Der Bestatter

Er war vor dem Grab.

Sie hatten es wieder mal zu eng ausgegraben.

Albert hasste das. Die Arbeiter waren heute ­einfach nur noch faul. Und zu schmal ­ausgebuddelte Gräber machten immer Probleme.

Einmal – es war ausgerechnet die Beerdigung des Bürgermeisters gewesen – passierte das Drama.

Der Sarg sollte mit Seilen heruntergelassen ­werden. Es schüttete eiergrosse Tropfen. Die Leute hofften nur auf eines: ab in die Grube.

Erschienen am: 
Montag, 27. Oktober 2014

Von Tanzabenden und Party... Party... Party

Illustration: Rebekka Heeb

Ich hätte gerne Olliver zu einem Nachtessen eingeladen. Aber: «Geht nicht, Alter – wir machen Party!»

Alleine schon dieser Ausdruck – PARTY MACHEN!!!

Ich meine: Da kotzt einer doch schon, bevor er sich ins Koma gesoffen hat.

Unsere Zeit will keine Nachtessen mehr. Nur noch «Dates» bei Whatsup. UND PARTY. GROSS GESCHRIEBEN.

Ich möchte euch jetzt nicht mit dem Beschrieb früherer «Tanzabende» langweilen.

ABER DOCH! GENAU DAS WILL ICH!

Erschienen am: 
Dienstag, 21. Oktober 2014

Der Pizza-Bettler

Svetlana stand am Fenster. Unter ihr war einer der schönsten Plätze der Welt.

Die Putzfrau des Luxus-Hotels beim Pantheon schüttelte den Staubwedel aus.

UND DAS WAR EIGENTLICH VERBOTEN.

Die Hotel-Gouvernante hatte sie bereits zweimal verwarnt. Es ging nicht an, dass man die alte Stadt mit neuem Dreck bewarf. Das konnten Politiker mit- und untereinander tun.

ABER NICHT DIE ZIMMERPUTZERIN EINES HOTELS AN DER PIAZZA DELLA ROTONDA.

Erschienen am: 
Montag, 20. Oktober 2014

Von Artisten und dem verlorenen Alltag

Illustration: Rebekka Heeb

Es ist Theater. Zirkus. Cabaret. Längst hat sich der gewöhnliche Alltag aus Roms Gassen weggeschlichen. Die wenigen Bäckerläden, die überlebt haben, gestalteten ihre Verkaufstheken zu Bars um. Hier können die Touristen Pizzastücke mit Käsefäden kauen. Und sich dazu eine gekühlte Cola aus dem Eiskasten reinzischen.

Die kleinen Ristoranti mit der Mamma-Küche sind verschwunden. Und wenn mal eine Mamma kocht, dann ist sie aus China und bruzzelt ihre Sau auf süss-sauer.

Erschienen am: 
Dienstag, 14. Oktober 2014

Skandal mit Akkusativ

Als Klara ihre Brüste auf Facebook sah, hatte sie zuerst einen Schock.

Dann einen Heulkrampf.

Und die Erkenntnis: «Sie eiern. Ich hätte sie doch operieren lassen sollen!»

Ihr Mann hatte sie aus dem Büro angerufen: «KLARA!»

Es war der Ton, den er drauf hatte, wenn seine Krawatten nicht nach Farbtönen am Ständer geordnet wurden. Oder zu viel Salz am Spinat war.

«KLARA!»

«Ja Bardi?» – noch war sie ahnungslos. Sanft ergeben.

Erschienen am: 
Montag, 13. Oktober 2014

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