Mimpfeli

Die Mimpfeli erscheinen immer am Dienstag im Kulturmagazin der BaZ.

Es gab zwei Tage im Schuljahr, die ich hasste: den Wandertag. Und den Sportstag.

Heute macht alles ein Riesentheater um Sport. Er sei gesund. Und helfe, die Menschen länger leben zu lassen.

ABER WOLLEN WIR DAS?

Eine AHV-Herde von bretterflachen Rucksackwanderern?

15.09.2015

Mein erster Zahn kam in die rosa Schachtel. Nun ja – das war so eine Mini-Box, in der mein guter Vater meiner Mutter Schmuck geschenkt hat. Mit einem Trämlerlohn lag nicht viel drin – sowohl in der Schachtel. Als auch so.

08.09.2015

Der Kofferschlepper sah aus, als käme er aus der Operette: «Dorf y auspacken?»

Nun. Ich bin ja nicht so. Aber diese Direktanmache treibt unsereinem auch mit 68 Jahren noch die Röte eines Löschhydranten in die Birne. «Ich weiss nicht recht …», stammle ich.

01.09.2015

Tim greift sich an die Kehle wie im Horrorfilm. Dann verdreht er die Augen: «Ich sterbe vor Durst» – und knallt mit dem Handrücken den Korken vom Bierfläschchen.

«Kannst du nicht mit einem Flaschenöffner…», höre ich meinen lahmen Einwand. Und fühle mich steinalt.

25.08.2015

Tante Gertrude hatte Geld. Viel Geld. Sie war jedoch nicht deswegen meine Lieblingstante. SIE HATTE AUCH EIN GESCHÄFT. EINE GESCHÄFTIGE TANTE ALSO.

18.08.2015

«Ruf der Berge» – das ist nicht etwa das Neuste aus der Feder von Reinhold Messner. «Ruf der Berge» – so hat mein gütiger Vater 1956 seinen 8-Millimeter-Schmalspur-Film benannt, der ihn beim Klettern zeigt. Der Streifen wurde im Säli des Restaurants Hopfenkranz auf die Menschen losgelassen.

11.08.2015

Zeitungen sterben. Weltweit.

Sie erlöschen wie die Sterne im All – oder wie abgefackelte Kerzen in den katholischen Kirchen. Es bleibt ein bisschen Weihrauch um alles. Und der Glaube aufs Bessere.

Als altes Zeitungspferd stirbst du immer ein bisschen mit. Manchmal tut es weh.

04.08.2015

«Dieb!» – meine Grossmutter zischte es mir wie eisigen Wind um die Ohren.

«Dieb! Dieb!»

Wir waren eh keine guten Freunde. Immer hatte sie an mir rumzumeckern. So wie an meinem Vater auch.

28.07.2015

«Es gibt keine Damen!» Mein Chefredaktor hat das so gesehen. Er strich das Wort rot durch. Und machte ein Aus­rufezeichen hinter «Dame».

Nun ja: dämlich!

In einem halben Jahrhundert Journalismus kommen Chefredaktoren. Und gehen Chefredakoren. Ich habe über ein Dutzend überlebt.

21.07.2015

Die junge Frau schaute mich strafend an. Sie war der klare Körner-Typ.

Vorne flach.

Hinten flach.

Und auf dem Hals ein ­Hirsekorn. «Sie sollten den jungen Menschen ein Vorbild sein. GERADE SIE!»

14.07.2015

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