Glossen

Lalalaaa...

Der Mann tönte charmant. Er war am Telefon. Er hatte Elsi beim Bügeln unterbrochen.

EINE NETTE ABWECHSLUNG.

«Sicherlich haben Sie Internet, liebe Frau Elsa…» – Klar. Hatte sie. Manchmal skypte sie auf dem iPad mit ihrer Grosstochter Lara in Australien. Sie hatte eben den Fortgeschrittenenkurs für «Surfen im Alter» bei Pro Senectute bestanden.

«…und beim Surfen kann es mitunter Probleme geben: Sie kommen nicht rein und das Bild ist verschneit…»

Erschienen am: 
Freitag, 16. Februar 2018

Ödipuskomplex

Skifahren war nun wirklich nicht das Ding des dicken Silvan. ER WAR KEIN PISTENTYP. Er war der stille Tüftler – ein in sich gekehrter Junge, der gerne in seinem Zimmer blieb. Alte Radiokisten auseinander pflückte. Um sie zu Funkstationen zusammenzupuzzeln. DER KLEINE SILVAN HATTE ES DRAUF – IM BASTELN. UND (LEIDER) AUCH EIN BISSCHEN AUF DEN HÜFTEN.

Der Vater: DAS SPORTLICHE GEGENTEIL! DIE GANZE AKTIVITÄT WAR AUF SEINE BEINMUSKULATUR KONZENTRIERT.

Erschienen am: 
Freitag, 9. Februar 2018

Wetterfee

LARA SAGTE DAS WETTER VORAUS. Sie sagte das gut. Kompetent. Und mit diesem strahlenden Lächeln, das der angesagten Sonne oft fehlte.

LARA MACHTE SICH ALS «FRAU WOLKENBRUCH!» (so nannte sie sich auf Facebook und Twitter) einen kantonsweiten Namen.

SIE WETTERTE UND TWITTERTE.

Manchmal etwas unbeholfen («Für morgen sagt die Lara – das Wetter schön und klar a ...»).

NA JA. AUCH GOETHE HATTE NICHT IMMER NUR EIN HOCH.

Erschienen am: 
Freitag, 2. Februar 2018

Die Wahrsagerin

Sie mischte die leicht angegilbten Karten. Dicke Samtvorhänge verdunkelten das Zimmer. Eine Kerze flackerte. Und Frau Tamara trug ein Kopftuch mit Fledermaus-Muster.

Lore schaute ängstlich zu, wie Tamara nun die Karten langsam vor sich ausbreitete. Und eine davon herauszupfte. «Das sind Sie, Frau Blunschli», flüsterte Tamara geheimnisvoll.

Lore lächelte geschmeichelt. Die Dame auf der Karte sah so überlegen aus. Selbstsicher. Und schön. BEI LORE BLUNSCHLI: NICHTS VON ALLEDEM.

Erschienen am: 
Freitag, 26. Januar 2018

Milieu de table

«Verena!» Wenn er sie «Verena» rief, war er stets stinkig.

Sie strich sich gelassen die Lippen fertig (ein dunkles Mohnrot, passend zum Nagellack). Dann schaute sie prüfend in den Spiegel. Und setzte schon mal prophylaktisch ein Schmollmündchen auf. BEI SCHMOLLMUND WURDE FRANZ IMMER SCHWACH.

DIESMAL NICHT!

Erschienen am: 
Freitag, 19. Januar 2018

Halleluja für Kurt

Amanda schaute aus dem Fenster. Dann lächelte sie: «Sie sind wieder da, Kurt!»

«Mhhmmmm» – war die Antwort. Kurt war nicht der grosse Konversationstyp. IM GEGENTEIL. Selbst Fische waren eloquenter.

Kurt hatte sich nach dem Frühstück in die Börsenkurse vertieft. Und nur einmal «leck mich doch!» vor sich her gebruddelt. Nun gut – Kurt war überhaupt nicht der Mann, den man/frau hätte heiraten sollen. Aber Amanda fand, er habe etwas geheimnisvoll Rührendes, etwas Wunderbares, das man in ihm wecken müsse …

Erschienen am: 
Freitag, 12. Januar 2018

Frauenpower

ER war so ein Arschloch!

Entschuldigt das harte Wort im neuen Jahr.

Aber man kann die dreckigen Umstände nicht weichwaschen.

UND DIE UMSTÄNDE MIT MAX WAREN SO HAARSTRÄUBEND WIE DIE FRIESE DES PRÄSIDENTEN...IHR WISST SCHON.

Flora hatte Max geheiratet. Übereilt. Dabei wäre kein Grund dazu gewesen – nichts unterwegs. Und Flora war auch nicht darauf erpicht, als Frau Doktor angesprochen zu werden.

DENN MAX WAR NICHT NUR EIN AR...MLEUCHTER. ER WAR AUCH DOKTOR DER JURISPRUDENZ.

Erschienen am: 
Freitag, 5. Januar 2018

Der Räppler

Die Münze funkelte im Strassengraben. Fritz stützte sich auf seinen Stock. Er lächelte: «EIN RÄPPLER – DAS BRINGT GLÜCK!» Und Fritz konnte ein bisschen Glück im neuen Jahr gut brauchen.

ER BÜCKTE SICH. KRATZTE DAS RÖTLICHE GELDSTÜCK VOM SCHMUTZIGEN BODEN. Dann wurde es schwarz um ihn. Das Letzte, was er hörte: ALARMSIRENEN. Und das Erste danach eine sonore Stimme: «Schwere Kopfverletzung… Schambeinbruch… Wir geben nochmals Schmerzmittel…»

DANN DÄMMERTE ER WIEDER WEG.

Erschienen am: 
Freitag, 29. Dezember 2017

Gesponnene Weihnacht

Agathe wisperte. Nun ja – so wie kleine Spinnen eben wispern können: «Weshalb sind wir in diesem Kellerloch, Omi? Hier gibt es keinen Weihnachtsbaum…» Die Spinnen-Omi seufzte. Sie war Kummer mit ihrer Enkelin gewohnt.

Erschienen am: 
Freitag, 22. Dezember 2017

Christstollen

Er zog den Christstollen aus dem Backofen. Der Kuchen duftete herrlich – Pierre machte sich an die dicke Zuckerkruste. Drei Nachmittage lang hatte er einen Backkurs besucht.

Pascal, sein Sohn, hatte ihn liebevoll in die Arme genommen: «Du stresst dich einfach zu viel, Pa – sie bekommt es nicht mehr mit. Lass los!» LOSLASSEN? – NIE! WIE KONNTE ER ETWAS LOSLASSEN, DAS MIT IHM ZUSAMMENGEWACHSEN WAR? Er konnte Annick jetzt nicht im Stich lassen – auch wenn sie nicht mehr die Annick war, mit der er 42 Ehejahre geteilt hatte.

Erschienen am: 
Freitag, 15. Dezember 2017

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