Glossen

Hund im Advent

Hans stierte aus dem Fenster. Über die Scheiben kullerten graue Regentränen. Alles war dunkel. AUCH DER GEMÜTSZUSTAND VON HANS.

Er schaute vorwurfsvoll zum dünnen Bilderrahmen, aus dem ihm eine rundliche Frau entgegenlächelte. «Du hast mich einfach alleine gelassen, Margreth!», brummte er.

Erschienen am: 
Freitag, 8. Dezember 2017

Der Nigerianer

Max fluchte. Sein «verdammich!» passte nicht zu den Jingle-Bells-Melodien, mit denen die Menschen im Einkaufscenter berieselt wurde.

ABER ES WAR WIRKLICH DER GAU, HIER ETWAS ZU FINDEN! Immer wieder wechselten sie den Standort von Zucker… Geschirrspülmittel… oder Küchenpapier. Mal hier. Mal dort.

BINGO – DA WAR WENIGSTENS DIE ZAHNPASTA!

Max wollte heute noch verreisen. Er konnte mit dem Weihnachtszirkus nichts anfangen. Also buchte er sich über Internet ein Hotelzimmer: SIZILIEN… TAORMINA… ZUM SCHNÄPPCHENPREIS.

Erschienen am: 
Freitag, 1. Dezember 2017

Punkte

Angefangen hatte es vor zwei Jahren.

Louise hatte im Restaurant ihr Handy gezückt. Und den Teller – Nüsslisalat mit Ei – fotografiert.

URS SCHAUTE GENIERT UM SICH:

«Lass den Quatsch. Das ist ja oberpeinlich!»

LOUISE LÄCHELTE GEHEIMNISVOLL: «Lass mich nur machen!».

Sie zog das Handy dann noch beim Vegi-Schnittchen. Und beim Tiramisù.

URS WÄRE VOR SCHAM GERNE UNTER DEN TISCH GEKROCHEN.

Einige Leute schauten schon neugierig zu ihnen.

Erschienen am: 
Freitag, 24. November 2017

Für immer jung

Irma schaute in den Spiegel. «Na ja», gab sie den Kommentar über sich selber ab, «mit 40 kannst Du nicht mehr erwarten, Mädchen!» Eigentlich war sie 53. Gab sich aber als ewige Vierzigerin. Und tat alles, damit es so blieb: täglich Aerobic... zwei Mal Sauna die Woche... und dann ein Badezimmer voller geheimnisvoller Döschen und Flacons. SIE VERSPRACHEN ALLE DIE EWIGE JUGEND.

Erschienen am: 
Freitag, 17. November 2017

Magenbrennen

Wolfi dröhnte sich zu: Chips... Nüsschen... UND PROSECCO DIREKT AB FLASCHENHALS! Er war alleine daheim. Und brauchte niemandem zu gefallen. DESHALB RÜLPSTE ER AUCH SCHAMLOS LAUT.

Schamlos war ebenfalls seine Situation: Eva hatte ihm vor vier Wochen den Rücken gekehrt. Und Wolfi alleine in der Penthouse-Wohnung zurückgelassen.

Sie hatte Lippenstift an seinem Armani-Slip entdeckt. DER REST WAR DRAMA.

Erschienen am: 
Freitag, 10. November 2017

Dufttännchen

Lilli wurde schwach. Bei Käse bekam sie stets einen hohlen Bauch. ALLE «NUR-EIN-JOGHURTZNACHT!»-VORSÄTZE WURDEN ÜBER BORD GEWORFEN.

Sie stand vor der riesigen Auslage. Und beschloss: «Gschwelti und eine Käseplatte!» Das war bei diesem Herbstwetter gerade das Richtige!

Gut. Max war nicht der Käse-Typ. Er baute schon bei Fondue die Krise. ABER FRAU SOLLTE AUCH EINMAL AN SICH SELBER DENKEN.

Erschienen am: 
Freitag, 3. November 2017

Politisch unkorrekt

«KÜGELCHEN!» – Hubert bückte sich keuchend zu den Schuhbändeln. Für einen kurzen Moment wurde ihm schwindlig. Es gab nichts zu beschönigen: Sein Ranzen war einfach zu gross.

«Kügelchen...könnten wir wieder mal Frikadellen zum Znacht...?» «FRIKADELLEN MACHEN DICK, MOPSI!» Sie rief ihn «Mopsi». Hatte sie schon immer GETAN. Selbst als er jung war. Den geilen Hubi gab. Und den Weibern nachgeiferte.

Erschienen am: 
Montag, 30. Oktober 2017

Der Pizzakurier

«Eine Pizza Margherita ohne Pfeffer. Und eine Cola light…» Pause. Dann: «Carlo kommt in 15 Minuten – gute Nacht…» Klack. Aufgehängt. Ja – eine frohe Nacht würde sie haben. MIT CARLO. Gestern hatte er ihr eine Überraschung versprochen.

ENDLICH.

Erschienen am: 
Montag, 23. Oktober 2017

Die Katze

Ernst schaute aus dem Fenster. «SHIT!» – bruddelte er. «BIG SHIT!» Draussen nieselte es fein. Die Tannenäste weinten Regentropfentränen.

ERNST FÜHLTE SICH BESCHISSEN. EINSAM. UND VERLASSEN – IM WAHRSTEN SINNE DES WORTES! Silva hatte ihm den Rücken gekehrt – nach 45 guten Ehejahren (wie er glaubte).

Nie hatte es gross Streit gegeben. (Na ja – einmal kam Silva hinter das Techtelmechtel mit Bruna, der Sekretärin. Er hatte die Beziehung aber sofort gestoppt.)

Erschienen am: 
Montag, 16. Oktober 2017

Der Alte

Elke schüttelte den Kopf. War das noch ihr Vater?

Der alte Mann hatte eben den Kellner so laut zusammengestaucht, dass an allen Plätzen die Unterhaltung augenblicklich verstummte.

«…dem habe ichs aber gehustet!», knurrte Wolfgang nun mit einem zufriedenen Blick. «MAN MUSS SICH NICHT ALLES GEFALLEN LASSEN – NUR WEIL MAN BEREITS MIT EINEM BEIN IN DER GRUBE STEHT!»

Erschienen am: 
Montag, 9. Oktober 2017

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