Nackte Tatsachen

Elsie schaute aus dem Fenster. Es goss aus Kübeln.

ES SCHÜTTETE BEREITS DIE VIERTE WOCHE!

Etwas schuldbewusst schaute sie auf Walter.

Der hockte vor einer dampfenden Tasse mit Milchkaffee. Es war das Einzige, das dampfte.

«Es soll mittags aufhören …», gab Elsie den Aufheller zum Tag durch.

«DAS SAGST DU JETZT SCHON SEIT 22 TAGEN – ELISABETH!»

Wenn Walter sie ELISABETH rief, bedeutete dies Gewitter.

Erschienen am: 
Montag, 21. Juli 2014

Von Mick Jaggers Besuch und seiner Flucht aus Rom

Illustration Rebekka Heeb

«I’M OUT!» brüllte die Stimme durch meine Römer Gegensprechanlage.

Eben noch döste ich auf meinem Sofa vor mich hin. Dankte Gott und der Welt, dass ich hier von der Hitze abgecoolt und voll klimatisiert ein Mittagspennerchen machen konnte. Ich hatte eben die Zeitung durchgeblättert. Und wieder stand – ausser dem Zetermordio wegen der italienischen Fussball-Pfeifen – nichts Gescheites drin. Nur: dass Mick Jagger schon vier Tage vor dem Concerto in diesem Privatjet mit der langen Zunge drauf eingeflogen sei.

Erschienen am: 
Dienstag, 15. Juli 2014

Der Hund

Der Hund sass am Rheinbord.

Er schaute ins Wasser.

Und zitterte.

«Er ist noch jung», sagte der Veterinär vom Tierheim.

Und streckte ihm einen Hundekeks hin.

Das Tier sah den Hundekuchen nicht an.

Der Hund verstand die Menschen nicht mehr.

Seit Wochen war er mit Karl herumgegangen. Karl hatte ihm jeweils die verlöcherte Wolldecke auf den Boden gelegt. Dann holte der abgemagerte Junkie die Geige aus dem Kasten. Und spielte für die Passanten.

Erschienen am: 
Montag, 14. Juli 2014

Von Babà al Rum und der Primadonna in Noto

Illustration Rebekka Heeb

Innocent ist auf Kultur getrimmt.

Er mag es, den griechischen Tempeln nachzustiefeln.

Er kann stundenlang in tropischer Hitze bei herummuckenden Mücken römische Mosaike deuten.

Und er wird nicht müde, mir vor einer staubigen Kirche immer wieder dieselbe alte Leier über den Vorzug des geschwungenen Barocks vorzupfeifen.

DAS IST NICHT MEINE WELT.

Ich lebe im Jetzt und Heute. Und JETZT heisst: Lust auf Pasta Norma und das Punschgebäck Babà al Rum mit viel, viel Schlagrahm drauf.

Erschienen am: 
Dienstag, 8. Juli 2014

Fussball-Frust

WIE ER DIESEN VERDAMMTEN FUSSBALL HASSTE.

Seit Wochen hatten alle nur den Ball im Kopf. Am Kopf. Um den Kopf. SONST WAR NICHTS.

Wenn Heiko von seinem Schreibtisch heimkam, fand er nicht die ersehnte Ruhe.

Schon im Büro fussballerten sie seit einem Monat nonstop. Lieferungen blieben stehen. Rechnungen unbezahlt.

FUSSBALL GAB DIE GANGART AN.

«Ach», seufzte Heiko. Und war frustriert, weil vom Synchronschwimmen höchstens Mal drei Minuten in einer Vorabendschau ausgestrahlt wurden.

Erschienen am: 
Montag, 7. Juli 2014

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