Mimpfeli

Die Mimpfeli erscheinen immer am Dienstag im Kulturmagazin der BaZ.

Weiss der Teufel, wie wir auf Sansibar kamen. Vermutlich der Name. Er tönt ja nach Märchen, Sehnsucht und tausend Gewürzen. Jedenfalls buchte ich. Und wollte mich in Anderschs Buch «Sansibar oder der letzte Grund» etwas mit dem Thema aufheizen.

29.03.2016

Innocent linste über den ­Tassenrand. WAS ER SAH, MACHTE IHM DIE MILCH SAUER.

Sein Visavis löffelte dieses griechische Joghurt, das so dick war wie ein Vanillepudding. Der Brei aus dem sonnigen Sorgenland hat dreimal so viele Kalorien wie vier Cremeschnitten.

22.03.2016

«Pampeluure!» – so nannte die Familie den Kaffee meiner Grossmutter.

Die Kembserweg-Omi kochte Wasser im Pfännchen.Dann stellte sie ein zylinderförmiges Etwas auf eine dickbauchige Kaffeekanne. Ins Etwas kam ein kleines, rundes Filterpapierchen. Dünn. Und weiss. Aufs Papierchen streute die Omi einen gestrichenen Kaffeelöffel voll mit Kaffee. Die Kaffeebohnen mahlte sie in einer hölzernen Handmühle. Sie klemmte diese zwischen ihre rheumatischen Beine. Und drehte wild drauflos.

15.03.2016

Als Kind wollte ich ein Schloss. Ich schaute mich in Kembserweg-Omis Dreizimmer­wohnung um. Und wusste: DAS IST ES NICHT!

Ein Château also. Dazu das ganze Pimporium: Diener, die vor mir auf halbmast knicksen würden. Und eine Kutsche, aus der ich dem ­huldigenden Volk lässig zuwinkte – ähnlich wie es der lustige Bub schon auf dem Kindersitzsattel des Velosolex seines Vaters tat. Aber natürlich nicht mit derselben Wirkung wie aus dem Sechsspänner in Gold.

08.03.2016

Spiegeleier sind das Gelbe vom Ei. Zumindest kulinarisch betrachtet.

Ich meine: Zwei Eier hat jeder.

Sie gehören in den ­Eisschrank wie «Milch­schokolade mit Nuss». Oder Rollmöpse.

DIES ALLES FÜR DEN GROSSEN NOTFALL.

01.03.2016

«Du isst wie eine Sau!» – ­Innocent stiert angewidert auf meine Krawatte. Auf dem seidigen Untergrund von lustig galoppierenden Hermès-­Pferdchen hat sich ein Stück Ei abgesetzt. Das flüssige Gelb klebt zwei Finger höher: auf dem Hemdkragen.

23.02.2016

Meine Alten mochten Fasnacht nicht. Sie wetterten (für einmal synchron!) in derselben Tonart: «Verpuffte Energie! Diese Stadt könnte ihre Kräfte anders einsetzen als mit Fünferrufen…» Ich aber liebte es, mich zu verkleiden. Wollte anders sein. Zumindest während dreier Tage im Jahr.

09.02.2016

Mutter mochte Mimosen nicht. Sie verursachen Migräne. So behauptete sie zumindest. Sie mochte auch Piccolos nicht. Die hohen Töne «machen mir Kopfweh».

Und politische Diskussionen gingen ebenfalls unter Mimosen: «Ich bekomme gleich einen Anfall.»

02.02.2016

Mein Vater erpresste mich. Zumindest als ich ein kleiner Bub war. «Alle Noten eins im Zeugnis – und du bekommst den Hund!»

Oder: «Wenn du das Sauerkraut nicht aufisst, schneits morgen.» Und natürlich: «BÖSEN BUBEN VERSTECKT DER OSTERHASE NICHTS!» ICH MEINE DIESE ART VON ERPRESSUNGEN!

26.01.2016

Gut. Ich gebe mich geschlagen: SCHNEE IST ÜBERLEBENSWICHTIG! Dabei ist er un­­sympathisch nass. Und macht dir ständig kalte Füsse.

19.01.2016

Seiten