Mimpfeli

Die Mimpfeli erscheinen immer am Dienstag im Kulturmagazin der BaZ.

Meine Alten mochten Fasnacht nicht. Sie wetterten (für einmal synchron!) in derselben Tonart: «Verpuffte Energie! Diese Stadt könnte ihre Kräfte anders einsetzen als mit Fünferrufen…» Ich aber liebte es, mich zu verkleiden. Wollte anders sein. Zumindest während dreier Tage im Jahr.

09.02.2016

Mutter mochte Mimosen nicht. Sie verursachen Migräne. So behauptete sie zumindest. Sie mochte auch Piccolos nicht. Die hohen Töne «machen mir Kopfweh».

Und politische Diskussionen gingen ebenfalls unter Mimosen: «Ich bekomme gleich einen Anfall.»

02.02.2016

Mein Vater erpresste mich. Zumindest als ich ein kleiner Bub war. «Alle Noten eins im Zeugnis – und du bekommst den Hund!»

Oder: «Wenn du das Sauerkraut nicht aufisst, schneits morgen.» Und natürlich: «BÖSEN BUBEN VERSTECKT DER OSTERHASE NICHTS!» ICH MEINE DIESE ART VON ERPRESSUNGEN!

26.01.2016

Gut. Ich gebe mich geschlagen: SCHNEE IST ÜBERLEBENSWICHTIG! Dabei ist er un­­sympathisch nass. Und macht dir ständig kalte Füsse.

19.01.2016

Der Schmerz kam plötzlich. Er tat höllisch weh. So als würde jemand mit einem Dolch in meinem linken Fuss rumrühren.

«Innocent!» – ich legte den Lamento-Gang ein. Und griente drauflos: «Mit meinem Fuss stimmt etwas nicht!»

«WASISSS?»

12.01.2016

ES WAR EINE EXPLOSION. UND ES KNALLTE WIE IM KRIEG. Ich sass am Steuer. Und versuchte zu retten, was zu retten war. Neben mir mein fitter Vetter Tom – in unserer Familie auch «das Katastrophen-Emmi» genannt. Wir schlitterten mit 140 Sachen von links nach rechts.

05.01.2016

Die Story habe ich nie jemandem erzählt. Manchmal geschehen Dinge im Leben, da weisst du nicht, wie du sie einordnen sollst. Wunder? Geheimnisvolles aus einer unbekannten Welt? Oder einfach nur Zufall? BESSER, NICHT NACHZUGRÜBELN.

29.12.2015

Marlies stand vor dem geöffneten Koffer.

Im Radio schmetterte Frank Sinatra «White Christmas».

«Nein danke!», brummte Marlies. Drückte den Out-Knopf. Und überprüfte nochmals ihre Sachen: Strandsandalen... drei hauchdünne Blusen... Sonnencrème, Faktor 50 (sie war rothaarig und hatte eine hyperempfind­liche Haut) – dann zwei Bikinis (sie machte auch mit 50 Lenzen noch eine gute Figur), ein boden­langes Seidenkleid (falls das Hotel zu irgend so einer idiotischen «Gala-Dinner-Soirée» blies).

24.12.2015

«BITTE KEINE GÄSTE!» ­Innocent gab sich sehr dezidiert. Es ist das Fest des ­Friedens. Und der Besinnung.

15.12.2015

Es war eine Schnapsidee. Weich. Und schräg. Aber Evchen hat gebohrt. Und gebohrt. Dann hat sie ihre grossen Katzenaugen gemacht. Sooooo. Wenn sie auch ein Weib ist und seit zehn Jahre Rente zieht, so werde ich bei Evchen immer noch schwach.

08.12.2015

Seiten