Nikolaus am Telefon

«Ich bin der Nikolaus» – keuchte die dunkle Stimme am andern Hörerende.

«...und ich die Königin Mutter!» – Lenchen knallte den Hörer auf die Gabel.

Einfach unglaublich, was heute alles am Telefon abging.

Vor einer Woche hatte sich eine feine Frauenstimme als ihre thailändische Nichte «Kairi» ­ausgegeben. Sie wolle endlich «liebes Tanti in Switzländ» kennenlernen.

Alle drei Stunden versuchte jemand ihr Telefon-­Abonnement zu erneuern.

Erschienen am: 
Montag, 8. Dezember 2014

Res von Graffenried: «Manchmal fehlt einem die Heimat eben»

Ich warte im Hotelgarten auf ihn. Um mich: Wagner in Gold. Wagner in Gips. Wagner in Öl. Wagner in Marzipan.

Bayreuth ist das Mekka der Wagnerianer. Einmal pro Jahr wirft sich auch Frau Merkel in ihr Rüschellanges. Sie packt das Handtäschchen. Winkt sich über den roten Teppich. Und singt die Polit-Walküre.

Als ich in den deutschen Blättern las: «Res von Graffenried – als neuer Bühnentechniker auf den Hügel berufen!», da wusste ich: JETZT HAT ER ES GESCHAFFT.

Erschienen am: 
Montag, 8. Dezember 2014

Von der tschechischen Melancholie und Blähungen

Illustration: Rebekka Heeb

Prag ist schmelzendes Moll – eigentlich stimmungsmässig eine Moll-tau-Variante.

Da kann lange die Sonne scheinen. Und der Himmel sich in diesem Blau der Zwetschgen zeigen, die sie hier in Backwaren reinkomponieren. Man ist immer einen Zacken traurig drauf. Die Moldau ist bräunlich-grün. Und die slawische Seele zeigt diese dunkle Melancholie, die uns Westler nur überfällt, wenn der Novartis-Kurs gesunken ist oder der FCB in der Verlängerung das Gegentor kassiert.

Erschienen am: 
Dienstag, 2. Dezember 2014

Fleck auf Schlitz

PLATSCH!

«Leck mich!», stöhnte Cédric.

Er sah, wie das Gemisch von Mangomark und Joghurt langsam über seinen Hosenschlitz schwabbte – eine weissgelbliche Flutwelle in Zeitlupe.

«VERDAMMICH!» – Cédric erhob sich vorsichtig. Und streckte die Genitalzone nach vorne, damit die Flutwelle nicht weiter rutschten konnte. Dann tauchte er die Frühstücksserviette in das Glas Wasser, das neben dem Espresso stand.

Langsam begann er an der prekären Stelle zu rubbeln.

Erschienen am: 
Montag, 1. Dezember 2014

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