Von Lottofeen und andern Promis

Donnerstag Morgen kommt Malva.
Malva mag gelbe Tulpen. Malva hasst Saucen an Crevetten-Cocktails und Taxifahrer, die sie mit Irrfahrten begackeiern. Sie trägt Schuhgrösse 38, was für ein Persönchen von knappen 150 Zentimetern so ähnlich ist, als würde eine Ameise in Pumps rumturnen.
DA STAUNT IHR ABER, WAS ICH ALLES ÜBER MALVA WEISS.
Das kommt daher, weil Malva PROMINENT ist. Sie stammt aus dem Kleinfreistaat San Marino. Der Staat ist für seine Briefmarken berühmt. Malva für die Lottozahlen. Die verliest sie nämlich einmal pro Woche im Fernsehsender von San Marino.
UND SO ETWAS MACHT SIE ZUM GROSSEN VIP IM KLEINEN STAAT.
«MALVA? DIE KLEINE LOTTOFEE MIT DEM GROSSEN HERZEN», so heissen die Heimreportagen, die das grosse Herz abbilden (bei 150 Höhenzentimetern ist eine Oberweite von 100 so ähnlich, als würde das Matterhorn quer stehen). Mit dem «grossen Herzen» ist Malvas Engagement punkto verlauste Miezen gemeint, die sie sammelt wie andere Kaffeerahmdeckelchen.
Natürlich kennt schon im nahe gelegenen Rimini keine Sau den Fernsehstar. Und wenn ich in Rom von Malva und ihrer Matterhornbreite schwärme, schütteln die Menschen den Kopf wie Mixer Toni den Cocktailshaker: «Alma? Lara? Wer ist Malva?»
Es geht ihnen wie mir, wenn «Glanz und Doria» seine Prominentenbilder bringt. Und ich mich zum Fragezeichen krummbiege: WER ZUM TEUFEL SIND DIE LEUTE?
Also das muss ich Euch erzählen: Da hat der Moderator (ein verschmitzter Dreitagebärtiger mit heimeligem Basler Dialekt) allerlei Promis zu sich auf die Stühle gebeten. Ich wusste nicht, dass die Gäste VIPs sind, aber die eingebildeten (oder heisst es «ins Bild geblendeten»?) Informationen klärten mich auf: Es handelte sich um eine Meteo-Wetterfee..., um eine Jetsetterin..., um einen Sänger, von dem ich noch nie einen Ton gehört habe, der aber seinen Tisch mit Versace-Geschirr deckt..., um eine abgehalfterte Miss Schweiz (die mir jedoch auch in ihrer zwölfmonatigen Schaffenszeit nie über den Weg gekront ist). Die Petersilie auf der Promiplatte war dann noch ein Model.
Bei Model weiss ich nie recht, was man darunter eigentlich verstehen soll. Einen Ständer für Strickwaren? Barbie, die Kleiderpuppe? Oder einen «Baslerstab»-Ausstecher?
Kurz? die VIPs plauderten vergnügt in der Runde.
Es ging um goldene Rübchen. Und wer am besten kocht. UND WAS ICH DA SAH, LIESS MIR DIE WIMPERN ZU BERGE STEHEN. Einer Millionärin ging der Herd nicht an, weil sie auf Kindersicherung gestellt und die Gebrauchsanleitung noch nie gelesen hatte. Ein Mannequin stach Hamburger als Engelchen aus, die dann aussahen, als hätte sie der liebe Gott persönlich durchs All abgeschossen. Und der erste Preis ging an ein mit Sauce ersoffenes Etwas, das verdammte Ähnlichkeit mit dem überbackenen Fix-Fertig-Feinschmecker-Fischfilet von Findus hatte.
Um der Redaktion von «Gloria» aber ein Zückerchen zu geben, schickte man die Crew nach Beverly Hills, um dort nach VIP-Schweizern zu forschen. Es fanden sich derer vier mit dem ungefähren Promistatus einer Frau Meier aus Rüschlikon, die einen Gemischtwarenladen führt.
ALLERDINGS: Blumenthal war auch dort. Und das wunderte mich doch sehr, da ich in Beverly Hills noch nie einen Bio-Bauernhof und den Bauernkalender gesehen habe. Immerhin? BLUMENTHAL habe ich gekannt. Wenn auch nur dank des Ruhekissens, für das er schlafend wirbt. Am Schluss der Sendung wurden dann die Rübchen verteilt, und ihr könnt mich prügeln, ich weiss nicht mehr, wer das goldene bekommen hat.
Aber ich weiss jetzt, dass man Versace-Geschirr ungeniert in die Abwaschmaschine geben darf, denn solches war die Quintessenz des Ganzen.
Kurz: Seit Ringier das Schweizer Fernsehen übernommen hat, weiss ich, wie man mit Promis umzugehen hat. Und dafür bin ich Ringier dankbar.
Denn morgen kommt Malva. SIEHE OBEN? danke!

Freitag Ich habe Malva mit 40 gelben Tulpen am Bahnhof abgeholt. Das hat sie gleich säuerlich verstimmt: «Ich bin erst 29!» (In einem Jahreshoroskop über sie, das die «San Marino Daily News» publizierte, war ihr Alter mit 34 angegeben.
Bei Google geht sie unter 51 und ihre beste Freundin sagt, sie sei eine guterhaltene End-Vierzigerin (mit der hat sie aber Riesenzoff).
Das ist auch so etwas: Je kleiner der VIP, umso grösser seine Hysterie. Malva drückte mir gleich eine Liste mit all den Dingen in die Hand, auf die sie allergisch reagiert (Tomaten, falschen Kaviar, Toiletten-Deo-Spray). Als sie zu Hause dann unserer Zugehfrau Annick noch erklärte, wie man einen Tee richtig aufzubrauen und das Silber schonend zu putzen habe, war klarer Krieg im Stall. Schliesslich löcherte sie mich: «... duuu mit deinen Beziehungen... rufe doch deine Schreiberkollegen an... die sind doch froh, wenn sie etwas für die erste Seite haben... aber ich lasse mich nur von der Seite fotografieren und mit einer Katze im Arm und... KATZE? Wo kriege ich so schnell eine Katze her?
Das Problem erledigte sich dann aber von selber. Meine Kollegen schüttelten den Kopf: «MALVA?... was ist das... wer ist die?...». «Es ist die Tante von Liza Minelli», poliere ich Malvas Lottofee-Image ein bisschen auf. Mein Kollege von Tratsch und Klatsch klopft mir auf die Schultern: «Interessiert kein Schwein... wir haben morgen ein Interview mit Rapper Bligg.»
WER IST RAPPER BLIGG?

Samstag, 23. Januar 2010