Kolumnen

D Summerveegel und das ungleiche Brüderpaar

Fasnachtsgeschichte

An einem Morgenstreich wird eine alte Frau beim Affenbrunnen auf dem Andreasplatz von ihrer Vergangenheit eingeholt. Eine berührende Fasnachtsgeschichte von -minu.

Simone schaute zum Himmel. Langsam brach der Tag an, in dieser Stadt in ihrem Ausnahmezustand – und über ihre Fasnacht mit all den Schattierungen: von lodernder Freude bis bleierner Trauer.

Wie ein Schwarm flatternder Schmetterlinge zog der Stammverein der Summerveegel seine Runde um den Affenbrunnen.

Erschienen am: 
Samstag, 4. März 2017

Vom langen Abschied und der Melodie des Lebens

Illustration: Rebekka Heeb

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

Lukas sass vor dem Flügel.

Auf dem polierten Holz duftete die gelbe Rose in einer schlanken Murano-­Vase. Draussen im Garten hatten sich die Krähen in der grossen Birke ver­sammelt. Ihr Geschrei war verstummt. Alle warteten, dass etwas geschehen würde.

«Was muss ich tun, Beatrice?» – Lukas schaute seine Frau mit einem unruhigen, fast flehenden Blick an. «Ich weiss nicht, was ich hier soll…»

Die ältere Dame (mit den fein ­frisierten weissen Haaren) trug ein ­veilchenblaues Deuxpièces. Langsam ging sie auf Lukas zu. Streichelte seinen Kopf. Und hob den Deckel zur Tastatur: «Du spielst doch so schön, Lukas…»

Erschienen am: 
Samstag, 24. Dezember 2016

Wie Niggi mit dem Kalb das Christkind fand

Panik bei Stuckis: Ausgerechnet am Heiligen Abend ist Sohn Niggi verschwunden. Eine Weihnachtsgeschichte aus der Feder des Basler Autors -minu.

Die Nacht war klirrend kalt. Eisig. Niggi stampfte durch den Schnee in den Wald. An einem Seil führte er Klara mit sich – Klara, das Kalb, das anfangs Jahr zum Metzger geführt werden sollte. «Im Wald wartet das Christkind auf uns …», redete Niggi auf Klara ein.
Das Kalb schien nicht sehr beeindruckt. Es schniefte kleine Wölkchen von sich und blinzelte verärgert, weil es von diesem kleinen Bub aus dem warmen Stall geholt worden war.

Erschienen am: 
Dienstag, 20. Dezember 2016

D Kischtlibuebe – und ihre ganz spezielle Fasnacht

E Fasnacht fir dr Ärnscht. Zeichnung von Louis Moor (1893–1957) um 1930.

Die Fasnacht lag in ihren letzten Zügen. Noch einmal schränzten die Guggen in Vollformation durch die Gassen. Die Laternenlichter der grossen Cliquen flammten in die dunkle Nacht. In jedem Marsch hörte man jetzt die Traurigkeit des Vergänglichen. Den Abschied. Den leisen Tod.

Es war, als würde sich die Fasnacht wie ein Todgeweihter zum letzten Mal aufbäumen. Um dann ins Kissen der ewigen Ruhe zurückzusinken.

Erschienen am: 
Samstag, 13. Februar 2016

Waaiedift und Suppeschwaade – schön wärs!

Einst stärkten sich die Cliquen mit Gaggo und Murbs, heute wabern Grillwurstwolken durchs fasnächtliche Basel.

Man hört es rund um die Basler Fasnacht immer wieder – die Suppenoper in Versform. Und die Ode an «Waaiedift»:

«Waaiedift und Suppeschwaade dien zem Gniesse jetzt ylaade!» SCHÖN WÄRS!

Die zarten Düfte einer Ziibelewaaie sind längst von Grillwurstwolken überdeckt worden.

Erschienen am: 
Freitag, 20. Februar 2015

Das Fest der Zuckerbäcker

In Österreich gehören Vanillekipferl, in Tschechien Lebkuchen aufs weihnachtliche Backblech

Adventszeit – das ist der Moment der süssen Düfte. Und die nächste Ladung mit Brunsli (in Basel das beliebteste Weihnachtsgutzi) und Dootebainli, welche aus dem Ofen und in die diversen Blechkisten abgefüllt werden. Die Renner in deutschschweizerischen Gefilden sind klar: Mailänderli, Zimtsterne, Änisbrötli (in dieser Reihenfolge).

Erschienen am: 
Freitag, 19. Dezember 2014

Armleuchter gibt es nicht nur in der rosa Welt

Vermutlich bin ich der Falsche hier.

Man erwartet die absolute Verdammnis der Homophobie.

Sorry. Das bringe ich nicht.

Ich habe mit Leuten, die bei rosa Schwulen rotsehen, keine Berührungsängste. Ich sehe darin auch kein Drama. Irgendwie steckt diese Angst vor dem «Anderen» in jedem von uns. Und das betrifft dann oft nicht nur eine sexuelle Ausrichtung – sondern: andere Kulturen… anderes Denken… andere Hautfarben… «anders sein» eben.

Erschienen am: 
Samstag, 17. Mai 2014

Bildgeschichte: Die grosse Lüge der Maske

Jedes Jahr muss/darf ich vor der Fasnacht zu einem Bild, das mir unser Redaktor Dominik Heitz vorlegt eine Geschichte spinnen. Das Bild zeigte dieses Mal einen Pierot, der sich an einem Maskenball gedankenverloren im Spiegel betrachtet. So als wäre er auf einem andern Planeten. Ferner zeigen das Bild aus dem 18. Jahrhundert eine Frauenmaske, die ein junges Mädchen (ebenfalls maskiert) an der Hand herbeiführt.
DIES ALLES GAB DIE FASNACHTSGESCHICHTE VON DER GROSSEN LÜGE UND DER MASKE - natürlich frei erfunden. Aber eben doch wahr...

Erschienen am: 
Samstag, 8. März 2014
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