Vom schwarzen Engel und Tante Finnis Kropf

Illustration: Rebekka Heeb

Josefine war eine Hexe.

Zumindest flüsterte man das in der Familie (Mutterseite) herum. Josefine war Vaterseite. Und was von dort kam, war dem andern Ufer des Familientümpels eh immer suspekt (hätte ich Familiendünkel sagen sollen?).

Josefine war die älteste Schwester der Kembserweg-Omi. Wir nannten sie «Tante Finni». Und uns grauste ein bisschen vor ihr – ungefähr so wie vor einem Engerling im ­Erdbeerbeet. Oder einer Schnecke am Salat.

Erschienen am: 
Dienstag, 27. Dezember 2016

Vom langen Abschied und der Melodie des Lebens

Illustration: Rebekka Heeb

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

Lukas sass vor dem Flügel.

Auf dem polierten Holz duftete die gelbe Rose in einer schlanken Murano-­Vase. Draussen im Garten hatten sich die Krähen in der grossen Birke ver­sammelt. Ihr Geschrei war verstummt. Alle warteten, dass etwas geschehen würde.

«Was muss ich tun, Beatrice?» – Lukas schaute seine Frau mit einem unruhigen, fast flehenden Blick an. «Ich weiss nicht, was ich hier soll…»

Die ältere Dame (mit den fein ­frisierten weissen Haaren) trug ein ­veilchenblaues Deuxpièces. Langsam ging sie auf Lukas zu. Streichelte seinen Kopf. Und hob den Deckel zur Tastatur: «Du spielst doch so schön, Lukas…»

Erschienen am: 
Samstag, 24. Dezember 2016

Wie Niggi mit dem Kalb das Christkind fand

Panik bei Stuckis: Ausgerechnet am Heiligen Abend ist Sohn Niggi verschwunden. Eine Weihnachtsgeschichte aus der Feder des Basler Autors -minu.

Die Nacht war klirrend kalt. Eisig. Niggi stampfte durch den Schnee in den Wald. An einem Seil führte er Klara mit sich – Klara, das Kalb, das anfangs Jahr zum Metzger geführt werden sollte. «Im Wald wartet das Christkind auf uns …», redete Niggi auf Klara ein.
Das Kalb schien nicht sehr beeindruckt. Es schniefte kleine Wölkchen von sich und blinzelte verärgert, weil es von diesem kleinen Bub aus dem warmen Stall geholt worden war.

Erschienen am: 
Dienstag, 20. Dezember 2016

Das Geschenk

«So teuer?!»

Louise schaute die Verkäuferin entsetzt an.

Diese lächelte etwas gönnerhaft: «Das ist der Preis für unsere Tücher, liebe Frau.»

Louise verliess die Boutique, in der ihre ­Schwiegertochter Stammkundin war.

Das Tuch hätte eine Überraschung werden sollen. Wie auch ihr Weihnachtsbesuch bei ihrem Sohn als Überraschung geplant war.

Erschienen am: 
Montag, 19. Dezember 2016

Von der Flucht vor dem Fest und geplatzten Würstchen

Illustration: Rebekka Heeb

Dora schaute aus dem Fenster. Auf dem Bassin spritzten Regentropfen auf. Dora seufzte: «Also das hätten wir in Binningen auch haben ­können...»

«Mmmmh» – das war Karl. Er hockte auf dem Bett. Und quälte sich durch ein mittelschweres Sudoku. Dora seufzte jetzt drei Stufen lauter: «WAS WOLLEN WIR EIGENTLICH HIER, KARL?»

«Mmmmmmm».

«HÖR MIR ENDLICH ZU!»

Erschienen am: 
Dienstag, 13. Dezember 2016

Seiten

-minu RSS abonnieren