später Schule in Cambridge. Und noch später: Richterin am Basler Zivilgericht. Und: Trustee an der Tufts University in Medford, einem Vorort von Boston.

Erschienen am: 
Montag, 10. Juli 2017

Vom Butlertraum und Diadem im Haar…

Illustration: Rebekka Heeb

Eigentlich hätte ich immer gerne einen Butler gehabt.

Vermutlich hat mich der stolpernde James in «Dinner for One» an den Silvesternächten am Fernsehen jeweils inspiriert.

Ich wäre gerne die Dame am Tisch gewesen. Aber als Trämlerstochter bist du immer nur das abgezogene Fell, über das die Welt dann stolpert. Dennoch – der Wunsch nach einem Nubier in weisser Uniform mit goldenen Knöpfen blieb. Innocent und ich hatten da mitunter Streitgespräche.

Er: «Weshalb ausgerechnet einen Nubier?»

Erschienen am: 
Dienstag, 4. Juli 2017

Die Schildkröte

Er hiess Reinhard.

Sein Hals war faltig.

Seine Augen hatten diesen leicht giftigen Blick von diskutierenden Arena-Teilnehmern.

Und seine Beine waren krumm.

Reinhard war keine Schönheit.

Aber Frau Schneider war verknallt in ihn.

NA JA – WO DIE LIEBE HINFÄLLT…

Immer Anfang Juni sah man sie zusammen im Garten.

Erschienen am: 
Montag, 3. Juli 2017

Von Max aus Rom und vom Tellerwaschen

Illustration: Rebekka Heeb

MAX MUSSTE HER!

Max ist eine Seele von Mensch. ABER ER HAT EINEN AN DER WAFFEL. UND ZWAR ZÜNFTIG.

Eigentlich heisst er Massimo. Aber aus Protest zu Italien und der überall herrschenden Korruption im Umfeld nennt er sich MAX. Und redet nur Englisch. Das ist besser so. Denn wenn er in seinem kalabresischen Dialekt dahersprudelt, kapiert ihn eh kein Mensch.

O.k. Das tut jetzt nichts zur Sache. Die Herzenssprache zählt. Und die war schon bei unserm Kennenlernen hunderttausend Ausrufezeichen.

Erschienen am: 
Dienstag, 27. Juni 2017

Seiten

Basler Zeitung abonnieren