Glossen

Der Speisesaal des «Crillon» ist gigantisch. Noblesse pur.
Schon Napoleon hat hier sein Ei gelöffelt. Und sich danach mit Josy zurückgezogen. Der Kleine gab sich damals ganz gross. «Die Zigarrenstunde» nannte man so etwas im Jargon.

12.11.2007

«Zürich ist kosmopolitischer, internationaler?», sagt Heinz Spoerli.
Er muss es wissen. Er tanzt dort. Und hat auch in Basel seinen Tanz aufgeführt.

29.10.2007

In meiner Kinderzeit gabs noch Theaterröcke.
Tönt theatralisch. War aber folgendermassen: Immer wenn im Herbst die Theatersaison startete, holten Mutter, Tante, Oma ihre Theaterkleider bei Frau Marti ab.

15.10.2007

«? er schläft mit Max!», flüsterte Innocent zu seiner Freundin Rosie. Und rümpfte die Nase.
«Ich weiss nicht, was er an ihm sieht?»
Derweil hockt Max auf meinem Bett. Und stiert - zugegeben - etwas hilflos in eine Ecke.

17.09.2007

Szenen waren Vater verhasst.
«Mach keine Szene!», wies er Mutter in Schranken, wenn er auf Touren ging und sie sich theatralisch in sein Seil warf («Oh, geliebter Mann, weshalb muss es immer die Jungfrau sein?»).

03.09.2007

Karl und Susi haben mich zum Nachtessen eingeladen. «Ganz einfach» - haben sie gesagt.
Ich weiss, was das heisst: Betty Bossis Pfannenreigen. Betty Bossi geistert heute an allen Einladungen über die Teller.

30.07.2007

Paris hat sein Parfum verloren. Londons U-Bahn-Schächte miefeln nicht mehr. Und in Rom schüttets wie in Basel oder Aeschi bei Spiez. Auf den Ramblas von Barcelona: Kleiderständer mit Billig-Shirts. Und: «Hier sprick deutsch!»

16.07.2007

Ich kanns nicht mehr hören. Und doch höre ich es immer wieder. Täglich. Stündlich. Sekündlich.

02.07.2007

Ich bin mit Kunst aufgewachsen. Da ist nix gegen zu sagen.
Jedenfalls: Es hat mir nicht geschadet. Und obwohl ich das Mädchen, das da eine Eidechse auf dem sonnenbeschienenen Fels betrachtete, nett fand, hat mich das Werk in Öl nicht sonderlich geprägt.

18.06.2007

Das kleine Kind im schäbigen Kleid öffnete zaghaft das Fenster. Dann hievte es sich mit der Eleganz einer Katze auf den Sims. Und brach in die Wohnung ein.
Heiliger Abend war ein guter Morgen zum Einbrechen. Alle hatten den Kopf bei Geschenken, Kochen und Baumschmücken.

11.12.2006

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